Osnabrück  Höchster Heimsieg der Saison: VfL Osnabrück besiegt RW Essen 3:0 und klettert auf Rang zwei

Susanne Fetter, Moritz Büscher
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Von Susanne Fetter, Moritz Büscher
| 21.02.2026 16:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Jubel an der Bremer Brücke: Ismail Badjie (links) feiert seinen Treffer zum 1:0 für den VfL Osnabrück mit Lars Kehl. Foto: Osnapix/Titgemeyer
Jubel an der Bremer Brücke: Ismail Badjie (links) feiert seinen Treffer zum 1:0 für den VfL Osnabrück mit Lars Kehl. Foto: Osnapix/Titgemeyer
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Der VfL Osnabrück feiert einen verdienten 3:0-Erfolg gegen RW Essen im Topspiel der 3. Fußball-Liga. Ismail Badjie, Jannik Müller und Kai Pröger trafen für die Lila-Weißen, die in der Tabelle damit zumindest vorübergehend auf Platz zwei sprangen. Dort stehen sie punktgleich mit Spitzenreiter MSV Duisburg.

Als Kai Pröger in der Nachspielzeit zum 3:0 traf, bebte die Bremer Brücke am Samstag endgültig. Die Fans des VfL Osnabrück feierten mit der Mannschaft den höchsten Heimsieg der Saison. Während die Lila-Weißen in der Hinrunde vor allem auswärts glänzten, läuft es nach der Winterpause auch zu Hause. Arm in Arm untergehakt standen die Spieler nach der Partie vor der Ostkurve und sprangen auf und ab. Den Applaus der Fans hatten sie sich mit dem Sieg im Topduell gegen RW Essen, das über weite Strecken ein echtes Kampfspiel bot, verdient.

Eine Viertelstunde vor der Partie hatte es bereits den ersten emotionalen Moment des Tages gegeben. Gemeinsam mit der Stadt Osnabrück hatte der VfL ein Signal in die Ukraine gesendet. Vier Jahre nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges startete Oberbürgermeisterin Katharina Pötter am „Friedensspieltag“ einen Aufruf: „Für Frieden, für Freiheit und für die Menschen in der Ukraine, die unsere Freiheit dort verteidigen.“ VfL-Präsident Holger Elixmann rief „zum Ende der Gewalt und zur Versöhnung“ auf. In einer Live-Schalte sang ein ukrainischer Künstler mit seiner Band „Hey Jude“ von den Beatles.

Gestört wurden Rede und Auftritt der Band durch die Essener Fans, die immer wieder lautstark eigene Gesänge und Beleidigungen gegen die VfL-Fans anstimmten. Diese ließen sich nicht provozieren und blieben ruhig. Den Rest regelte die Stadiontechnik, die den berührenden Song so laut aufdrehte, dass die Essener Fans im vollen Gästeblock keine Chance hatten, dagegen anzukommen.

Danach richteten sich die Augen wieder auf den Rasen, wo der VfL zum Topspiel lud. Den Tabellenvierten Osnabrück und RW Essen auf Rang fünf trennte nur ein Tor in der Bilanz der erzielten und erhaltenen Treffer. Nur zwei Zähler lagen beide Mannschaften vor dem Spiel hinter Spitzenreiter Energie Cottbus.

Pünktlich zum Duell mit Essen, das vom ehemaligen VfL-Coach Uwe Koschinat trainiert wird, meldete sich Bjarke Jacobsen wieder fit. Der Däne musste die beiden letzten Partien wegen Rücken- und Oberschenkelproblemen aussetzen. Neben ihm startete sein Vertreter in den vergangenen Spielen, Fridolin Wagner. Darüber hinaus nahm VfL-Trainer Timo Schultz drei weitere Änderungen in der Startelf vor. Frederik Christensen begann auf der linken Außenbahn, Ismail Badjie startete neben Lars Kehl hinter Robin Meißner im Sturm. Robin Fabinski ersetzte Theo Janotta auf der rechten Innenverteidigerposition.

Badjie sorgte auch für die erste gefährliche Szene des Spiels in der 6. Minute. Seinen Schuss aus rund 18 Metern lenkte Essens Torwart Felix Wienand zur Ecke. Den folgenden Ball köpfte Wagner über das Essener Tor. In der 9. Minute faustete Wienand einen weiteren Eckball von Kehl aus dem Strafraum. Dem VfL gehörte die Anfangsphase. Auch danach suchten die Osnabrücker immer wieder die spielerische Lösung und schafften es damit bis in den Essener Strafraum. Defensiv stand der VfL stabil. In der 16. Minute wurde es dann allerdings auch das erste Mal vor dem Osnabrücker gefährlich. Safi setzte sich auf der linken Seite gegen Fabinski durch und passte zum freien Hofmann an der Strafraumgrenze. Dessen Schuss ging nur knapp drüber.

Der VfL versuchte es weiter vor allem über Standards. Nach einer halben Stunde kamen die Osnabrücker zu ihrer vierten Ecke. Essen kam in der 36. Minute zu seiner besten Chance. Nach mehreren Kopfbällen parierte VfL-Torwart Lukas Jonsson den letzten von Rios aus kurzer Distanz. Die folgende Ecke nutzte Lucas Brumme zu einem Schuss, der ebenfalls zur Ecke gelenkt wurde. Essen drückte für ein paar Minuten ehe der VfL zu einer Riesenchance ansetzte. Kehl legte Meißner den Ball im Strafraum zentral vor. Dessen Schuss mit rechts ging allerdings links am Tor vorbei.

Kurz vor der Pause nahm Meißner einen langen Kopfball von Wagner, der einen Abstoß von Wienand abgefangen hatte, ganz stark mit und setzte auf der linken Seite zum Sprint an. Seinen Schuss konnte Wienand noch abwehren, allerdings nur vor die Füße des mitgelaufenen Badjie, der sein fünftes Saisontor für die Lila-Weißen erzielte. Zum ersten Mal traf er dabei nicht als Joker, zum dritten Mal erzielte er das 1:0. Ein gutes Omen: Denn in allen Partien, in denen Badjie traf, gewann der VfL am Ende.

Auch nach der Pause blieb es ein kampfbetontes Spiel. In der 58. Minute jubelten die Essener Fans bereits über den Ausgleich, doch beim Schuss von Dickson Abiama standen Ruben Reisig und Rios dicht vor VfL-Torwart Jonsson im Abseits. Der nächste gute Abschluss gehörte den Osnabrückern. Nach einem Pass von Wagner zog Meißner stark aus spitzem Winkel ab, traf allerdings nur das Außennetz.

Den Treffer erzielte in der 70. Minute einer, der eigentlich eher für das Verhindern von Toren zuständig ist. Abwehrchef Jannik Müller setzte im Strafraum nach einer Ecke von Kehl gut nach und erhöhte mit seinem ersten Saisontor direkt vor der Ostkurve auf 2:0. Für den 32-Jährigen war es sein zweiter Treffer insgesamt für die Osnabrücker, zu denen er im vergangenen Winter gewechselt war. Erstmals traf er an der Bremer Brücke.

Einen Essener Freistoß faustete Jonsson in der 78. Minute aus dem Strafraum. Der VfL blieb konsequent. In der 83. Minute gab es dann sogar Szenenapplaus für den Osnabrücker Torwart, der erst gegen Brumme parierte und dann einen wuchtigen Schuss des eingewechselten Marek Janssen festhielt. Stattdessen traf der eingewechselte Kai Pröger für den VfL in der Nachspielzeit zum 3:0 und ließ die Bremer Brücke noch einmal jubeln. Es war der höchste Heimsieg in dieser Saison.

Der VfL bleibt damit im Jahr 2026 weiter ungeschlagen und setzte sich zudem zu Hause endlich einmal in einem Topduell durch. Aus den bisherigen Spielen drei Spielen gegen eine Mannschaft unter den sieben Besten der Tabelle nahmen die Lila-Weißen bisher nur zwei Punkte mit. Durch den Sieg gegen Essen kletterte der VfL auf den zweiten Tabellenplatz, punktgleich mit Spitzenreiter MSV Duisburg, der mit 46 Punkten ebenfalls eine Tordifferenz von 14 aufweist, aber mehr Treffer erzielt hat. Zugleich halten die Osnabrücker Verfolger Essen damit nun etwas auf Distanz.

Die Füße legt der VfL dennoch nicht hoch. Am Sonntag trägt der Verein ein kurzfristig angesetztes Testspiel gegen Regionalligist Jeddeloh II aus. Die Partie findet in Nordhorn statt, da die Platzverhältnisse in Osnabrück eine Austragung nicht zuließen. Hier sollen vor allem die Spieler des Kaders Praxis bekommen, die gegen Essen nicht im Einsatz waren. Die Kaderbreite ist bislang eines der Erfolgsrezepte des VfL – das soll auch künftig so bleiben, Sieg im Topduell hin oder her.

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