Osnabrück Secondhand im Abo: Melanie Breuer testet Kleidung zum Leihen – und sagt „Gigantisch“!
Ein halbes Jahr lang trägt Melanie Breuer nichts als Secondhand-Kleidung aus dem Diakonie-Laden Edelkreis in Osnabrück. Warum sie sich auf das Experiment eingelassen hat – und wie daraus ein neues Geschäftsmodell entstehen könnte.
Wie fühlt es sich an, ein halbes Jahr lang ausschließlich Mode aus zweiter Hand zu tragen? „Gigantisch“, findet Melanie Breuer.
Die Pädagogin aus Osnabrück beteiligt sich an einem besonderen Projekt: Seit Ende 2025 trägt sie geliehene Kleidung aus dem „Edelkreis“, einem gemeinnützigen Secondhand-Laden der Diakonie Osnabrück. Ziel ist es, ein mögliches neues Abomodell zu testen.
Der Laden wurde 2018 eröffnet und 2019 unter dem Namen Edelkreis neu ausgerichtet. Laut Projektleiterin Eva Lodde konnten Kunden bislang ausschließlich Ware kaufen. „Wir haben überlegt, wie wir noch nachhaltiger arbeiten können.“
Da kam die Idee, ausgewählte Kleidungsstücke gegen eine monatliche Gebühr an Kunden zu verleihen. In größeren Städten gebe es solche Konzepte bereits. Nun wolle man prüfen, ob es auch in Osnabrück funktioniert.
Melanie Breuer meldete sich freiwillig als Testperson. Sie arbeitet selbst für die Diakonie, ist zum Beispiel in einer Wohngruppe tätig und leitet Seminare. „Für jeden dieser Bereiche bin ich bisher mit Secondhand-Kleidung vom Edelkreis ausgestattet worden“, sagt sie.
Früher habe sie vor allem praktische Kleidung bevorzugt. Das Experiment habe ihren Blick verändert. Sie probiere Kombinationen aus, die sie früher nie gewählt hätte: Röcke, Kleider, Business-Outfits. Auch farblich wage Breuer Neues – „zum Beispiel Rosa“.
Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden im Edelkreis beraten sie bei der Auswahl. „Sie haben einen unheimlich guten Blick. Mir wurden Hosen zur Verfügung gestellt, die sofort passten. Das kenne ich aus einem normalen Geschäft nicht“, berichtet Breuer.
Ein weiterer Vorteil: Da es sich um ein Leihkonzept handelt, sammelt sich nichts dauerhaft im Kleiderschrank an. „Ich habe keine Schrankleichen.“
Projektleiterin Eva Lodde ordnet das Experiment in eine größere Entwicklung ein. Der Edelkreis erzielte 2025 einen Rekorderlös von 52.000 Euro. Die Diakonie investiert die Einnahmen in soziale Projekte – etwa das Diakoniebistro. Dort erhalten Bedürftige ein frisch zubereitetes Mittagessen für 2,50 Euro.
Mitarbeiterin Bettina Dreyer erklärt: „Uns ist wichtig, dass die Menschen nicht nur satt werden, sondern auch würdevoll bedient werden – wie in einem Restaurant.“
Auch die Wohngruppe Lichtenbergstraße – jener Teil der stationären Jugendhilfe der Diakonie, in dem Breuer tätig ist – profitiert: Mit den Mitteln aus dem Edelkreis soll dort der Garten neu gestaltet werden. „Wir werden ein großes Gartenhaus bauen, ein Basketball- und Fußballfeld einrichten sowie einen Grillplatz schaffen“, sagt Geschäftsbereichsleiter Matthias Westermann.
Für Melanie Breuer ist das Secondhand-Experiment noch lange nicht abgeschlossen. Mit Blick auf die kommenden Monate zeigt sie sich neugierig und offen für Neues: „Ich möchte den Frühling in meinen Kleiderschrank lassen – zum Beispiel mit neuen Röcken.“