Osnabrück Fast jedes zweite Kind in der Ukraine zeigt Anzeichen psychischer Verletzungen
Laut Terre des Hommes zeigt fast jedes zweite Kind in der Ukraine nach vier Jahren Krieg Anzeichen psychischer Verletzungen. Ein Netzwerk mit Partnerorganisationen bietet Traumahilfe.
Beinahe jedes zweite Kind in der Ukraine zeigt inzwischen Anzeichen psychischer Verletzungen und Traumata. Das sagte die Ukraine-Projektkoordinatorin der Kinderschutzorganisation Terre des Hommes (TdH), Malgorzata Biczyk, unserer Redaktion anlässlich des bevorstehenden vierten Jahrestages des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine am 24. Februar 2022.
Gezielter Bombenterror präge den Alltag vieler Familien und setze sie dauerhafter Belastung aus, unzählige Menschen seien traumatisiert. „Zahllose Kinder frieren mit ihren Familien in der Kälte ohne Strom und Heizung, können deswegen nicht zur Schule gehen und sind durch die dauerhaften Bombardements und den Verlust von Angehörigen oder Gleichaltrigen stark verängstigt“, so die Koordinatorin.
Zusammen mit Partnerorganisationen in der Ukraine habe Terre des Hommes ein Netzwerk traumatherapeutischer Hilfe aufgebaut. Damit habe man rund 180.000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen geholfen, den Weg zurück in ihr früheres Leben zu finden.
Insgesamt war die in Osnabrück ansässige Organisation in den vergangenen vier Jahren an 79 Projekten in der vom Krieg gebeutelten Ukraine beteiligt. Dafür wurden seit 2022 insgesamt 26,2 Millionen Euro aus Spenden sowie Zuwendungen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und des Auswärtigen Amtes eingesetzt.
Terre des Hommes fordert die Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Organisationen in die Gespräche über die Zukunft der Ukraine und den Wiederaufbau des Landes. „Die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen ist für unsere Arbeit unverzichtbar“, sagte Vorstandssprecher Joshua Hofert. Sie dürften nicht übergangen werden.
Offiziellen Angaben der ukrainischen Regierung zufolge wurden seit Beginn des Krieges 684 Kinder getötet, 2.367 verletzt und mindestens 20.000 nach Russland verschleppt.