Osnabrück Keine Busse in der Johannisfreiheit: Osnabrücker Initiative startet Online-Petition
Gediegenes Ambiente, moderner Protest: Im ältesten Rathaus der Friedensstadt fordert die Initiative „Zukunft Kernstadt Osnabrück“ eine Kehrtwende am Neumarkt. Wer hinter dem Namen steckt und wie Unterschriften gesammelt werden.
Die Initiative „Zukunft Kernstadt Osnabrück“ hat zum Pressegespräch geladen: Ihre Petition „Busknoten Neumarkt und Ruhepol Johannisfreiheit erhalten! Keine Mehrbelastung der Johannisstraße“ hat in drei Wochen bereits über 980 Unterschriften erhalten.
Die Szenerie ist historisch, das Thema perspektivisch: Ganz allgemein gesprochen geht es um den Verkehr in Osnabrück – konkret um die vom Stadtrat beschlossene Umgestaltung des Neumarkts und deren Auswirkungen auf die Verkehrsführung. Von den derzeit täglich rund 1700 Bussen am Neumarkt sollen dann etwa 800 über die Johannisfreiheit fahren.
„Willkommen im ältesten Rathaus der Stadt Osnabrück“, eröffnet Marius Meinert das Gespräch. Über dem gebügelten weißen Hemd trägt er eine karierte Weste. Das wirkt gediegen – gut bürgerlich. Das gleiche gilt für seine Mitstreiter, Ruth Hammerbacher, Jürgen Deiters, Elke Schulte und Bruno Switala. Alles alte Bekannte in Osnabrück. Sie haben sich in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht als Menschen mit Meinungen und Expertise aus Politik, Wissenschaft und Geschäftswelt.
Ihr gemeinsamer Nenner lautet: Den Neumarkt als zentralen Busknotenpunkt in Osnabrück erhalten und stärken, nicht noch mehr Busse als jetzt durch die Johannisstraße schicken und die Johannisfreiheit als Ruhepol mit seiner historischen Bedeutung erhalten. Kurzum, die diesbezüglichen Entscheidungen des Rats sollen rückgängig gemacht werden.
Ihre Argumente haben sie schon mehrfach in der Öffentlichkeit vorgebracht: bauhistorische Besonderheiten, Verschlechterung des ÖPNV, Gefährdung von Fußgängern und Radfahrern, Belastungen für die Krankenhäuser. Hier sind sie noch einmal zum Nachlesen.
So unterschiedlich ihre Sichtweisen auf die Causa Neumarkt und Johannisfreiheit auch sind, und ebenso so verschieden ihre Beweggründe, sich zu engagieren, ihr gemeinsames Ziel schweißt sie jetzt zusammen. Ihr Auftreten ist energisch. Sie wollen der Politik die Stirn bieten: „Ich glaube, dass hier drei politische Parteien einen Vertrag auf Kosten vieler anderer Dritter geschlossen haben. Die haben ihre internen politischen Konflikte versucht zu lösen.“ Hammerbacher meint SPD, CDU und Grüne, deren Mitglieder im Rat mehrheitlich für die Planungen gestimmt haben.
Deiters, von Haus aus Wirtschaftsgeograf und Professor im Ruhestand der Universität Osnabrück, ärgert sich darüber, „dass Politiker, die die Fehler machen können, nicht in der Lage sind, das einzugestehen und zu korrigieren oder sich um die Folgen ihrer Entscheidung zu kümmern.“
So wie die Initiatoren im ältesten Rathaus Osnabrück sitzen, das schon längst gastronomisch genutzt wird, ist offensichtlich, dass die meisten von ihnen nicht mehr zu den Jüngsten gehören. Bis auf Elke Schulte, Geschäftsführerin des in der Johannisstraße ansässigen Schuhhauses Bröcker, haben wohl alle das Rentenalter erreicht.
Doch von wegen Alter: Die Initiative macht vor, wie moderne Öffentlichkeitsarbeit funktioniert, und zieht in Sachen Marketing und Kommunikation alle Register: Um so viele Bürgerinnen und Bürger wie möglich mitzunehmen, kann die Petition sowohl online als auch ganz klassisch analog auf Papier an verschiedenen Auslagestellen in Osnabrücker Geschäften unterzeichnet werden. Begleitend gibt es einen Blog sowie Aktivitäten auf mehreren Social-Media-Kanälen.
Und die Erfolgsaussichten? Wie realistisch ist es, den Druck auf die Politik mit einer Petition zu erhöhen, sodass die beschlossenen Planungen noch gekippt werden? „Es geht auf jeden Fall immer mengenmäßig“, gibt sich Meinert optimistisch.
Und: Die Unterschriftenaktion läuft noch mehrere Monate, auch während des bevorstehenden Kommunalwahlkampfs. Meinert: „Wir argumentieren jetzt wirklich über die gesamte Bandbreite und durch das Zusammenwirken der verschiedenen Akteure haben wir eine nächste Stufe erreicht.“