Verzicht  So begeht Aurich die Fastenzeit

Romy Jochens
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Von Romy Jochens
| 19.02.2026 13:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Zucker fehlt schon jetzt. Foto: Deike Terhorst
Der Zucker fehlt schon jetzt. Foto: Deike Terhorst
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Mit Passionszeit und Ramadan starten im Februar zwei große Zeiten des Verzichts – und die Auricher Redaktion macht mit. Vier Kolleginnen erzählen, was sie in den nächsten Wochen weglassen.

Aurich - Fasten kann gesund sein und ist mit Aktionen wie dem „Vegan-uary“ oder „Sober October“ mitten im Lifestyle angekommen. Die Idee, auf tierische Produkte oder Alkohol zu verzichten, ist nicht neu: Bewusste Selbstdisziplin gehört seit Jahrhunderten zu den zentralen Praktiken vieler Weltreligionen.

Der Aschermittwoch hat in diesem Jahr eine seltene Überschneidung gebracht: Mit ihm beginnt die christliche Passionszeit und nahezu zeitgleich startet auch der Ramadan im Islam. Erstmals seit 1928 liegen die Starttermine so dicht beieinander. Milliarden Christen und Muslime weltweit bereiten sich mit der Fastenzeit auf große Feierlichkeiten ihrer Religion vor: einerseits die Ostertage und andererseits das Zuckerfest. In Verzicht, Selbstreflexion und spiritueller Disziplin vereint, unterscheiden sich Bedeutung und Ausführung der Fastenzeiten.

Fasten in der Religion

Der muslimische Fastenmonat Ramadan ist ein zentraler Bestandteil der Religion. Er richtet sich nach dem Mondkalender, der rund zehn bis elf Tage kürzer ist als das Sonnenjahr, weshalb der Ramadan im gregorianischen Kalender durch die Jahreszeiten wandert. Auch für den Alltag im Ramadan sind Mond und Sonne entscheidend: Gefastet wird täglich von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang, sodass die Zeiten je nach Jahreszeit und geografischer Lage variieren. Eingerahmt wird der Tag, an dem gläubige Muslime auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex verzichten, vom Suhoor (Essen vor Tagesanbruch) und dem Iftar (Fastenbrechen am Abend). Der Ramadan dauert 29 oder 30 Tage und wird von zusätzlichen Gebeten und einem ausgeprägten Gemeinschaftsgefühl geprägt, ganz besonders beim gemeinsamen Fastenbrechen.

So klar geregelt der Ramadan ist, so unterschiedlich wird Fasten im Christentum gelebt. Die Fastenzeit dauert 40 Tage, die konkrete Ausgestaltung liegt im persönlichen Ermessen. Typischerweise sind es jedoch drei Bereiche, in denen Christen und Christinnen fasten: bei Essen und Trinken, bei Konsum und Gewohnheiten oder im „inneren Fasten“ etwa durch bewussteren Umgang mit Ärger, Ungeduld und Härte. Letzteres wird auch im diesjährigen Motto der Evangelischen Kirche aufgegriffen: „Mit Gefühl! 7 Wochen ohne Härte“ aufgegriffen. Pastorin Cathrin Meenken von der Lambertikirche Aurich interpretiert das Motto als Einladung, sich auf sich selbst und das Kleine zu besinnen - insbesondere in Anbetracht der weltweiten Krisen und Konflikte. Das Fasten selbst verbildlicht sie in ihrer Kirche durch die Schließung des Altars, um ihn Ostern wieder zu öffnen und ihn dann „umso mehr zu schätzen“.

Podcast zu Kirche und Konfessionen in Ostfriesland

In der vierten Staffel ihres Podcasts „Watt’n los?“ haben die Volontärinnen Pia Pentzlin und Deike Terhorst vergangenen Sommer über Kirche und Konfessionen in Ostfriesland diskutiert. Im Gegensatz zu angrenzenden Landkreisen wie dem Emsland und Cloppenburg findet man hier nämlich einen bunten Mix aus unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften. Eine weitere Form der Friesischen Freiheit? Das gilt es zu klären.

Gemeinsam mit Expertinnen und Experten sprechen Pia und Deike über Konfessionsmerkmale, junge Menschen in den Gemeinden, Kirche in den Sozialen Medien und ihre Zukunft angesichts des starken Mitgliederschwunds. Die Folgen finden Sie überall dort, wo es Podcasts gibt – unter anderem bei Spotify.

Fasten in der Redaktion

Fasten ist nicht mehr nur religiös, auch viele Menschen ohne konfessionellen Hintergrund nutzen die Wochen für bewussten Verzicht, um Gewohnheiten zu überprüfen oder Veränderung anzustoßen. Auch in der Redaktion wird gefastet!

Jutta Martens, ostfriesen.tv, geht ins innere Fasten:

Muss Fasten so aussehen? Symbolfoto: DPA
Muss Fasten so aussehen? Symbolfoto: DPA

Ich höre auf zu Jammern! Vor einigen Jahren habe ich eine Aktion auf Instagram entdeckt, die dazu aufrief, während der Fastenzeit mal nicht zu Jammern. Da habe ich mitgemacht und fand es großartig. Ich habe mich selbst oft beim Motzen und Meckern erwischt, mich gestoppt und mich dazu ermuntert, stattdessen nach einer Lösung zu suchen. Denn, ihr kennt das doch, oder? Man nörgelt über das immer gleiche Problem, beleuchtet es von allen Seiten und fühlt sich danach nicht mehr erleichtert, weil man es losgeworden ist. Im Gegenteil macht das ständige Jammern eher müde und bringt gar nichts. Während der Fastenzeit fällt mir jedes Jahr aufs Neue auf, wie viel ich mich beschwere, aber auch wie viel um mich herum genörgelt wird. Das möchte ich ändern und versuche es dieses Jahr wieder. Macht ihr mit?

Romy Jochens, Volontärin, erwartet eine Zeit der Herausforderung:

Ich werde in der Fastenzeit auf raffinierten Zucker verzichten. Bekanntermaßen schlecht für die Gesundheit, fühle ich mich wie ein Kleinkind, das ich so schlecht an den Backtheken dieser Welt vorbeikomme und eigentlich jedes Spaßgetränk mal kosten möchte (mit der Dubai-Schokoladen-Limo hab ich zuletzt den Vogel abgeschossen). Als zeitlosen Klassiker bin ich also auf den Zug des Zuckerfastens aufgesprungen und es fühlte sich an wie zwei Fliegen mit einer Klappe: weniger sinnloser Konsum und Verbesserung meiner Gesundheit. Mir dämmerte erst kurz darauf, welche Ausmaße, abgesehen von lustigen Snacks, das haben wird: Sie haben ihn mittlerweile fast überall beigemischt. Auf mich wartet also eine Zeit des Zutatenlisten-Studierens und der Selbstbeherrschung.

Eva van Loh, Volontärin, nutzt die Zeit, um an Gewohnheiten zu arbeiten:

Ich nehme mir vor, auf etwas zu verzichten, was mich schon seit Jahren an mir selbst stört: Das ständige Aufschieben von Aufgaben. Ob es das Aufräumen oder Aussortieren des eigenen Gerümpels ist, oder das Projekt, das man schon seit Ewigkeiten anfangen möchte und es nie getan hat. Fasten hat für mich persönlich zwar keinen religiösen Aspekt, aber ich möchte trotzdem, dass es mir etwas bringt. Alkohol trinke ich sowieso nicht und auch das Rauchen ist mir fremd. Also muss ich etwas kreativ werden, wenn es um Dinge geht, auf die ich mal verzichten sollte. Ich habe eine lange Liste an Aufgaben, die ich mal erfüllen sollte, anstatt mir die Zeit mit unproduktiven Dingen zu vertreiben. Also soll es in den nächsten Wochen heißen: Ran an die To-Do-Liste!

Carmen Leonhard, Redakteurin, fastet konventionell:

Eine Weinwanderung im Sommer, das Bierchen beim Fußballgucken: „Da bin ich gerne dabei“, sagt Carmen Leonhard. Nur jetzt ist erstmal Alkoholfasten angesagt. Foto: Carmen Leonhard
Eine Weinwanderung im Sommer, das Bierchen beim Fußballgucken: „Da bin ich gerne dabei“, sagt Carmen Leonhard. Nur jetzt ist erstmal Alkoholfasten angesagt. Foto: Carmen Leonhard

40 Tage ohne... Alkohol. Das ist meine Challenge für die Fastenzeit 2026. Den Anstoß dafür hat mein Freund gegeben, der sich vorgenommen hat, bis Ostern auf Wein, Bier, Cocktails und andere Verlockungen zu verzichten. Da bietet es sich an, mitzuziehen. Aus Solidarität. Und weil es ehrlicherweise in letzter Zeit etwas zu viele Anlässe gab, promillehaltige Getränke zu konsumieren. Eine Pause wird dem Körper guttun - und dem Geist ganz bestimmt auch. Ein Hintertürchen werde ich mir allerdings lassen. Wenn es in der Fastenzeit einen wirklich guten Grund gibt, mit Freunden oder der Familie anzustoßen, dann werde ich das auch tun. Dafür sind diese Momente einfach zu kostbar, gerade in diesen Zeiten. Als kleinen Ausgleich werde ich für jede Ausnahme einen Zehner an einen guten Zweck spenden.

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