Osnabrück Neue Wohnanlage für psychisch Kranke: Haus am Schölerberg kehrt zurück nach Osnabrück
In Osnabrück entsteht seit 2023 das neue Awo-Haus am Schölerberg. Die Wohnanlage für 99 Menschen mit psychischer Erkrankung gilt in vielerlei Hinsicht als Fortschritt. Was macht sie so besonders?
Der Neubau von „Haus am Schölerberg“ an der Iburger Straße in Osnabrück kommt voran. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) will die neue Wohnanlage für Menschen mit seelischen Behinderungen im Juni 2026 beziehen. Das teilt der Bezirksverband Weser-Ems mit.
Das frühere Gebäude hatte der Träger vor rund drei Jahren abreißen lassen. Seitdem befindet sich die Einrichtung übergangsweise in der ehemaligen Klinik am Kasinopark in Georgsmarienhütte.
Die neue Wohnanlage, deren Baukosten beim Spatenstich im Mai 2024 mit 18 Millionen Euro beziffert wurden, besteht aus zwei Gebäuden. In einem Haus entstehen 99 Einzelappartements mit Balkon sowie Gemeinschaftsräume. Im zweiten Haus richtet die Awo ein „Kompetenzzentrum“ ein. Dort sollen Angebote den Tag der Bewohner strukturieren und das selbstständige Leben fördern.
Die Gebäude erfüllen beinahe Passivhausstandard (KfW 40 NH). Das heißt: Sie verbrauchen sehr wenig Energie. Eine Heizung mit Öl oder Gas ist nicht vorgesehen. Stattdessen nutzt das neue Haus am Schölerberg einen Eisspeicher im Boden.
Der Speicher ist 15 Meter breit und vier Meter tief. Zusammen mit Photovoltaik und Luft- sowie Solarkollektoren sorgt er für Wärme im Winter und Kühlung im Sommer.
Christoph Fehringer, kaufmännischer Vorstand der Awo Weser-Ems, verweist auf eine ähnliche Wohnanlage in Sutthausen aus dem Jahr 2019. Sie ist zwar deutlich kleiner, besteht aber ebenfalls aus zwei Gebäuden. An ihr lasse sich „beispielhaft hervorragend ablesen, wohin die gute Reise gehen wird“.
Fehringer betont die sogenannte trialogische Ausrichtung bei der Awo. Trialogisch bedeutet: Betroffene, Angehörige und Fachkräfte beraten und entscheiden gemeinsam. Alle drei Seiten bringen ihre Sicht ein.
Grundlage der Arbeit sind die UN-Behindertenrechtskonvention und das Sozialgesetzbuch 9 (SGB IX). Es regelt die Rechte von Menschen mit Behinderungen auf Teilhabe und Unterstützung.
Janne Koch, Geschäftsbereichsleiterin Trialog, begleitet den Neubau von Haus am Schölerberg. Der komplette Umzug soll etwa drei Tage dauern. „Der angepeilte Umzugstermin im Juni 2026 steht“, sagt Koch. Die neue Wohnanlage sei ein „enormes Upgrade“ im Vergleich zum früheren Gebäude und zur jetzigen Zwischenlösung.
Im Haus am Schölerberg leben künftig Menschen mit psychischen Erkrankungen, die länger als sechs Monate andauern. Dazu zählen etwa Psychosen, Depressionen oder starke Ängste.
Die Awo-Einrichtung ist jedoch keine psychiatrische Klinik. Stattdessen bietet sie Eingliederungshilfe. Das bedeutet: Die Bewohner leben dort freiwillig und erhalten Assistenz im Alltag. Sie entscheiden selbst, welche Hilfen sie nutzen.