Osnabrück  Leere Schaufenster, maue Umsätze: Rutscht die Osnabrücker Innenstadt in die Krise?

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 19.02.2026 05:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bald noch ein leeres Schaufenster? Zweirad Röwer in der Dielingerstraße in Osnabrück gibt auf. Politiker und Experten blicken mit Sorge auf die Entwicklung der Innenstadt. Foto: Benjamin Beutler
Bald noch ein leeres Schaufenster? Zweirad Röwer in der Dielingerstraße in Osnabrück gibt auf. Politiker und Experten blicken mit Sorge auf die Entwicklung der Innenstadt. Foto: Benjamin Beutler
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Leere Schaufenster, maue Umsätze: Die Lage des Innenstadthandels in Osnabrück war schon mal besser. SPD und Grüne wollen die drohende City-Krise offenbar zum Thema im Wahlkampf 2026 machen. Alles nur künstliche Aufregung?

Die Politik in Osnabrück hat den Handelsmonitor 2025 als Weckruf verstanden und setzt neun Monate vor der Kommunalwahl ein Reizthema auf die politische Tagesordnung: die Leerstände in der Osnabrücker Innenstadt. SPD und Grüne veranstalten unabhängig voneinander innerhalb von zwei Tagen Diskussionsrunden, in denen der mutmaßlich kriselnde Innenstadthandel seziert werden soll.

Alle zwei Jahre lassen das Osnabrücker Stadtmarketing und die Industrie- und Handelskammer (IHK) im Handelsmonitor Osnabrück wichtige Daten zur Lage des Einzelhandels erfassen. Die Daten geben Aufschluss über die Anziehungskraft der Friedensstadt auf die Region, die Kaufkraft der Menschen, die wirtschaftliche Lage der Branche und die Konkurrenz des Onlinehandels.

Der jüngste Handelsmonitor für 2025 ließ aufhorchen: Die Leerstände in der Osnabrücker City nehmen demnach zu. Der Fokus der Analysten lag auf dem Hauptzentrum der Innenstadt, zu dem sie auch die Johannisstraße und die Möserstraße zählen. Insgesamt stellten sie 68 Leerstände von Erdgeschossflächen fest (Stand: Mai 2025). Das entsprach einer Quote von neun Prozent. Der Schwerpunkt der Leerstände lag, wenig überraschend, am Neumarkt (Ecke Johannisstraße), in der Theaterpassage (Krahnstraße) sowie in sogenannten 1b-Lagen in den Randbereichen der Innenstadt.

Der Umsatz der Handelsunternehmen ist laut Handelsmonitor im Vergleich zu 2019 in der Innenstadt moderat gesunken – während er im übrigen Stadtgebiet steigt. Aber auch der Konsum verändert sich. Wer in die Innenstadt fährt, gibt mehr Geld für Nahrungsmittel, Körperpflege und alkoholische Getränke aus, weniger dagegen beispielsweise für Schuhe oder Unterhaltungselektronik.

SPD-Oberbürgermeisterkandidat Robert Alferink hat beim Neujahrsempfang seiner Partei im Januar das Thema Innenstadtentwicklung zum Schwerpunkt gemacht. Die Osnabrücker City brauche nach Wahrnehmung vieler Bürgerinnen und Bürger eine Generalüberholung, so Alferink.

Die Leerstände erfassten inzwischen auch die sehr guten Lagen, etwa in der Kamp-Promenade, der Krahnstraße oder sogar am Markt mit dem Ratskeller und dem alten La Vie. „Das kann man doch nicht hinnehmen. Wir brauchen deshalb eine offene Diskussion über die Steigerung der Aufenthaltsqualität, etwa durch eine Neugestaltung der Großen Straße mit mehr Bäumen und Beeten, einem neuen Pflaster und nicht-kommerziellen Aufenthaltsmöglichkeiten“, so Alferink.

Um dem Thema Schub zu geben, lädt die SPD-Fraktion zu einer öffentlichen Fraktionssitzung am Montag, 23. Februar, um 17 Uhr ins Seedhouse (An der Katharinenkirche 3) ein. OB-Kandidat Alferink will auf dem Podium mit Tobias Schonebeck (Präsident des Handels- und Dienstleistungsverbands Osnabrück-Emsland), Alexander Illenseer (Geschäftsführer der Marketing Osnabrück GmbH), Marco Graf (Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Osnabrück, Emsland-Grafschaft Bentheim) über die Zukunft der Osnabrücker Innenstadt sprechen. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen einzubringen und mitzudiskutieren.

Zwei Tage später, am Mittwoch, 25. Februar, widmen sich die Osnabrücker Grünen demselben Thema. Unter dem Titel „Shoppen – Schlemmen – Chillen. Wie sieht die Zukunft der Osnabrücker Innenstadt aus?“ laden sie zu einer öffentlichen Dialogveranstaltung ein (19 Uhr, Spitzboden der Lagerhalle).

Der Stadtforscher Martin Kremming eröffnet den Abend mit einem Impulsvortrag und zeigt, wie andere Städte auf Strukturwandel, verändertes Konsumverhalten und neue Anforderungen an Aufenthaltsqualität reagieren – und was sich daraus lernen lässt. Kremming kennt die Lage in Osnabrück gut. Er ist Mitautor des Handelsmonitors und hat mehrere Gutachten über den Osnabrücker Handelsstandort verfasst, darunter große Untersuchungen über den möglichen Einfluss eines Einkaufszentrums am Neumarkt auf die Handelsstrukturen.

Im Anschluss diskutieren Gäste aus Verwaltung, Kommunalberatung, Wissenschaft, Einzelhandel und Gastronomie mit dem Publikum über konkrete Perspektiven für Osnabrück. Zu Gast sind neben Martin Kremming, der Geschäftsführer der CIMA Beratung + Management GmbH Hannover ist, auch Claas Beckord vom Referat für Nachhaltige Stadtentwicklung bei der Stadt Osnabrück, Mona Schierenbeck (Geschäftsführerin der Kamp-Promenade), Martin Franz (Professor für Wirtschaftsgeografie an der Universität Osnabrück) und Tobias Neumann (Geschäftsführer des Restaurants Whobert). Es moderiert Luca Wirkus, Vorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Osnabrück.

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