Osnabrück 2026 ungeschlagen: Der VfL Osnabrück und das Prinzip der Leistungsgesellschaft
Der VfL Osnabrück bleibt auch im fünften Spiel des Jahres 2026 ungeschlagen. Beim 2:2 bei Hansa Rostock war es durchaus eng, gleich zweimal stemmten sich die Lila-Weißen gegen einen Rückstand. Grundstein des Erfolgs ist ein einfaches Prinzip.
Nein, alles Gute wollte Rostocks Trainer Daniel Brinkmann seinem Trainerkollegen Timo Schultz vom VfL Osnabrück nach dem 2:2 am Samstag im Ostseestadion dann doch nicht wünschen. Kann man auch verstehen. Schließlich sind beide Teams mittendrin im Aufstiegsrennen in der 3. Liga. Und dort ist es verdammt eng.
Exakt fünf Punkte trennen Spitzenreiter (Cottbus, 45 Punkte) und den Tabellensiebten (Rostock, 40). Der VfL liegt fast genau dazwischen auf Rang vier (43). Zwei Plätze ist der Verein in der Rückrunde damit nach oben geklettert. Basis des Erfolgs ist die Konstanz: Noch nie in dieser Saison gab es drei Spiele in Folge ohne Sieg, im Jahr 2026 sind die Lila-Weißen noch ungeschlagen.
Die defensive Stabilität der Hinrunde hat sich der VfL erhalten, der mit nur 24 Gegentoren in nun exakt 24 Spielen immer noch die beste Abwehr der Liga stellt. Dazu kommt seit der Winterpause auch eine offensive Effizienz. Neun Treffer erzielten die Osnabrücker in bisher fünf Spielen. Das ist oberes Mittelfeld und führte in Rostock dazu, dass die Mannschaft von Trainer Timo Schultz zweimal einen Rückstand egalisieren konnte.
Dabei fielen beide Gegentore in Phasen, in denen die Gäste die Partie eigentlich gut im Griff hatten. Das 1:0 durch Emil Holten in der 18. Minute glich Robin Meißner (38.) aus. Dem 2:1 durch Andreas Voglsammer (73.) folgte das erste Drittliga-Tor von Bernd Riesselmann kurz vor Ende der Partie. Den zweiten Ausgleich hatte Meißner vorbereitet.
Der Stürmer des VfL ist aktuell in bestechender Form. Acht Tore erzielte er bereits, dazu gab er sechs Vorlagen. In den fünf Spielen der Rückrunde traf er dreimal und legte vier Tore auf. Damit war er an sieben der neun Treffer des Jahres 2026 maßgeblich beteiligt. Eine unglaubliche Statistik - zumal der Wert des Stürmers für diese Mannschaft weit über den reiner Scorerpunkte hinausgeht. Meißner ist stets der erste Verteidiger, ein echtes Arbeitstier, das sich für keinen Weg zu schade ist. Oft schafft er durch sein laufintensives Spiel Räume, die andere nutzen können. Dazu kommen sein Spielverständnis und seine Übersicht.
Meißner ist einer der Spieler der Mannschaft, die zu einer Achse gehören, die ihr Stabilität verleiht. Torwart Lukas Jonsson zählt dazu, der kleinere Wackler in den vergangenen Wochen derzeit wieder eingestellt hat und in Rostock ein wichtiger Rückhalt war mit zwei starken Paraden. Abwehrchef Jannik Müller selbstverständlich auch ebenso wie Bjarke Jacobsen, der in Rostock erneut fehlte.
Der Ausfall des zentralen Mittelfeldspielers hätte dem VfL vor Wochen noch deutlich größere Probleme bereitet - vor allem gegen einen Konkurrenten wie Hansa. Doch um das Gerüst herum, zu dem auch Dauerbrenner Patrick Kammerbauer und Lars Kehl (vier Tore, neun Vorlagen) zählen, haben sich in den vergangenen Monaten viele Spieler entwickelt.
Nicht umsonst verwies Trainer Timo Schultz nach der Partie auf einen besonderen Fakt: Am Ende standen in Rostock mit Kevin Wiethaup und den eingewechselten Ismail Badjie und Bernd Riesselmann drei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs auf dem Platz. „Das ist nicht selbstverständlich“, betonte Schultz.
Es liegt auch daran, dass Schultz umsetzt, was er sagt: „Bei mir zählt die Trainingsleistung.“ Es gibt viele Trainer, die das betonen. Nicht alle handeln derart konsequent danach. Doch Schultz kann es belegen, das stärkt seine eigene Glaubwürdigkeit und den Konkurrenzkampf. Denn wer in den Einheiten unter der Woche überzeugt, hat gute Chancen auf einen der umkämpften Kaderplätze. Dann spielen Profis wie David Kopacz, immerhin schon drei Tore und eine Vorlage, oder Kevin Schumacher (in den ersten 13 Saisonspielen immer mit einem Einsatz) eben einmal keine Rolle.
Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass das nicht auf Dauer so sein muss. Kai Pröger, 33 Jahre, 160 Bundesligaspiele, stand bei seinem Ex-Verein erst zum zweiten Mal in der Startelf. Luc Ihorst hatte gegen Havelse begonnen. Und auch wenn die Leistung des Trainings nicht immer eins zu eins umgesetzt wird, Chancen gibt es vom Trainer viele. Und auch Rückhalt.
In Rostock erwischte Wiethaup eine durchwachsene erste Halbzeit. Auch er wäre ein Kandidat für einen Wechsel zur Halbzeit gewesen, wo Schultz zweimal tauschte. Doch Wiethaup spielte weiter. Nach der Pause wurde der VfL auch besser, weil der junge Mittelfeldspieler besser wurde und das Angriffsspiel ankurbelte. In der Leistungsgesellschaft des VfL darf man auch mal Fehler machen. Nur lernen sollte man daraus und Einsatz zeigen. Auch in der nächsten Trainingswoche.
Denn am kommenden Samstag kommt mit RW Essen der nächste Gradmesser. Die Mannschaft des ehemaligen VfL-Trainers Uwe Koschinat hat ebenfalls 43 Punkte auf dem Konto und ist in der Rückrunde noch ungeschlagen. Auch sie drehte beim 3:2-Sieg gegen Regensburg am Wochenende einen frühen Rückstand, blieb dabei cool und zeigte Moral. Eigenschaften, die man benötigt, um im engen Rennen um den Aufstieg zu bestehen. Der VfL hat sie auch.