Osnabrück Feiern bis zum Einlass-Stopp: Das war am Ossensamstag in den Kneipen los
Minusgrade hielten die Osnabrücker Jecken nicht davon ab, die Altstadt am Ossensamstag zur Feiermeile zu machen. In den Kneipen gab es kaum ein Durchkommen – wenn man denn überhaupt reinkam. So voll war es wohl selten.
Die letzten Wagen des gerade aufgelösten Karnevalszuges am Ossensamstag setzen sich in Bewegung, um die Hasestraße zu verlassen, als die Türsteher des Schmalen Handtuchs bereits ganze Arbeit leisten müssen. Sowohl am vorderen als auch am hinteren Eingang der Bierkneipe zum Domhof hin haben sich die starken Männer postiert, um als lebendiges Stoppschild zu dienen. Denn bereits vor 16 Uhr ist der Laden gerappelt voll mit bunt verkleideten Osnabrücker Narren und Jecken.
Auch in den anderen Kneipen entlang der Straße, die traditionell den Zielpunkt des Ossensamstagsumzuges bildet, scheint die Losung „Kein Bier vor Vier“ außer Kraft gesetzt zu sein. Denn auch das ist Osnabrücker Karnevalstradition: Wenn der Zug vorbei ist, geht es in den Lokalitäten der Altstadt Zug um Zug weiter. Nach dem Rathaussturm werden die Kneipen gestürmt. Und das in diesem Jahr nicht zu knapp. Nahezu überall gibt es kaum noch ein Durchkommen.
Dabei sind die meisten Feierwütigen froh, wenn sie überhaupt irgendwo reingekommen sind. Denn einen frühen Einlass-Stopp aufgrund zu großen Andrangs vermeldet nicht nur das Schmale Handtuch. Auch die Marktschänke, die für viele ein erster Anlaufpunkt ist, platzt bereits am Nachmittag aus allen Nähten.
„Plan B“ ist deshalb für manche eine Option. Die gleichnamige Kneipe ist zwar auch voll, aber an Alternativen mangelt es nicht. Viel Geduld ist allerdings flächendeckend angesagt. Und die Temperaturen knapp unterhalb des Gefrierpunkts laden nicht gerade zum draußen Trinken ein - wenngleich es etwa an der Marktschänke auch Glühwein gibt.
In der alten Gaststätte Holling wird aber auch das den Feier- und Trinkwütigen leicht gemacht. Hier ist auch der Biergarten gut gefüllt, in dem es einen weithin sichtbaren „Outdoor“-Ausschank gibt. Im Innern des Wirtshauses legt DJ Chris Heck Party-Musik auf. Eine „Grillpower Station“ sorgt für fleischliche Genüsse und auch das Stadtprinzenpaar stattet am frühen Abend der hiesigen Ossensamstagparty einen Besuch ab, die unter dem Motto „Drei Mal Osna Helau“ steht.
Hier sieht man vereinzelt auch Familien mit Kindern. Ansonsten aber scheint der Osnabrücker Straßen- und Kneipenkarneval, mit buchstäblich fließenden Übergängen, eine reine Erwachsenenangelegenheit zu sein, bei der die Bierseligkeit hier und dort auch in die ein oder andere Aggression kippt. Überwiegend bleibt es aber nach dem Umzug auch in den Altstadt-Kneipen fröhlich und friedlich.
Nicht alle lassen sich von dem bunten karnevalistischen Treiben anstecken. Selbst am Markt zeigt sich eine Weinbar unbeeindruckt – ebenso eine solche neben der Lagerhalle. Umso mehr tobt die dortige Karnevalsparty im Foyer, wo DJ Kalla Rakete unter dem Motto „Rucki Zucki“ ein Gute-Laune-Feuerwerk zündet. Da wartet man gern auch schon mal länger in der großen Menschenschlange vor der blauen Tür, die sich quasi um das Heger Tor herumgewickelt hat.
Wer auf die Idee kommt, sich durch den Hintereingang hineinzuschleichen, wird schnell wieder zurückgeschickt: „Einlass nur mit Stempel“, heißt es dort. Lange Schlangen haben sich auch vor den Kneipentüren im „Bermuda-Dreieck“ an der Lohstraße gebildet. Allein die „Sonderbar“ macht ihrem Namen alle Ehre, indem sie die Theke qua offener Fensterfront zur Straße hin geöffnet hat. Hier wird die Mischung aus Kneipen- und Straßenkarneval zum symbolischen Sinnbild.
Mehr und mehr sorgt die Straßenreinigung entlang der Hasestraße zwar für Entmüllung nach dem Umzug. Aber ein „Kehraus“ ist das keineswegs. Denn dafür füllen sich unmittelbar im Anschluss die Kneipen immer mehr an diesem Ossensamstag, der gleichzeitig auch Valentinstag ist. Und den Osnabrückern die Gelegenheit gibt, ihre Liebe zum Karneval auszudrücken. Was sie trotz winterlicher Temperaturen so bunt und zahlreich getan haben wie selten zuvor.