Osnabrück  Ein Stadtprinz mit ernsten Absichten: So will Frank II. sein Karnevalsamt nutzen

Marcel Bechtel
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Von Marcel Bechtel
| 13.02.2026 16:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Frank Sevekers Narrenkappe allein kostet über 600 Euro, dazu kommen nochmal rund 1000 Euro Leihgebühr für sein Ornat. Foto: Marcel Bechtel
Frank Sevekers Narrenkappe allein kostet über 600 Euro, dazu kommen nochmal rund 1000 Euro Leihgebühr für sein Ornat. Foto: Marcel Bechtel
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Wenn Frank Seveker seine Narrenkappe aufsetzt, wird aus ihm der Osnabrücker Stadtprinz. Als Frank der Zweite will er aber nicht nur Karnevalsstimmung verbreiten, sondern hat auch ein ernstes Anliegen.

Eigentlich bräuchte Frank Seveker weder eine Karnevalsuniform – Karnevalisten nennen es Ornat – noch eine Narrenkappe, um aus der Masse herauszustechen. 1,94 Meter groß, zurückgegelte Haare, stämmige Figur und ein breites Lachen, das über sein ganzes Gesicht reicht– so kehrt er in die Marktschänke ein. Diese Kneipe hat er sich für das Gespräch mit unserer Redaktion ausgesucht. Zum einen verbindet er die Traditionskneipe mit dem Osnabrücker Karneval, zum anderen möchte er in seiner Mittagspause einen Thunfischsalat essen.

Dass er seine Mittagspause mit einem Pressetermin kombiniert, bevor er anschließend wieder zu seinem Job als Vertriebler bei der AWIGO geht, gibt einen guten Einblick in sein Leben als Stadtprinz. Seit November vergeht kaum ein Tag ohne Termine: Weihnachtsmarktbesuche, Spendentermine, Sponsoren müssen kontaktiert und Reden vorbereitet werden. Als „sportlich“ bezeichnet er es.

Wie er das alles neben seinem Job hinbekommt? Zum einen gibt ihm sein Arbeitgeber viele Freiheiten. Zum anderen unterstützt ihn sein Adjutant Martin Ellenberger, aber auch seine Frau. Vor über 20 Jahren hat er sie in Osnabrück kennengelernt. „Sie ist meine Prinzessin im Hintergrund“, sagt Seveker.

Denn auf der großen Karnevalsbühne sieht man die beiden nicht zusammen. Anders als ihr Ehemann, fühle sie sich im Rampenlicht nicht wohl. „Dadurch, dass wir unterschiedliche Charaktere haben, passen wir auch so gut zusammen“, erklärt er. Sie ist Teil seines Gefolges, organisiert beispielsweise den Verkauf der Karnevalspins. Auf dem Prinzenwagen wird sie am Ossensamstag allerdings wohl nicht dabei sein, sie muss arbeiten.

Dafür wird sein Sohn samt seiner Freunde mit auf dem Wagen sein. Das freut Seveker, denn er will den Karneval verjüngen.

In seinen ersten Erinnerungen an den Osnabrücker Karneval werden sich wohl viele Erwachsenen und Kinder wiedererkennen. Seine Eltern und Großeltern gingen mit ihm zum Ossensamstags-Umzug. Damals drehte sich Karneval für ihn um zwei Dinge: Süßigkeiten und sein Kostüm. Verkleidet war er als Cowboy. „Eigentlich war ich scharf auf die Waffe. Ich wollte eine Winchester, weil die eine bedeutende Rolle in den Winnetou-Filmen gespielt hat“, erklärt er. Bekommen hat er sie nie.

In seinen Zwanzigern ging es dann vor allem ums Feiern. „Nach Weihnachten hast du immer so eine triste Zeit, den dunklen Januar und je nachdem, den dunklen Februar, und dann kommt ein großes Fest, wo du einfach wieder feiern kannst, wo du dich verkleiden kannst, wo du vielleicht jemand anders sein kannst, wo du mit Freunden Spaß haben kannst“, erzählt er mit Leuchten in den Augen. Für ihn war Karneval der Start ins Jahr, der Tag an dem die Stadt wieder aufwacht.

Er erinnert sich an große Veranstaltungen extra für die Jugend, mit prominenten Künstlern. Das vermisst er heute zum Teil. Deshalb spielt er selbst mit dem Gedanken, in Zukunft mal einen „Karneval-Rave“ zu veranstalten – extra für ein jüngeres Publikum. Sein Wunsch ist es, dass sich Jugendliche und junge Erwachsene wieder mehr für den Karneval interessieren und sich einbringen.

Neben der Verjüngugn des Osnabrücker Karnevals möchte sich Frank Seveker während seiner Regentschaft noch für ein zweites Herzensthema einsetzen – auch wenn es auf den ersten Blick im Kontrast zu dem bunten und fröhlichen Karnevalstreiben steht. Unter dem Motto: „Herz, Hoffnung, Neubeginn“ sammelt er Spenden für das Osnabrücker Frauenhaus. Opfern häuslicher Gewalt soll hier ein Neubeginn ermöglicht werden.

Das Thema beschäftigt Seveker seit seiner Kindheit. Die Mutter eines Freundes wurde von dessen Vater körperlich und psychisch misshandelt, bis sie es nicht mehr aushielt und sich das Leben nahm. Sevekers Eindruck: Den Gründen hinter dieser Verzweiflungstat wurde zu wenig Beachtung geschenkt. Ihm geht es in erster Linie nicht um die reine Spendensumme, er will dem Thema eine Bühne geben. Er will die Menschen sensibilisieren, er will, dass sich niemand schämt, wenn ihm so etwas geschieht, und dass Betroffene den Mut finden, sich anderen anzuvertrauen. Deswegen spricht er das Thema auch immer wieder bei seinen Terminen an.

Frank Seveker ist Osnabrücker, und obwohl er unter anderem in Freiburg, Greifswald, Schwerin und Österreich lebte, konnte er seiner Geburtsstadt nicht allzu lange fernbleiben. Viele Jahre engagierte er sich bei den Osnabrücker Tigers und auch den Osnabrücker Karneval prägt er mit. Seit 2015 ist er mit dem Lovetruck auf jedem Umzug mit dabei. Die Idee dazu hatte er gemeinsam mit Freunden am Tresen einer Kneipe. Übrigens: Genau wie in diesem Jahr, fiel der Valentinstag auf den Ossensamstag.

Der Moment, als er die Stadtprinzenkette umgehängt bekommen hat, war die sprichwörtliche Krönung seiner bisherigen Karnevalslaufbahn. „Das war so ein erster Gänsehautmoment“, erinnert sich Seveker. Und ein weiterer Gänsehautmoment kam dann beim letzten Heimspiel des VfL Osnabrück dazu. Beim 2:0-Sieg gegen Havelse, durfte der Stadtprinz in der Halbzeit vor rund 14.000 Fans Werbung für den Ossensamstag machen – und das Ganze ausgerechnet an seinem 58. Geburtstag.

Der VfL-Fan sieht außerdem auch Parallelen zwischen dem lila-weißen Verein und dem Karneval in Osnabrück. Der Karneval käme aus einer schwierigen Phase, mit schwindendem Interesse und angekratztem Image. „Ich würde sagen, der Osnabrücker Karneval befindet sich gerade in der Regionalliga, im Vergleich zu anderen Karnevalsstädten und Hochburgen“, bilanziert Seveker. Das Potenzial sei aber da. „Verdient hätte er mindestens die dritte, wenn nicht sogar die zweite Liga“, ergänzt er. Dafür müssen nach Seveker verschiedene Faktoren zusammenkommen.

Es brauche Unterstützer, Sponsoren, Menschen, die sich für den Karneval engagieren, die Gastro müsse mitspielen und der Karneval müsse in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen werden. Die Entwicklung dahin sieht er positiv – und vielleicht spielen bald der Osnabrücker Karneval und der VfL wieder eine Liga höher.

Zuerst einmal muss Frank Seveker allerdings selber abliefern. Denn jetzt geht es in die heiße Phase. An Weiberfastnacht feierte er bereits mit den Jecken in der Osnabrücker Altstadt. Am Ossensamstag wird er hoch oben auf dem Prinzenwagen thronen. Dort wird er nicht nur mit seiner Höhenangst, sondern auch mit der Kälte kämpfen. Denn sein Ornat schützt nicht wirklich gegen das Februarwetter.

Ansonsten fühlt er sich allerdings gut vorbereitet, denn selbst das Kamellenwerfen hat er trainiert. „Ich habe Schokoriegel dabei, ich habe Kekse dabei, die sind alle in etwas größeren Verpackungen. Die muss man schon gezielter werfen, damit man niemanden verletzt“, erklärt er. „Wichtig ist mir halt tatsächlich, dass ich so viele Kinder wie möglich damit glücklich mache.“ Und eine Keksdelle am Kopf hilft dabei eher nicht.

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