Osnabrück 20 Dollar, sonst frisst die KI Ihre Zukunft: Panikmache kommt gut an
Wer hat Angst vor der bösen KI? Im Moment gefühlt das halbe Internet. Grund ist der virale Post eines Tech-Entwicklers, der Angst vor massenhaftem Jobverlust schürt – vielleicht aber auch etwas ganz anderes will.
Ein bisschen nach Weltuntergangsprediger klingt Matt Shumer schon. „Etwas Großes passiert gerade“, schreibt er über einen langen, alarmistischen Beitrag auf X, der in diesen Tagen kreuz und quer durchs Netz geteilt wird. Mit dem „Großen“ meint er die Umwälzung, die die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenzen mit sich bringt, insbesondere für die Arbeitswelt. Bereits Ende des Jahres könnte die große Jobvernichtung beginnen, warnt er. In der IT-Branche sei es längst so weit; die KI beginne schon, sich selbst zu programmieren.
Wer ist dieser Matt Shumer, der so überzeugend mit Worten umgehen kann, dass man sich beim Lesen mehr und mehr in die Welt der „Terminator“-Filme versetzt fühlt? In seinem Profil stellt er sich als KI-Entwickler, Chef eines KI-Start-ups und Investor in KI-Technologie vor. Und an diesem Punkt könnte man vielleicht ein wenig stutzig werden.
Denn nach all dem Geraune über Künstliche Intelligenz, die eigenständig Apps entwickeln, über neue KI-Modelle, die um Welten leistungsfähiger sind als ihre Vorgänger, über Roboter, die irgendwann auch Handwerkerjobs den Garaus machen werden – nach all diesen dystopischen Visionen rät der KI-Investor dem verängstigten Leser zu … was?
Genau: intensiv KI zu nutzen, um nicht abgehängt zu werden – und sich zu diesem Zweck kostenpflichtige Profi-Versionen von ChatGPT oder Claude zuzulegen. 20 Dollar im Monat, so die Empfehlung des Mannes, der – diese Annahme liegt ja nicht eben fern – durch seine Investments womöglich davon profitiert, wenn Menschen KI-Produkte kaufen. Es sind ja nicht nur ein paar Leute, die er mit seiner Botschaft erreicht: Allein auf X haben innerhalb von drei Tagen 70 Millionen Nutzer seinen Text gesehen.
Das hinterlässt ein Geschmäckle, bedeutet aber auch nicht, dass alles, was Shumer schreibt, blanker Unsinn wäre. Ja, das Tempo der Entwicklung künstlicher Intelligenzen ist tatsächlich atemberaubend. Ja, KI wird viele Berufsfelder umkrempeln, manche mehr als andere. Und ja, ihr Potenzial, etwa für die Manipulation von Informationen und Meinungen, ist beängstigend.
Mit all diesen Herausforderungen muss man umgehen können, sowohl als einzelne Person wie auch als Gesellschaft. Es ist also zweifellos sinnvoll, sich mit den Chancen und Risiken der KI zu befassen. Am besten tut man das aber mit kühlem Kopf – und nicht getrieben von der jüngsten Onlineaufmerksamkeits-Hysteriewelle.