Osnabrück Vom Karnevalsflirt zur großen Liebe: Bei diesen Osnabrückern funkte es am Ossensamstag
An Karneval fliegt nicht nur Konfetti, sondern manchmal fliegen auch die Funken. Und am Samstag vielleicht umso mehr, denn der Valentinstag fällt auf den Ossensamstag. Doch auch in der Vergangenheit brachte der Osnabrücker Karneval einige Liebesgeschichten hervor.
Vollblutkarnevalisten werden zum Prinzenpaar und eine Schottin macht einer Kuh schöne Augen – manche Liebesgeschichten schreibt nur der Karneval. Und diese drei stammen direkt vom Osnabrücker Ossensamstag:
Ossensamstag 2013 im Wirtshaus „Holling“. Susanne ist mit ihren Freunden in das Traditionsgasthaus eingekehrt, um den Ausklang des Umzugs zu genießen. Am anderen Ende der Wirtsstube landet Guido gerade im Anschluss an eine Firmenveranstaltung im Osnabrücker Karnevalstrubel.
Durch die Menge hinweg treffen sich Susannes und Guidos Blicke, sie kommen ins Gespräch und vergessen sowohl die Zeit als auch die Freunde, mit denen sie ausgegangen sind. Zu sehr sind sie damit beschäftigt, sich kennenzulernen: „Tanzt du gerne?”, „Wohin fährst du gern in Urlaub?”. Bei den meisten Fragen sind sie einer Meinung, als es schließlich zur Gretchenfrage kommt: „Wie stehst du eigentlich zu ‚Maggi‘?”
Die Würzsoße träufeln beide nämlich beide nur zu gern in ihr Essen. Aus dem Karnevalsflirt wird mehr: Guido und Susanne Neuenfeldt heiraten im Jahr 2022 und gründen eine Patchwork-Familie in Ostercappeln.
Beide bezeichnen sich als „Vollblutkarnevalisten“, für die die „fünfte Jahreszeit“ schon seit frühester Kindheit dazugehört. Der Karneval hat auch heute noch einen festen Platz in ihrem Leben und so adelt in der Session 2024 / 2025 die Krönung zum Stadtprinzenpaar die liebevolle Verbindung. Von dieser Erfahrung schwärmt das Paar noch heute.
So richtig Lust auf Karneval hatten beide nicht: Was für ein Zufall also, dass Melanie und Ralf Brunzel einander ausgerechnet im Getümmel am Ossensamstag begegnet sind.
Es ist das Jahr 2010, der Zug zieht gerade durch die Johannisstraße und Melanie Brunzel, die damals noch Liebig heißt, fällt ein Mann auf, der einige Meter weit entfernt in der Menge steht. Kostümiert sind beide nicht, doch zufälligerweise zieren die Gesichter beider ein paar aufgemalte Herzchen. „Den kennst du doch irgendwoher”, denkt Melanie Liebig. Obwohl die damals 43-jährige zu dieser Zeit gar keine Lust auf Dates hat, durchzuckt sie augenblicklich der Gedanke: „Jetzt ändert sich dein Leben”.
Bevor es jedoch dazu kommt, folgt erst noch „ne richtig blöde Anmache”, wie sich Ralf Brunzel lachend erinnert. Er ist damals vor dem ganzen Trubel in die Kneipe „Johannisbeere” geflüchtet, als ihn plötzlich die sympathische Frau anspricht, mit der er draußen am Zug kurz Blickkontakt hatte.
„Irgendwoher kenn ich dich, und wenn ich wiederkomme, dann unterhalten wir uns weiter!” ruft Melanie Liebig, die das Lokal eigentlich nur betreten hat, um die Toilette aufzusuchen. Auf die Unterhaltung folgt ein erstes Date im Café „Extrablatt”. Beim zweiten Date, einem gemeinsamen Kochabend, dann direkt ein Notfall: Ralf Brunzel schneidet sich beim Gemüseschnippeln in den Finger. Das Missgeschick zeigt Wirkung: Erst gibt es ein Pflaster – und dann den ersten Kuss. Noch heute erinnern sie sich gern an den Abend. War der kleine Unfall wohl Absicht? „Nein!”, ruft Ralf Brunzel, während seine Frau lachend erwidert: „Ich glaube ja schon”.
Mittlerweile sind die beiden verheiratet und meistern gemeinsam die Höhen und Tiefen, die das Leben so bereit hält. Eins jedoch ist geblieben: Am 13. Februar jeden Jahres feiern die beiden ihren ganz besonderen Kennenlernmoment am Ossensamstag.
Ossensamstag 2010 – Verena ist mit ihrer Schwester und einer Freundin unterwegs. Das Ziel: „Heute angele ich mir einen Fisch“, erinnert sie sich lachend. Davor war sie einige Zeit lang Single und Karneval sollte das ändern. Als Schottin verkleidet, gingen die drei nach dem Ossensamstag-Umzug noch in eine Bar – auf dem Weg dahin begegneten sie einer Kuh.
Die Kuh war Ralf, der war mit seinem Freund und einem Arbeitskollegen unterwegs. Der Freund gab einen Kommentar zu dem Kostüm von Verenas Freundin ab, die konterte schlagfertig und die beiden Gruppen kamen ins Gespräch. Einige Getränke und mehrere Bars später, landeten die beiden Gruppen in Verenas Wohnung, wo der Abend mit Spiegeleiern als Kater-Prävention endete.
Verena schwärmte nach dem Abend von den guten Gesprächen mit ihrer Kuh, während sich Ralf an die „wunderschönen Augen“ der Schottin erinnerte. Eigentlich wollte sich Verena ja einen Fisch angeln, aber: „am Ende wurde es eine Seekuh“, sagt sie, während beide lachen. Die beiden tauschten Nummern aus.
Ihr erstes Date fand dann in einem griechischen Restaurant am Salzmarkt statt – Zaziki inklusive, denn wenn beide davon essen, dann tut das der Romantik bekanntlich keinen Abbruch. Gleich gefunkt hat es zwischen den Jecken nicht, Verena war sich anfangs ihrer Gefühle gegenüber Ralf nicht sicher. Er blieb aber hartnäckig und so kam es zu weiteren Treffen. Nach mehreren Wochen kamen sie dann doch zusammen und zogen bereits nach einem halben Jahr in eine gemeinsame Wohnung.
Ihre Kennenlern-Geschichte von der Schottin und der Kuh erzählen sie gerne und die Kuh schaffte es als Symbol ihrer Liebe sogar auf ihre Hochzeitsfotos. Viele Freunde haben die beiden dazu ermutigt, ihre Ossensamstag-Liebesgeschichten zu teilen.
Mittlerweile sind die beiden seit über zehn Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Karneval feiern sie immer noch gerne, aber jetzt eben als Familie. „Uns ist es wichtig, dass unsere Kinder wissen, wo sich ihre Eltern kennengelernt haben“, erklärt Ralf, der nicht nur seiner Schottin, sondern auch seinem Konstüm treu geblieben ist. Und so werden sie auch dieses Jahr wieder gemeinsam Karneval feiern.