Oslo „Schlimmster Albtraum“: Frau spricht vor Gericht von Vergewaltigung durch Marius Høiby
Marius Borg Høiby, Sohn der norwegischen Kronprinzessin, soll 2023 eine Frau vergewaltigt haben. Vor den Richtern spricht das mutmaßliche Opfer von einem „Albtraum“.
Ein weiteres mutmaßliches Opfer hat im Gerichtsprozess gegen Marius Borg Høiby ausgesagt. Dabei geht es um den Vorwurf einer Vergewaltigung im Oktober 2023 auf den Lofoten, einer Inselgruppe im Norden Norwegens. „Das war der schlimmste Albtraum meines Lebens“, sagte die Frau vor den Richtern.
Der heute 29 Jahre alte Høiby hatte auf den Lofoten mit seinem Stiefvater, Kronprinz Haakon, einen Surfurlaub gemacht. Nach einer Party in einer Wohnung soll Høiby eine junge Frau nach zunächst einvernehmlichen sexuellen Handlungen vergewaltigt haben.
„Ich erinnere mich, dass ich aufgewacht bin, als er in Aktion war", sagte die Frau vor Gericht. „Ich habe mir gedacht: Ich verstehe nicht, wie jemand Sex mit einer Person haben kann, die schläft.“ Sie habe die Augen geschlossen, um den Übergriff nicht mit anzusehen. Eigener Aussage nach hatte das mutmaßliche Opfer während des Vorfalls das Gefühl, „meinen eigenen Körper zu verlassen“. Es sei schmerzhaft gewesen, „mein Körper war nicht bereit dafür“.
Als Beleg, dass die Frau nicht imstande gewesen sei, sich zu wehren, legte die Staatsanwaltschaft ein fünfsekündiges Video vor, das Høiby mit seinem Handy währenddessen gemacht hatte. Von der Videoaufnahme wusste die Frau nichts, wie sie aussagte. Dies war nach ihrer Aussage ohne ihr Wissen erfolgt. Laut Staatsanwalt Sturla Henriksbö zeigt das Video, dass die Frau geschlafen habe. Auch die von ihrer Fitnessuhr gemessene Herzfrequenz belegt demnach, dass sie zu Tatbeginn geschlafen habe.
Vergangene Woche war ein erstes mutmaßliches Opfer vor Gericht befragt worden. Die Frau war nach eigener Aussage im Dezember 2018 nach einer Party im Keller der Residenz des Kronprinzenpaars in Oslo durch Høiby vergewaltigt worden.
Høiby wird vorgeworfen, insgesamt vier Frauen vergewaltigt und mehrere Exfreundinnen körperlich und psychisch misshandelt zu haben. Die Anklageschrift umfasst 38 Punkte. Høiby drohen bis zu 16 Jahre Haft. Er ist der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit aus einer früheren Beziehung vor jener mit Kronprinz Haakon.
Laut Eröffnungsplädoyer der Staatsanwaltschaft fanden die mutmaßlichen Vergewaltigungen alle nach zunächst einvernehmlichem Geschlechtsverkehr statt, oft nach Abenden mit starkem Alkoholkonsum, an denen die Frauen nicht in der Lage gewesen seien, sich zu verteidigen. Die Verteidigung argumentiert dagegen, Høiby habe „alle Handlungen als völlig normale und einvernehmliche sexuelle Beziehungen wahrgenommen“.