Osnabrück  Ampel grün, Mann sieht rot: Autofahrer schlägt Demo-Teilnehmer in Osnabrück

Jörg Sanders
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Von Jörg Sanders
| 10.02.2026 15:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
18. Oktober 2024: Die Fahrrad-Demo von Fridays for Future startet an der Osnabrückhalle. Foto: Jörg Sanders
18. Oktober 2024: Die Fahrrad-Demo von Fridays for Future startet an der Osnabrückhalle. Foto: Jörg Sanders
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Seine Ampel zeigte grün, doch losfahren konnte der Autofahrer wegen einer Demo in Osnabrück nicht – daraufhin sah er rot: Er schlug einen Teilnehmer der Demo. Dafür wurde der damals 47-Jährige verurteilt.

Er schlug in Osnabrück einen Teilnehmer einer Fahrraddemonstration von Fridays for Future: Das Amtsgericht hat einen Autofahrer wegen einer Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 1650 Euro verurteilt. Das berichtet Gerichtssprecherin Damaris Fleige auf Anfrage unserer Redaktion.

Das Urteil erfolgte bereits im September – per Strafbefehl; denn zur Hauptverhandlung war der Mann nach seiner Anklage aus unbekannten Gründen nicht erschienen.

Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin den Strafbefehl zu 30 Tagessätzen á 55 Euro, den das Gericht erließ. Da der Autofahrer keinen Einspruch einlegte, ist der Strafbefehl rechtskräftig, erläutert Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer auf Anfrage.

Vorbestraft ist der Mann damit nicht: Das ist erst bei mehr als 90 Tagessätzen der Fall.

Am 18. Oktober 2024 hatte Fridays for Future mit einer angemeldeten Fahrraddemo gegen die aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustände für Radfahrer auf der Martinistraße demonstriert. 50 bis 80 Teilnehmer fuhren dabei bis an die Stadtgrenze in Hellern.

Auf der Lengericher Landstraße fuhr die Demo-Spitze über eine grüne Ampel über eine Kreuzung. Die hinteren Teilnehmer sahen rot, fuhren aber weiter. Als geschlossener Verband mit mehr als 15 Radfahrern waren sie als ein Fahrzeug zu betrachten. Insbesondere an Kreuzungen haben andere Verkehrsteilnehmer Rücksicht zu nehmen, erklärt Retemeyer.

Zudem dürfen Radfahrer in einer solche Kolonne zu zweit nebeneinander auf der Straße fahren, selbst wenn es einen benutzungspflichtigen Radweg gibt. Diese Regeln gelten übrigens unabhängig von einer Demonstration.

Zurück zum Autofahrer: Als seine Ampel auf grün schaltete, fuhr er in die Kreuzung ein, obgleich noch Radfahrer kamen. Einer von ihnen stellte sich mit seinem Fahrrad vor den VW des damals 47-Jährigen.

Der stieg daraufhin aus und wies die Radfahrer schreiend und mit Drohgebärden auf ihre rote Ampel hin. Anschließend schlug der Autofahrer einem Demonstranten mindestens einmal unvermittelt mit der flachen Hand ins Gesicht.

Die Polizei rückte nach dem eingengangen Notruf mit zahlreichen Streifenwagen nach Hellern aus. Sie hatte die Demo nicht begleitet, da die wiederkehrenden Fahrrad-Demos in Osnabrück in der Regel weitgehend unproblematisch verlaufen.

Der Autofahrer wiederum hatte einen Radfahrer wegen einer Nötigung angezeigt. Dieses Verfahren wurde eingestellt.

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