Osnabrück  Insolvenzverfahren – und trotzdem steigert der „Markt für Alle“ des DRK Osnabrück den Umsatz

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 10.02.2026 11:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Macht guten Umsatz trotz schwieriger Rahmenbedignungen: der Secondhand-Laden „Markt für Alle“ des DRK-Kreisverbandes Osnabrück-Stadt am Konrad-Adenauer-Ring 20. Foto: André Havergo
Macht guten Umsatz trotz schwieriger Rahmenbedignungen: der Secondhand-Laden „Markt für Alle“ des DRK-Kreisverbandes Osnabrück-Stadt am Konrad-Adenauer-Ring 20. Foto: André Havergo
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Im „Markt für Alle“ verkauft das DRK Osnabrück-Stadt gebrauchte Kleidung für kleines Geld. Der Laden brummt, wie der Kreisverband mitteilt – trotz des laufenden Insolvenzverfahrens und strafrechtlicher Ermittlungen gegen den DRK-Geschäftsführer.

Die Nachfrage nach günstiger, gut erhaltener Kleidung und Haushaltswaren sei weiterhin sehr hoch, meldet der Kreisverband Osnabrück-Stadt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Im Januar verzeichnete der „Markt für Alle“ am Konrad-Adenauer-Ring ein „deutliches Umsatzwachstum im Vergleich zum Januar 2025“, wie DRK-Schatzmeister Paul Schneiderle mitteilt. Der Markt bot zum Jahresbeginn eine Serie von Rabattaktionen an.

Konkrete Umsatzzahlen nennt Schneiderle in seiner Mitteilung nicht. Auch über den Einfluss der langen Kälteperiode auf das Kaufverhalten der Kunden macht der Schatzmeister keine Angaben. Er bewertet die guten Umsätze als ein „starkes Signal“ für die Bedeutung des Secondhand-Angebots: „Der Januar hat uns gezeigt, wie sehr die Menschen in Osnabrück hinter dem Markt für Alle stehen.“

Für viele Menschen in Osnabrück sei das Angebot unverzichtbar, so Schneiderle. Der „Markt für Alle“ leiste einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Stadt. Besonders Menschen mit geringem Einkommen, Familien, Alleinerziehende sowie Seniorinnen und Senioren nutzten den Markt als verlässliche Anlaufstelle.

Der DRK-Kreisverband Osnabrück-Stadt steckt in einer existenziellen Krise. Mitte Dezember stellte das Präsidium Antrag auf Einleitung eines Insolvenzverfahrens. Zugleich feuerte der Vorstand den Geschäftsführer Mike Reil und erstattete Anzeige gegen ihn wegen des Verdachts der Untreue. Auch der DRK-Kreisverband Melle erhebt schwere Vorwürfe gegen den Ex-Geschäftsführer. Dort soll dem DRK ein Schaden in sechsstelliger Höhe entstanden sein.

Trotz der belastenden Situation sei der Zusammenhalt im Team groß, sagt Jessica Janke, Leiterin des Secondhand-Ladens in Osnabrück. Die Mitarbeitenden wünschten sich vor allem eines: ihre Arbeit für die Menschen in Osnabrück auch künftig fortführen zu dürfen. Janke wird mit den Worten zitiert: „Gemeinsam mit Ehren- und Hauptamtlichen tragen wir den DRK-Secondhand-Markt mit Herz und Verantwortung. Die Nachfrage ist dabei ungebrochen. Der große Zuspruch unserer Kundschaft und Unterstützenden zeigt, dass unser Laden für viele Menschen weit mehr als ein Geschäft ist – ein Ort der Begegnung, des Vertrauens und der Hoffnung. Dafür sind wir von Herzen dankbar.“

Erstmals seit Beginn der Krise meldet sich auch DRK-Präsident Michael Schneider zu Wort. Er dankt den Mitarbeitern des Marktes sowie den Spendern und äußert sich „begeistert“ über die positive Entwicklung. „Wir haben hier über die Zeit immer Schritte nach vorne gemacht, dies konnte ich bei meinen Besuchen immer wieder feststellen“, wird Schneider in der Mitteilung zitiert. Den Markt zu erhalten, sei gerade in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten wichtig.

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