Osnabrück Gelder von Melle nach Osnabrück verschoben? Gütetermin in DRK-Affäre ohne Erfolg
Ein Gütetermin zwischen dem DRK-Kreisverband Melle und dem vormaligen Buchhalter des Verbandes ist geplatzt. Letzterer war zugleich Geschäftsführer des Verbandes Osnabrück-Stadt. Seine Doppelfunktion nutzte er offenbar, um Gelder zu verschieben.
Es ist ein isolierter Kündigungsstreit im Kontext einer größeren Affäre: Vor dem Arbeitsgericht Osnabrück kam es am Montag (9. Februar 2026) zu einem Gütetermin zwischen dem DRK-Kreisverband Melle und dessen vormaligem Buchhalter. Der war zugleich Geschäftsführer des DRK-Verbandes Osnabrück-Stadt, um den seit Wochen eine Affäre schwelt.
Nach wenigen Minuten war schon alles vorbei: Der Kreisverband Melle werde sich nicht auf eine Mediation einlassen, teilte dessen Anwalt mit. Die Vorsitzende Richterin hatte zuvor die Möglichkeit einer einvernehmlichen Lösung ausloten wollen. Hintergrund des Rechtsstreits ist eine Klage des gefeuerten Buchhalters gegen die Kündigungen. Der war selbst nicht vor dem Arbeitsgericht erschienen, lediglich sein Anwalt nahm am Gütetermin teil.
Der Kreisverband Melle hatte im Januar gleich mehrere Kündigungen gegen ihn ausgesprochen. Zwei davon waren Gegenstand des Gütetermins. Mit den Kündigungen erhob der Verband schwere Vorwürfe: So soll der Buchhalter nach Schätzungen des DRK einen Schaden in sechsstelliger Höhe verursacht haben. Konkret bezichtigte der Verband den Mann, durch Fälschungen von Dienstanweisungen und durch Manipulationen an der IT Gelder an unberechtigte Dritte geleitet zu haben.
Aufgefallen war das in Melle, nachdem in Osnabrück eine länger schwelende Affäre beim DRK publik wurde. Beim DRK-Kreisverband Osnabrück-Stadt bekleidete der Mann bis Mitte Dezember 2025 das Amt des Geschäftsführers. Dann zog der Vorstand die Reißleine. Bei internen Prüfungen tauchten zahlreiche Unregelmäßigkeiten auf, die zu Strafanzeigen und für den Verband in ein Insolvenzverfahren führten.
Seither ermittelt die Staatsanwaltschaft sowohl wegen der Vorkommnisse in Osnabrück als auch in Melle. Um welche Tatbestände es in den Verfahren gehen könnte, werde derzeit noch geprüft, teilt ein Sprecher der Ermittlungsbehörde unserer Redaktion mit.
Der gescheiterte Gütetermin beim Arbeitsgericht deutet nun an, dass der in Melle wie in Osnabrück Gekündigte seine Doppelfunktion wohl unter anderem nutzte, um Gelder von der Else an die Hase zu schieben. Einer der Vorwürfe, den die beklagte Partei – also der Kreisverband Melle – vor dem Arbeitsgericht zur Begründung der Kündigung erhob, lautet: Der Buchhalter habe per gefälschter E-Mail eine Zahlung von 30.000 Euro an den Kreisverband Osnabrück-Stadt veranlasst. Also dorthin, wo er das Amt als Geschäftsführer innehatte.
Hinsichtlich der beiden Kündigungen, die Gegenstand des Verfahrens sind, trägt der Meller Verband zudem noch 14 weitere Tatbestände vor. Die wurden beim Termin zunächst nicht näher benannt. Das könnte sich ändern, wenn ein Kammertermin ansteht. Den wird das Arbeitsgericht nun festsetzen.
Arbeitsgerichtliche Verfahren stehen unterdessen auch zwischen dem Kreisverband Osnabrück-Stadt und dem Ex-Geschäftsführer und -Buchhalter an. Der konnte, so hat es derzeit den Anschein, seine Doppelfunktion nutzen, um weitgehend unkontrolliert in Melle, vor allem aber in Osnabrück zu wirken.
Im Kreisverband Osnabrück-Stadt setzte er dazu offenbar auch einen Präsidenten ein, der praktisch als Strohmann fungierte und dem Geschäftsführer völlig freie Hand ließ. Diesen Eindruck zumindest vermittelt die bisherige Aufarbeitung der Affäre beim DRK. Ob er zutrifft, dürften wohl nur der noch amtierende Präsident und der ehemalige Geschäftsführer wissen. Auf Anfragen unserer Redaktion allerdings schweigen sie.