Hannover  Niedersachsen: Immer weniger Schüler lernen Latein und Französisch

Jonas E. Koch
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Von Jonas E. Koch
| 08.02.2026 10:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Immer weniger niedersächsische Schüler entscheiden sich für den Lateinunterricht. Foto: dpa/ Ingo Wagner
Immer weniger niedersächsische Schüler entscheiden sich für den Lateinunterricht. Foto: dpa/ Ingo Wagner
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In der Oberstufe sind die Zahlen zwar stabil, doch in der sechsten Klasse entscheiden sich immer weniger Schüler für Latein oder Französisch. Stattdessen wird Spanisch immer beliebter.

Ab dem sechsten Schuljahrgang müssen Schüler in Niedersachsen neben Englisch eine zweite Fremdsprache erlernen. In der Regel können die Schüler dabei zwischen Französisch und Latein wählen, sagt das niedersächsische Kultusministerium, das für die Redaktion die Zahlen seit 2019 zusammengestellt hat.

Französisch ist insgesamt deutlich beliebter. Mehr als 110.000 niedersächsische Schüler belegten im vergangenen Jahr insgesamt einen entsprechenden Kurs - nur knapp halb so viele (knapp 52.000) besuchten den Lateinunterricht. Aber: Insgesamt lernen seit 2019 rund zehn Prozent weniger Schüler Französisch. Auch Latein wird immer unbeliebter. Rund 16 Prozent Schüler lernten die antike Sprache im vergangenen Jahr in Niedersachsen insgesamt weniger als noch vor sieben Jahren.

Zwar werden beide Sprachen in der Oberstufe von deutlich mehr Schülern fortgeführt als noch 2019. Doch insgesamt sitzen jeweils rund 10.000 Schüler weniger im Französisch- und Lateinunterricht. Denn: Von der sechsten bis zur elften Klasse lernten 2019 rund zehn Prozent weniger Schüler Latein und fast 20 Prozent weniger Schüler Französisch. „Die Zahl der Schüler, die Latein oder Französisch als zweite Fremdsprachen gewählt haben, sinkt“, erklärt das Kultusministerium.

Stattdessen wird Spanisch immer beliebter, das in den letzten Jahren an zahlreichen weiterführenden Schulen als mögliche zweite oder ab Jahrgang acht auch als dritte Fremdsprache eingeführt wurde. 2019 lernten in Niedersachsen bereits mehr Schüler Spanisch als Latein, im vergangenen Jahr insgesamt etwa 88.000. Und weil die Sprache von deutlich mehr Schülern auch nach der elften Klasse fortgeführt wird als Französisch und Latein, lernen in in der Oberstufe sogar mehr Schüler Spanisch als die beiden anderen zusammengenommen.

In einem entsprechenden Erlass des Kultusministeriums für die Gymnasien heißt es: „Französisch und Latein sollen an jedem Standort vertreten sein.“ Und das soll auch so bleiben. Latein bleibe „eine der drei Fremdsprachen, die die Gymnasien im Sekundarbereich-I als zweite Fremdsprache anbieten sollen“, teilte das Kultusministerium mit. „Es besteht derzeit keine Absicht, daran etwas zu ändern.“

Die Französische Sprache ist als Unterrichtsfach zwar – anders als oft behauptet wird – durch Verträge mit dem Nachbarland nicht unantastbar. Der Élysée-Vertrag von 1963 und der Vertrag von Aachen von 2019 verpflichten beide Staaten aber, die Sprache des jeweils anderen Landes besonders zu fördern und die Zahl der Lernenden zu erhöhen. Niedersachsen entscheidet im Rahmen der Kultushoheit, welche Sprachen in Niedersachsen unterrichtet werden.

Und Latein? Der Unterricht in der Sprache der Römer verfolge „eine andere Zielsetzung als die modernen Fremdsprachen“, erklärt das Kultusministerium. Latein sei eine „Reflexionssprache“, bei der anstelle der Kommunikation die „Sprachbetrachtung und Sprachbehandlung“ im Fokus stünde. „Konkret: Im Lateinunterricht können die Schülerinnen und Schüler schwerpunktmäßig lernen, Sprache analytisch zu erschließen und als Modell zu begreifen.“ Das könne dann auf andere Sprachen übertragen werden.

Außerdem biete das Fach „einen besonderen Zugang zu der antiken römischen Welt und vermittelt damit vertiefte Einsichten in das antike Weltbild“ und trage dazu bei, „das Bewusstsein einer europäischen Identität zu entwickeln“.

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