Osnabrück Hilfe für Kinder in Notlagen: Was wird aus den vielen IB-Angeboten in Osnabrück?
Die Kita Lüttenhütt in Osnabrück-Hellern schließt zwei Jahre früher als geplant, weil der Träger „IB West“ sich in einem Insolvenzverfahren befindet. Der IB hat in Osnabrück und umzu aber noch diverse andere Angebote in der Kinder- und Jugendhilfe. Was wird daraus?
Weil der Internationale Bund (IB) West sich in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung befindet, schließt die Kita Lüttenhütt in Hellern zwei Jahre früher als geplant für immer, und zwar schon in diesem Sommer. Die Eltern wurden davon überrascht und reagierten mit Entsetzen und Enttäuschung.
Wir haben bei der Stadt nachgefragt, welche weiteren Folgen die drohende Insolvenz des Trägers hat, denn der IB ist in der Kinder- und Jugendhilfe in Osnabrück auch noch mit diversen weiteren Angeboten aktiv. Nach Angaben von IB-Sprecher Thomas Schulz beschäftigt die gemeinnützige Gesellschaft in Stadt und Landkreis Osnabrück 156 Mitarbeitende.
Dass der IB West sich in finanzieller Schieflage befindet, weiß die Stadt seit rund zweieinhalb Monaten. „Ende November erfolgte eine Information durch die IB West gGmbH an die Stadt Osnabrück, dass sich der Träger im sogenannten Schutzschirmverfahren befindet“, teilt Stadtsprecher Simon Vonstein schriftlich auf noz-Anfrage mit. „Zu diesem Zeitpunkt wurde mitgeteilt, dass die Angebote bis auf Weiteres vollumfänglich fortgeführt werden.“ Seitdem befinde sich die Stadt mit dem Träger in Gesprächen, „um für die Angebote bestmögliche Lösungen zu entwickeln.“
Seit Februar 2026 befindet sich der Träger in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das bedeutet: Die bisherigen Geschäftsführer erarbeiten einen Insolvenzplan und werden dabei von einem vom Gericht bestellten Sachwalter begleitet.
IB-Sprecher Thomas Schulz erklärt, dem IB seien die Kosten davongelaufen. Die Anforderungen bei Ausschreibungen und auch seitens der Kommunen würden immer höher.
In Osnabrück ist der IB nicht nur Träger dreier Grundschulhorte in der Dodesheide, Lüstringen und Hellern und mit Schulsozialarbeitern an vier Schulen aktiv. Der Träger betreibt von seinem Büro in der Möserstraße aus auch diverse Angebote, bei denen es um Hilfe für Kinder in Notsituationen geht: Der IB hat beispielsweise erst vor wenigen Jahren begonnen, im Auftrag der Stadt Bereitschaftspflegefamilien zu suchen und zu begleiten. Sie geben Babys und Kleinkindern ein Zuhause auf Zeit, die die Stadt in Obhut nimmt.
Ferner bietet der IB sogenannte „ambulante Hilfen zur Erziehung“ an und unterstützt Familien in Krisensituationen. Auch mit Angeboten aus den Bereichen Jugendarbeit, Sprachkursen, Kinder- und Jugendnotdienst oder auch einer Wohngruppe für junge Erwachsene mit dem fetalen Alkoholsyndrom (FASD) ist der IB in Osnabrück aktiv.
Die Gespräche zu den IB-Angeboten seien noch nicht abgeschlossen, sagt Stadtsprecher Vonstein. „Ziel ist, alle Angebote uneingeschränkt fortzuführen, entweder weiterhin in Trägerschaft des IB oder durch andere Träger.“ Die Entscheidung, welche Bereiche durch den IB aufrechterhalten oder abgegeben würden, liege nicht in der Zuständigkeit der Stadt, sondern werde im Rahmen des Insolvenzverfahrens durch den Träger entschieden.
IB-Sprecher Thomas Schulz sagt: „Insbesondere zu den Bereichen Hilfen zur Erziehung sowie Schulsozialarbeit führt die Geschäftsführung der IB West sehr vielversprechende Gespräche, diese mittel- und längerfristig in Osnabrück zu halten.“
Und die Kita Lüttenhütt? Hätte nicht ein anderer Träger den Kita-Betrieb bis zum geplanten Ende 2028 weiterführen können? „Die Stadt hat selbstverständlich auch diese Möglichkeit in Betracht gezogen“, schreibt Stadtsprecher Simon Vonstein. „Aufgrund der anstehenden Schließung spätestens 2028 ist dies jedoch keine tragfähige Lösung.“
Dass die in Containern an der Großen Schulstraße befindliche Kita schließen soll, ist seit 2024 bekannt. Die Stadt hatte das damals mit einem sinkenden Bedarf in Hellern sowie mit baulichen Aspekten begründet.
„Die Gebäudesubstanz des Mobilbaus lässt keine Weiterführung der Kita dauerhaft zu“, schreibt Vonstein jetzt. „Mitarbeitende brauchen eine langfristige Perspektive, die nicht gegeben ist, und der Elternwille wird im aktuellen Anmeldeverfahren deutlich: Nur wenige Eltern haben die Kita gewählt, lediglich für ein Kind wurde die Kita als Erstwunsch angegeben.“ Eine Übergabe der Trägerschaft und ein Hinauszögern der Schließung seien deshalb als Möglichkeit ausgeschieden.