Osnabrück/Garbsen VfL Osnabrück: Warum der TSV Havelse Abstiegskandidat und Spitzenteam zugleich ist
Der TSV Havelse punktete in der 3. Liga zuletzt wie ein Spitzenteam und verkürzte den Abstand auf das rettende Ufer auf vier Zähler. Am Samstag (14 Uhr) trifft der VfL Osnabrück also auf einen formstarken Abstiegskandidaten.
Wenn der VfL Osnabrück am Samstag (14 Uhr) den TSV Havelse an der Bremer Brücke empfängt, ist der Tabellen-19. der 3. Liga zu Gast beim Fünften. Eine klare Sache also? Mitnichten. Schließlich kommt der Club aus dem Hannoveraner Vorort Garbsen in Topform nach Osnabrück. Mit Blick auf die letzten Wochen ist der TSV sogar ein Spitzenteam der Liga.
Bis in den November hinein galt der direkte Wiederabstieg der Havelser fast schon als ausgemachte Sache. Gemeinsam mit dem 1. FC Schweinfurt dümpelten sie sieglos am Tabellenende herum - bis der erste Sieg am 15. Spieltag, ein 2:1 gegen Ulm, zur Initialzündung wurde. Seither punktet die Mannschaft von Trainer Samir Ferchichi fast wie ein Spitzenteam. In den letzten sechs Spielen holte sie elf Punkte, einen mehr als der VfL.
Der Lohn: Nach 22 gespielten Partien ist Havelse wieder mittendrin im Abstiegskampf. Nach dem 3:1-Sieg gegen Aue am vergangenen Wochenende sind es nur noch vier Punkte bis zum rettenden Ufer. Und im Gegensatz zur Konkurrenz, etwa aus Aue oder Saarbrücken, stimmt die Form. Selbst beim 1:4 in Essen spielten die Niedersachsen lange gut mit.
Ferchichi, der gemeinsam mit VfL-U-19-Trainer Tim Danneberg am jüngst gestarteten Uefa-Pro-Lizenz-Lehrgang teilnimmt, hat offenbar den Schlüssel gefunden aus den wiederholt guten Leistungen - anders als in der Hinserie - vermehrt Siege zu holen. Die Havelser agieren defensiv - wie auch der VfL - aus einer Dreierkette, die inzwischen Drittliga-Ansprüchen genügen kann. Mit Marko Ilic und Robin Müller verfügt der TSV über Tempospieler auf den Flügeln - und im Zentrum ziehen die höherklassig-erfahrenen Julius Düker (u.a. Braunschweig, Magdeburg) und Nassim Boujellab (Schalke, Bielefeld) die Fäden hinter einem Doppelsturm in wechselnder Besetzung.
Weniger schwer als gedacht wog deshalb auch der Winterabgang von Toptorschütze John Posselt (6 Tore) zu Jahn Regensburg. Immerhin traf der TSV in den drei Rückrundenpartien bereits neun Mal - mit sechs verschiedenen Torschützen. Darunter auch Neuzugang Christopher Schepp, der von 2020 bis 2023 bei BW Lohne spielte, dann nach Bielefeld wechselte und schließlich für Meppen in der Regionalliga in 69 Partien 25 Tore schoss. Nach einem halben Jahr in Oberhausen landete der gebürtige Dammer nun in Havelse. Neben Schepp gibt es einen weiteren Profi mit regionalem Bezug: Am letzten Tag der Transferperiode holte der TSV Temilola Awoyale, einen gebürtigen Osnabrücker, der auch beim VfL ausgebildet wurde und über Gibraltar nun zurück nach Deutschland kam.
Nein, da kommt kein chancenloser Abstiegskandidat an die Bremer Brücke - das zeigen auch die bisherigen Ergebnisse gegen die Topteams der Liga. Zwar gab es bislang keinen Sieg, aber immerhin vier Punkte holten die Havelser bislang in fünf Partien gegen Cottbus, Essen, Verl, Rostock und eben den VfL. Die Lila-Weißen übrigens haben zwei Tore weniger geschossen als der kommende Gegner.
Dass man nun überhaupt in der 3. Liga so mitschwimmt, dass ein Klassenerhalt in Reichweite erscheint, ist neben dem cleveren Scouting von Spieler-Manager Florian Riedel vor allem Ferchichis Verdienst. Selbst kam der 40-Jährige als Spieler nie über die Bezirksliga hinaus. 2022 übernahm er als Coach dann den damaligen Regionalligisten aus Havelse, bei dem er zuvor in der Jugend unterwegs war. 2025 folgte der Aufstieg in die 3. Liga über die Relegation gegen Lok Leipzig. Ob die Havelser gekommen sind, um zu bleiben, wird sich in den nächsten Monaten herausstellen.