Oslo Prozess gegen Skandalprinzen setzt Norwegens Königshaus unter Druck
Ab dieser Woche steht Marius Borg Høiby wegen verschiedener Anschuldigungen, etwa Vergewaltigung, vor Gericht. Als wäre das nicht schon Skandal genug, gerät auch seine Mutter, Kronprinzessin Mette-Marit, ins Visier der Öffentlichkeit. Stichwort Jeffrey Epstein.
„Wir wollen zeigen, dass Høiby nicht ungeschoren davonkommt, nur weil er der königlichen Familie angehört“, so die markige Ansage von Staatsanwalt Sturla Henriksbø zum am Dienstag beginnenden Prozess gegen den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit. In Oslo ist Høiby in 38 Delikten angeklagt, darunter die Vergewaltigung von vier Frauen, was der 29-Jährige bestreitet.
Zusätzlich gerät Mette-Marit in den Fokus der Öffentlichkeit, da sie mit dem Skandal rund um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in Verbindung gebracht wird. So soll sie mit diesem etwa über Bilder von nackten Frauen fabuliert haben, wie den kürzlich publizierten Epstein-Akten zu entnehmen ist. Und wenn auch ihr Gatte, Königssohn Haakon, den Angeklagten Høiby einen „wichtigen Teil unserer Familie“ nennt, werden er und weitere Familienangehörige dem Prozess nicht beiwohnen, da der Stiefsohn eben nicht direkt zum „Königlichen Haus“ gehört.
Retten wird diese Differenzierung die Königsfamilie um den 88-jährigen Monarchen Harald V. kaum. Alle Vorwürfe – häusliche Gewalt, Drogenverkauf, Vergewaltigung – werden in den kommenden Wochen ausgeleuchtet.
Was wird Marius Borg Høiby konkret vorgeworfen? Die TV-Moderatorin Linni Meister, eine langjährige ehemalige Freundin Høibys, etwa behauptet, von ihm im Schlaf vergewaltigt und dabei gefilmt worden zu sein. Sie gilt als entscheidende Zeugin in dem Prozess, welcher mit zehn Jahren Haft für den Kronprinzen enden könnte. Einen Teil der Vergehen wie Gewalttätigkeit gegen seine damalige Freundin sowie Drogenkonsum hat der 29-Jährige bereits eingeräumt.
Lange soll der „Bonus-Prinz“, wie er in Norwegen genannt wird, geglaubt haben, er käme mit seinem Verhalten durch – dank der königlichen Familie. Tatsache ist, dass die norwegischen Medien vor der ersten Verhaftung im Jahr 2024 entsprechende Informationen über Drogeneskapaden zurückhielten. Denn, so munkelt man, Haakon und seine Frau Mette-Marit sollen sich über die Jahre ein großflächiges Netzwerk von Journalisten, Politikern und Kulturschaffenden aufgebaut haben, wo man „dicht“ hielt.
Neben all den Skandalen stärkt dieses Gemauschel die Kritiker der Monarchie. Lange galt die Königsfamilie als einigendes Symbol Norwegens. Über die Jahrhunderte präsentierten sich die norwegischen Monarchen in einer gewissen Bescheidenheit und Volksnähe, was in dem Land gut ankam.
Als etwa die Ölkrise 1973 das Autofahren verteuerte, fuhr der damalige König Olav mit der Straßenbahn zum Ski-Resort Holmenkollen, was ihm große Sympathie einbrachte. Diese Zeiten sind vorbei. Die Zustimmung für die königliche Familie geht zurück; in der Zeit der Enthüllungen um Høiby sank sie schon mal auf 61 Prozent laut diversen Umfragen.