Osnabrück Innenministerin Behrens lobt: Neue Zentralstelle in Osnabrück bringt Tempo in Fachkräfteverfahren
Wochen statt Monate: Weniger Wartezeit verspricht die neue Zentralstelle für beschleunigte Fachkräfteverfahren in Osnabrück. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) zeigte sich beim Besuch begeistert, eine offene Baustelle bleibe aber noch.
Wer als Pflegekraft, Handwerker oder Lkw-Fahrer aus dem Ausland nach Niedersachsen kommen will, musste bisher oft monatelang auf bürokratische Genehmigungen warten. Damit soll jetzt Schluss sein: Die neue „Zentralstelle für das beschleunigte Fachkräfteverfahren“ in Osnabrück soll die lokalen Ausländerbehörden entlasten und Kompetenzen bündeln. Die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) zog bei ihrem Besuch am Dienstag eine positive erste Bilanz.
Noch bis Mitte letzten Jahres war die Fachkräfteeinwanderung in Niedersachsen ein Flickenteppich: 52 kommunale Ausländerbehörden waren zuständig. Seit dem 1. Januar 2026 liegt die alleinige Zuständigkeit nun bei der neuen Zentralstelle, die an die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen in Osnabrück angegliedert ist und ihre Arbeit im Juli vergangenen Jahres aufgenommen hat. Bis zum Jahresbeginn haben Zentralstelle und lokale Ausländerbehörden die Fachkräftevermittlung zweigleisig betreut.
„Wir bündeln hier Kompetenz und Zuständigkeit“, erklärte Ministerin Behrens vor Ort. Das Ziel sei klar: Verfahren einfacher, schneller und bürokratieärmer zu gestalten. Die Ministerin zeigte sich überzeugt: „Im ersten halben Jahr hat die Zentralstelle den Praxistest bestanden.
Die Zahlen, die der Präsident der Landesaufnahmebehörde, Klaus Dierker, und sein Team präsentierten, untermauern dies. Seit dem Start der Stelle am 1. Juli 2025 seien 920 Anträge eingegangen. In 424 abgeschlossenen Verfahren habe die Zentralstelle bereits 201 Vorabzustimmungen erteilen können.
Mit der Zentralen Anlaufstelle für Fachkräfte und deren Arbeitgeber habe sich mehr als nur der Ansprechpartner für Fachkräfte und Unternehmen geändert. Der entscheidende Fortschritt liege in der Geschwindigkeit: Vom Abschluss der Vereinbarung mit dem Arbeitgeber bis zur Erteilung der Vorabzustimmung benötige die Behörde im Durchschnitt nur noch zweieinhalb Wochen – zumindest bei vollständigen Anträgen.
„Das ist eine sehr, sehr gute Zeit“, betonte Behrens, die eine „enorme Beschleunigung“ im Vergleich zur alten Praxis sieht. Früher dauerten solche Prozesse oft drei bis vier Monate. Mit der Vorabzustimmung aus Osnabrück können Fachkräfte dann im Heimatland einen Visatermin beantragen, der binnen drei Wochen erfolgen soll.
Dass die Beschleunigung auch in der Wirtschaft ankommt, bestätigte Gabriele Weglage von der Akademie St. Franziskus aus Lingen. Die Akademie bilde rund 350 Fachkräfte aus, wobei mittlerweile 50 Prozent der Auszubildenden aus dem Ausland stammten. Die Zusammenarbeit mit den kommunalen Behörden habe zwar auch vor Einrichtung der Zentralstelle gut funktioniert. Angesichts der Flut an Anträgen und vieler anderer Aufgaben seien die kommunalen Ausländerbehörden jedoch oft überlastet gewesen.
„Das ist jetzt deutlich beschleunigt“, lobte Weglage die neue Zusammenarbeit mit Osnabrück. Die ersten Auszubildenden, die über die neue Osnabrücker Zentralstelle kommen, werden im März in Lingen erwartet.
Die meisten Fachkräfte, deren Anträge in Osnabrück bearbeitet werden, stammten aktuell aus der Türkei, Marokko, Kamerun und Tunesien, erklärte ein Mitarbeiter der neuen Zentralstelle. Besonders stark nachgefragt seien Arbeitskräfte in der Pflege, Medizin, Transport und Logistik sowie in der Land-, Forst- und Tierwirtschaft, aber auch in Industrie und Handwerk.
Unternehmen zahlen für das beschleunigte Verfahren eine Gebühr von 411 Euro. Dafür erhalten sie einen festen Ansprechpartner und ein standardisiertes, digitales Verfahren, das nach dem „Once-Only-Prinzip“ funktioniert. Das heißt: Daten sollen einmal erhoben und dann behördenintern weitergeleitet werden. Insgesamt verstehe sich die Arbeit des neuen Teams eindeutig serviceorientiert.
Die Wahl für den Standort Osnabrück fiel laut Behrens nicht nur wegen der dortigen Landesaufnahmebehörde, sondern auch, weil die Region als wirtschaftliche „Boomregion“ wahrgenommen werde. Nicht zuletzt sprach daraus die Hoffnung, hier das nötige Personal für die Behörde selbst finden zu können – was gelungen sei.
Aktuell arbeiten 23 Mitarbeiter in der Zentralstelle, perspektivisch sollen es 30 werden. Diese Fachkräfte zur Fachkräftevermittlung aufzutreiben, sei eine der ersten großen Herausforderungen für den Standort gewesen.
Trotz des Lobes für die neue Struktur sieht Ministerin Behrens noch eine offene Baustelle im System: Wenn es gelänge, auch abgelehnten Asylbewerbern, die sich bereits im Land befinden und als Fachkräfte arbeiten könnten, das „Andocken“ zu erleichtern, dann „hätten wir das perfekte System“, so Behrens.