Osnabrück  Zwischen Tribüne, Bank und Startelf: Das Mittelfeldkarussell beim VfL Osnabrück

Malte Artmeier
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Von Malte Artmeier
| 03.02.2026 17:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Mal Mitfahrer, mal Zuschauer im Mittelfeldkarussell beim VfL Osnabrück: Kevin Wiethaup zieht hier an Simon Symalla vom MSV Duisburg vorbei. Foto: Michael Titgemeyer
Mal Mitfahrer, mal Zuschauer im Mittelfeldkarussell beim VfL Osnabrück: Kevin Wiethaup zieht hier an Simon Symalla vom MSV Duisburg vorbei. Foto: Michael Titgemeyer
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Die Position neben Bjarke Jacobsen im zentralen Mittelfeld des VfL Osnabrück ist hart umkämpft. Trainer Timo Schultz erklärt, wie er aus den vier Kandidaten auswählt und was Fridolin Wagner, Kevin Wiethaup, Bryan Henning und Robert Tesche auszeichnet.

Eine Startelf von Timo Schultz vorauszusagen, ist für Außenstehende keine besonders leichte Übung. Der Trainer des VfL Osnabrück wirbelt seine Mannschaft gerne durcheinander – selten in großem Umfang, meistens in begrenztem Maße. Neben der linken Flügelposition im etablierten Dreierkettensystem gilt das in der bisherigen Saison vor allem für das zentrale Mittelfeld. Meist setzt der 48-Jährige auf zwei Spieler im Zentrum des Spiels, wobei eine Position in der Regel an Bjarke Jacobsen geht. Der Däne, dessen Vertrag sich durch den 20. Startelfeinsatz in Saarbrücken automatisch bis 2027 verlängerte, ist der Anker im VfL-Spiel. Rotiert wird auf der Position daneben – und zwar wild.

Vor allem Fridolin Wagner (28), Bryan Henning (30) und Kevin Wiethaup (20) pendeln dabei zwischen Startelf, Bank und sogar der Tribüne, wenn Schultz einen von ihnen mal nicht in den Kader beruft. Dazu kommt mit Altmeister Robert Tesche (38) ein vierter Kandidat für den zweiten Platz im Mittelfeldkarussell der Osnabrücker. Wie verteilt Schultz die Eintrittskarten?

„Es ist tatsächlich so, dass das viel mit dem Gegner zu tun hat, also welches Spiel ich von Anfang an erwarte und wie wir darauf reagieren müssen“, erklärt der Coach - und bemüht ein Wort aus dem modernen Fußballvokabular. „Es ist eine Frage des Game-Managements.“ In Saarbrücken zum Beispiel habe er erwartet, mehr aus einem tiefen Block zu verteidigen und dann große Räume zum Umschalten nach vorne vorzufinden. Deshalb fiel dort die Wahl auf Wiethaup, der gerade im „Ballschleppen“, also langen Dribblings durchs Zentrum seine Vorzüge hat.

Die Orientierung am Gegner hat also großen Einfluss auf die Personalauswahl des VfL. „Ob sie mit einem klassischen Zehner, zwei hohen Achtern oder zwei tiefen Sechsern spielen, verändert die Lage bei uns“, sagt Schultz, betont aber auch: „Trotzdem schauen wir immer auch, wie unsere eigenen Jungs drauf sind.“ Dazu kommt natürlich auch die Überlegung, wie sich Spiele im späteren Verlauf entwickeln könnten, um darauf zu reagieren.

Die Profile der vier Kandidaten sind dabei durchaus unterschiedlich. Wie auf vielen anderen Positionen auch, kann Schultz je nach Geschmack auswählen und für die jeweiligen Anforderungen den besten Partner für Jacobsen finden. Der 32-Jährige spielt als Ruhepol vor der Abwehr eine herausragende Rolle im System Schultz, weil er „die Spieler um sich herum besser macht“, wie Direktor Fußball Joe Enochs es unlängst im noz-Interview ausdrückte.

Der Trainer selbst definiert die Stärken der möglichen Nebenleute so: „,Frido‘ ist der Spieler, der Bjarke am ähnlichsten ist. Er spielt kontrolliert aus der Position heraus, schaltet sich sehr bewusst nach vorne ein und ist gut in der Luft. ,Robbie‘ ist derjenige, der das Profil strategisch am besten erfüllt mit seiner Ruhe, Übersicht und Klarheit mit dem Ball. Kevin bringt die größte Dynamik mit und löst Situationen gerne im Eins gegen Eins, geht gerne auch mal Risiko, braucht aber auch am meisten Auslauf, um seine Stärken auszuspielen. ,Breezy‘ (Bryan Henning) ist super im Spielen und Gehen, fühlt sich in engen Räumen wohl, stößt gerne in die Box nach.“

Bislang verteilte der Trainer die meiste Spielzeit an Wagner. 1107 Minuten stand er in der Liga auf dem Feld, bei 20 Einsätzen startete er zwölf Mal und durfte nur in einer einzigen Partie, in der er im Kader stand, nicht auf den Rasen. Einmal fehlte er gelbgesperrt. Henning ist mit 612 Ligaminuten Zweiter - er spielte bereits sieben Mal trotz Kadernominierung gar nicht und nur ein Mal über die volle Distanz. Zweimal fehlte er krank. Interessant: Nur bei einem seiner sieben Startelfeinsätze gewann der VfL - dabei aber auch dank Henning: In Aachen traf er zwei Mal zum 3:0-Sieg.

Wiethaup kommt auf 460 Minuten, fünf Startelf- und fünf Jokereinsätze. Viermal nahm Schultz das Eigengewächs am Spieltag nicht mit ins Aufgebot. Zuletzt aber rotierte er von der Tribüne gegen 1860 München in die Startelf gegen Saarbrücken. Von Beginn an durfte Tesche derweil noch nicht spielen. Nur zwei Jokereinsätze sammelte er bislang, stand aber in der Rückserie immerhin in allen Partien im Kader.

Dass sich die Lage aber eben schnell drehen kann, hat sich längst gezeigt. „Es ist ein offener Konkurrenzkampf auf der Position“, sagt er und kündigt an, „dass es auch Spiele geben wird, in denen Bjarke mal nicht spielt.“ Außerdem bestehe auch die Möglichkeit, mit drei zentralen Mittelfeldspielern zu agieren. Entsprechend sei „genug Platz für alle da“ im Mittelfeldkarussell des VfL.

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