Osnabrück WGO zieht die Reißleine: Neubau-Aus an der Weserstraße in Osnabrück
Das Vorhaben galt als Meilenstein zur Überwindung der Wohnungsnot in Osnabrück. Jetzt wird der WGO-Neubau an der Weserstraße gestoppt – gebremst durch städtische Auflagen, langwierige Verfahren und hohe Kosten.
Es war eines dieser Projekte, an denen sich entscheidet, wie ernst es eine Stadt mit dem Wohnungsbau meint. Rund 56 Wohnungen wollte die Wohnungsbaugenossenschaft Osnabrück (WGO) an der Weserstraße errichten – innenstadtnah, dringend gebraucht, lange angekündigt. Heute ist davon vor allem eines geblieben: Stillstand.
Der zentrale Haken lag im Verfahren. Voraussetzung für den Neubau war ein vorhabenbezogener Bebauungsplan. Was theoretisch Planungssicherheit schaffen soll, entwickelte sich in der Praxis zum Hemmnis. „Damit wurde es sehr kompliziert. Der Prozess war leider mit vielen Einzelauflagen verbunden, die das Projekt in die Länge zogen“, sagt der aktuelle WGO-Geschäftsführer Björn Siehlmann.
Nahezu jeder beteiligte Fachdienst habe eigene Anforderungen formuliert – von Erschließung über Verkehr bis hin zur Entsorgung. „In einzelnen Fällen ging es um sehr detaillierte Fragestellungen – etwa um Verkehrsführungen oder um einen einzelnen Baum, für den ein umfangreiches Gutachten erstellt werden musste.“
Dass die Weserstraße zum Problemfall werden könnte, ist allerdings keine neue Erkenntnis. Bereits im September 2023 hatte der damalige WGO-Geschäftsführer Thomas Droit, der inzwischen im Ruhestand ist, öffentlich gewarnt: „Wenn die Rahmenbedingungen so bleiben, wie sie sind, dann müssen wir den Neubau für die kommenden Jahre komplett stoppen.“
Schon damals ging es um das innenstadtnahe Vorhaben mit 56 Wohnungen an der Weserstraße. Die WGO arbeitet bereits seit 2019 an der Planung. Voraussetzung für die Umsetzung war ein vorhabenbezogener Bebauungsplan für die rund 5000 Quadratmeter große Fläche. Charakteristisch für dieses Instrument ist, dass sämtliche Verfahrensschritte in enger Abstimmung mit der Bauverwaltung und weiteren Fachdienststellen der Stadt erfolgen – ein Prozess, der sich über Jahre hinzog und dadurch auch die Kosten immer weiter in die Höhe trieb.
Droit kritisierte schon vor zweieinhalb Jahren die zähen Abläufe: „Es ist frustrierend, wenn man einfach nicht vorankommt oder durch zusätzliche Hürden der Politik sogar noch zurückgeworfen wird und weiß, dass das Projekt mit jedem weiteren Monat des Abwartens teurer wird.“ Aus Sicht der WGO wurde das Bauen nicht zuletzt durch die lange Planungsphase zunehmend unwirtschaftlich. Die Genossenschaft, die bezahlbaren Wohnraum in Osnabrück schaffen will, habe sich dabei bei der Stadt „wie ein Bittsteller“ gefühlt.
Bereits 2023 verwies Droit darauf, dass „die guten Zeiten vorbei sind“: Bauzinsen hatten sich innerhalb nur eines Jahres fast vervierfacht, die Baukosten waren explodiert. Gerade vor diesem Hintergrund war Zeit zu einem entscheidenden Kostenfaktor geworden. Die WGO wünschte sich deshalb „einfach mehr Unterstützung von der Stadt“ – notfalls auch nur in Form beschleunigter Genehmigungsverfahren. Die Ankündigung der WGO, den Neubau unter diesen Bedingungen stoppen zu müssen, galt damals als eines der zentralen Alarmsignale und war ein wesentlicher Auslöser für den Osnabrücker Baugipfel im Januar 2024.
Rückblickend wirken Droits Aussagen wie eine präzise Vorhersage. Denn genau das, wovor der damalige WGO-Geschäftsführer warnte, ist inzwischen Realität. „In Kombination mit den stark gestiegenen Baukosten und dem aktuellen Zinsniveau sehen wir derzeit keine Möglichkeit, das Projekt wirtschaftlich tragfähig darzustellen“, sagt WGO-Chef Björn Siehlmann.
Die Konsequenz ist eindeutig: „Das Neubauprojekt Weserstraße liegt deshalb aktuell vollständig auf Eis. Eine Umsetzung ist unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht absehbar.“
Die Weserstraße steht damit exemplarisch für ein strukturelles Problem. „Die WGO verfolgt derzeit keine konkreten Neubauvorhaben. Das liegt nicht an mangelndem Willen, sondern an den aktuellen Rahmenbedingungen“, betont Siehlmann. Unter heutigen Bedingungen sei es mit konventioneller Bauweise nahezu unmöglich, preisgedämpften Wohnraum im Neubau darzustellen.
Statt klassischem Neubau prüft die WGO inzwischen alternative Ansätze wie serielles und modulares Bauen – etwa am Frankensteiner Weg/Prießnitzhof. Dort wurden Bestandsgebäude bereits abgerissen, weil eine energetische Sanierung nicht mehr sinnvoll möglich war. Ziel ist daher kein zusätzlicher Wohnraum, sondern ein möglicher Ersatzneubau für die weggefallenen Wohnungen.
„Für das Grundstück liegt ein positiver Bauvorbescheid vor. Auf dieser Basis prüfen wir derzeit gemeinsam mit einem Anbieter für serielles Bauen, welche Baukosten realistisch wären“, sagt WGO-Chef Björn Siehlmann. Erst auf dieser Grundlage lasse sich entscheiden, ob ein Neubau wirtschaftlich überhaupt darstellbar ist.
Für das Grundstück an der Weserstraße bleibt vorerst nur ein theoretischer Ausblick. „Das Grundstück bleibt im Eigentum der WGO und wird als Vorratsfläche gehalten“, sagt Siehlmann. Eine Neubewertung sei nur bei deutlich verbesserten Rahmenbedingungen denkbar. „Aktuell sieht es aber nicht danach aus.“