Saarbrücken VfL Osnabrück: Ein Sieg mit wenig Glanz – das macht aber nichts, wenn...
Drei Siege hat der VfL Osnabrück nun auswärts in Folge geholt. Im Jahr 2026 ist die Mannschaft von Trainer Timo Schultz ungeschlagen. Und trotzdem gab es nach dem 1:0 beim 1. FC Saarbrücken nicht nur Applaus. Es war ein Auftritt mit wenig Glanz. Das macht aber nichts, wenn...
Es gibt Siege, die sind nicht hübsch, aber dafür sind sie umso wichtiger. Weil sie auch mit ein wenig Glück zustande gekommen sind, aber unter dem Strich auch das Gefühl bleibt: Die drei Punkte waren trotz allem verdient. Und weil dazu die mahnende Erkenntnis steht: Immer geht das so nicht gut, weiter arbeiten ist wichtig.
Das 1:0 des VfL Osnabrück beim 1. FC Saarbrücken passt ganz hervorragend in diese Kategorie. Denn glanzvoll war er nicht, der Sieg beim Lieblingsgegner der Lila-Weißen. Noch nie haben sie ein Spiel gegen die Saarländer in der 3. Fußball-Liga verloren.
Vielleicht war es auch ein wenig diese Aura, die am Ende den Erfolg sicherte. Vielleicht aber auch das, was Trainer Timo Schultz nach der Partie anmerkte: „Wenn man oben steht, dann klappt das, wenn man unten steht, will die Kugel eben einfach nicht über die Linie.“
In Saarbrücken gelang das dem VfL schon früh. In der 11. Minute drückte Niklas Wiemann mit der Hüfte eine Ecke von Lars Kehl ins Tor. Nur knapp 300 Osnabrücker Zuschauer sahen den Treffer. Der Rest war zu diesem Zeitpunkt gerade erst am Bahnhof angekommen – obwohl der Anpfiff schon um eine halbe Stunde nach hinten verlegt worden war.
Zum zweiten Mal in Folge traf der VfL nach einem Standard. Vor allem die Ecken waren schon früh in der Saison ein Garant für Tore. Jetzt sind sie es wieder. Und Innenverteidiger Wiemann konnte einschieben, weil vorher andere halfen, ihm Platz zu machen. Frederik Christensen etwa, der seinen Gegenspieler gut herauszog. Die Ecke von Kehl, seine achte Vorlage, kam präzise.
Danach verteidigte der VfL tief, nutzte aber die Räume, die sich so auftaten, nicht – oder zu selten. Kevin Wiethaup gelang es in den ersten 15 Minuten und zweimal in der zweiten Halbzeit. Die eingewechselten Ismail Badjie und Tony Lesueur hätten mit ihrer Schnelligkeit Speed auf dem Weg zum Tor aufnehmen können. Doch sie kamen zu selten in diese Duelle.
Im Strafraum war der VfL zu wenig präsent, als dass Neuzugang Julian Kania seine Stärken hätte ausspielen können. „Wir haben es dann mit Glück und Geschick wegverteidigt“, sagte Schultz über die Spielzeit nach der Führung.
Zugegeben, das war nicht hübsch. Ein wenig gefährlich war es auch, weil Saarbrücken durchaus gute Chancen hatte, von denen es keine verwertete – etwa durch Robin Bormuth und Tim Civeja, die beide jeweils aus drei Metern den Ball am Tor vorbeisetzten. Oder durch Dominic Baumann und den eingewechselten Patrick Schmidt, die allerdings ebenfalls nicht trafen. Am Ende war es sicher glücklich, aber eben auch effektiv vom VfL, der so den dritten Auswärtssieg in Folge sicherte und im Jahr 2026 noch ungeschlagen ist. Solche Spiele gewinnen meist nur Mannschaften, über die man sagt, sie seien „gereift“.
Sieben Punkte aus drei Spielen holte der VfL seit der Winterpause und hält damit Kontakt zur Spitze. Nur Ingolstadt sammelte in der Rückrunde bisher mehr Zähler (9). Die Auswärtstabelle führt der VfL weiter an – mit vier Punkten vor Hansa Rostock.
Und noch etwas macht Zuversicht, dass diese Mannschaft weiter stabil durch die Saison geht: der Blick auf den Kader. In Saarbrücken wechselte Schultz zweimal in der Startelf. Kevin Wiethaup begann für Bryan Henning im Mittelfeld, Christensen für Tony Lesueur auf der linken Seite. Robin Fabinski, David Kopacz, Kevin Schumacher und Bernd Riesselmann – alle drei schon mit mehreren Einsätzen und zum Teil guten Auftritten für die Osnabrücker – waren nicht mal im Kader. Keiner von ihnen war verletzt.
Schultz stellt nach Trainingsleistung auf. Nach aktueller Form. Und nach Bedarf. Fabinski fehlte etwa, weil trotz seines aufgeholten Trainingsrückstands Vertreter Yigit Karademir gerade keinen Anlass gibt, nicht auf ihn zu setzen. Luc Ihorst bekam dank einer starken Trainingswoche den Vorzug vor Riesselmann. In Stein gemeißelt ist das nicht, auch das zeigte die Vergangenheit. Der Konkurrenzdruck lebt und das hält oft den Fokus hoch.
Schon alleine deshalb dürften Spiele dieser Kategorie nicht zum Dauerzustand werden. Und weil in Saarbrücken am Ende auch die Erkenntnis stand, dass zum Geschick auch das Glück eine Rolle spielte. Und das sollte der VfL nicht ausreizen, will er weiter in der Spitze der Liga bleiben – schon gar nicht zu Hause, wo am kommenden Samstag (14 Uhr) der TSV Havelse zu Gast ist. Denn an der Bremer Brücke war das Glück bislang weniger auf der Seite der Lila-Weißen.