Saarbrücken  VfL Osnabrück: Viel Fleißarbeit, ein Standardtreffer und auch ein wenig Glück

Moritz Büscher, Susanne Fetter
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Von Moritz Büscher, Susanne Fetter
| 01.02.2026 13:43 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Der VfL Osnabrück um Offensivspieler Lars Kehl (re.) verteidigte die knappe 1:0-Führung bis zum Abpfiff. Foto: IMAGO/Fußball-News Saarland
Der VfL Osnabrück um Offensivspieler Lars Kehl (re.) verteidigte die knappe 1:0-Führung bis zum Abpfiff. Foto: IMAGO/Fußball-News Saarland
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Nach zuvor acht Toren aus den letzten beiden Auswärtsspielen brannte der VfL Osnabrück beim 1:0-Sieg in der 3. Fußball-Liga beim 1. FC Saarbrücken diesmal kein Offensivfeuerwerk ab, nutzte aber einen der wenigen Abschlüsse zum Siegtreffer. Nicht nur beim Tor, sondern in den gesamten 90 Minuten stachen eher die Defensivspieler heraus. Die Einzelkritik.

#25 Niklas Wiemann: Erfüllte seine defensive Aufgabe als linker Innenverteidiger in der Dreierkette nahezu ohne Fehl und Tadel – erzielte in der Offensive das Tor des Tages. Schlich sich am ersten Pfosten nach der Kehl-Ecke gut frei und beförderte den Ball reflexartig mit dem rechten Oberschenkel ins kurze Eck. Unterstützte als verlässlicher Anker im VfL-Bollwerk immer wieder Frederik Christensen auf der linken Schiene, wenn Saarbrückens gefährlichster Spieler, Florian Pick, mal außen durchbrach. Mit gutem Positionsspiel und resoluten Tacklings am Boden und in der Luft, unter anderem per Grätsche an der Strafraumkante gegen Elijah Krahn. Einziger Schönheitsfehler war in Hälfte zwei sein Fehlpass im Aufbauspiel, den Patrick Sontheimer und Patrick Schmidt nicht ausnutzen konnten.

#18 Lars Kehl (bis 78.): Hatte bei den wenigen Offensivsituationen im sonst zähen VfL-Angriffsspiel oft seine Füße im Spiel und schlug immer wieder gefährliche Standards: So auch beim 1:0-Siegtreffer, als er den Eckball scharf und mit der richtigen Höhe auf den ersten Pfosten flankte, sodass Tim Civeja gerade so nicht an den Ball kam und Wiemann der Nutznießer war. Versuchte, das Offensivspiel mit seiner Spielintelligenz anzukurbeln, sorgte jedoch aus dem Spiel heraus nur selten für nennenswerte Akzente. Dafür war er defensiv sehr fleißig und half in der zweiten Halbzeit sogar einmal im eigenen Strafraum aus, als er den Ball vor dem einschussbereiten Pick klärte.

#24 Jannik Müller: Hatte in der Anfangsphase kurz eine unaufmerksame Situation, die die erste Saarbrücker Chance durch Civeja einleitete, als er den Ball an der Seitenlinie nur unzureichend und nicht mit voller Entschlossenheit in die Füße von Calogero Rizzuto spielte. Absolvierte sonst ein recht unauffälliges Spiel, bei dem sich seine Teamkollegen jedoch in brenzligen Situationen auf ihn verlassen konnten. War bei Saarbrücker Flanken mit dem Kopf zur Stelle und warf sich bei gegnerischen Abschlüssen in jeden Ball rein. Zeigte sich im Abwehrverbund mit dafür verantwortlich, dass der VfL zum elften Mal zu null spielte.

#21 Lukas Jonsson: War zur Stelle, wenn sein Team ihn brauchte. Musste in den 90 Minuten nur zweimal richtig angreifen, da die meisten Abschlüsse zu zentral in seine Arme oder teilweise knapp neben das Tor flogen. Hatte Mitte der ersten Halbzeit beim zögerlichen Herauslaufen gegen Dominic Baumann etwas Glück, dass der Saarbrücker Stürmer daraus kein Kapital schlug. Machte sich bei der Situation im Strafraum groß und entschärfte den Abschluss aus Nahdistanz. Lenkte in Halbzeit zwei eine abgefälschte Flanke stark um den Pfosten. Zeigte bei hohen Bällen in den Strafraum leichte Unsicherheiten, als er eine Flanke etwas unkonventionell und zu kurz in das Zentrum faustete – eine Aktion ohne Folgen. Hielt seinen Kasten in dieser Saison zum elften Mal sauber.

#3 Frederik Christensen: Gefiel über die 90 Minuten immer mal wieder mit guten Tempoläufen in die Tiefe und über die Außenpositionen gegen den langsameren Rizzuto, jedoch ließen seine Hereingaben zu wünschen übrig. So auch in der 90. Minute, als er völlig ohne Not ins Zentrum auf Torhüter Menzel flankte, anstatt mit Robin Meißner neben ihm etwas Zeit von der Uhr zu nehmen. Sprintete anschließend mit letzten Kräften nochmal energisch zurück, was deutlich macht, dass der Einsatzwille beim Dänen stimmte. War auffälliger als sein Pendant Patrick Kammerbauer auf rechts und spulte über seine Schiene ein großes Pensum ab. Hatte seine Seite defensiv weitestgehend im Griff und rettete einmal vor Pick im Strafraum. Zog beim Führungstreffer mit seinem schnellen Antritt auf den kurzen Pfosten einen Gegenspieler mit und machte so für Wiemann den Raum frei.

#4 Yigit Karademir: Bestätigte auch in diesem Spiel seine Startelfaufstellung. Spielte unaufgeregt, zeigte im Aufbauspiel keine Fehler und bereinigte in der Defensive kompromisslos viele Saarbrücker Angriffe. Holte sich in der 18. Minute eine unnötige Gelbe Karte ab, als er einen langen Ball falsch einschätzte, zu energisch nach vorne verteidigte und Baumann von hinten zu Boden brachte. Lief Pick als letzter Mann kurz nach der Halbzeit gut ab und vereitelte den Konter. Fiel gegen den Saarbrücker Offensivmann kurze Zeit später aber auf eine Schussfinte rein und rutschte ins Leere, konnte sich dabei allerdings auf seinen aufmerksamen Mitspieler Christensen verlassen.

#11 Robin Meißner (bis 90.): Blieb gerade in Halbzeit eins wie sein Sturmpartner Julian Kania blass und leistete sich zwei unnötige Ballverluste im Mittelfeld, die Saarbrücker Angriffe einleiteten. Verlor zudem nach einer Ecke und Kopfballverlängerung auf den zweiten Pfosten seinen Gegenspieler Robin Bormuth aus den Augen. Zeigte sich in der zweiten Hälfte – gerade nach der Einwechslung von Ismail Badjie – etwas formverbessert und ging offensiv viele Wege. Platzierte seinen Schuss aus 16 Metern nach Jacobsen-Ablage zu zentral. Seinen zweiten Abschluss aus halbrechter Position im Strafraum kratzte FC-Torhüter Phillip Menzel aus der kurzen Ecke.

#37 Ismail Badjie (ab 59.): War mit seinem Tempo und den Tiefenläufen direkt ein belebendes Element im lila-weißen Offensivspiel. Brachte sich mit einem guten Sprint hinter die Kette nach Meißners Steckpass gut ein, wurde aber von Lasse Wilhelm gerade noch abgelaufen. Initiierte zwar gute Möglichkeiten, war aber im letzten Drittel beim Abspiel zu unsauber oder traf die falsche Entscheidung: Zögerte beim Schussversuch am Sechzehner einmal zu lange, wurde dann geblockt und spielte kurz darauf den Pass auf Meißner nach einem dynamischen Antritt im Mittelfeld in seinen Rücken – so war die Großchance dahin.

#19 Kevin Wiethaup (bis 78.): Durfte mal wieder von Beginn an spielen und deutete seine spielerische Klasse – vor allem in Drucksituationen auf kleinen Räumen – immer wieder gut an. Schöpfte jedoch sein Potenzial in Form von technischer Finesse, Übersicht und Dribbelstärke, die ohne Zweifel vorhanden sind, viel zu selten aus. Spulte im Zentrum als etwas offensiverer, zentraler Mittelfeldmann viele Kilometer ab, war umtriebig und holte sich viele Bälle ab. Zeigte defensiv ein ordentliches Spiel, jedoch zog er in manchen Zweikämpfen eher mal zurück oder war zu passiv.

#15 Bjarke Jacobsen: Trat in dem Spiel offensiv nicht in Erscheinung, auch weil er eher damit beschäftigt war, die Löcher vor der Kette zu stopfen, Zweikämpfe zu führen und die hohen Flankenbälle ins Zentrum per Kopf zu entschärfen. Defensiv erledigte er seine Aufgaben zuverlässig und warf sich in alle Duelle, musste dafür aber viel Kraft aufwenden, was man ihm zwischendurch anmerkte – etwa bei dem ein oder anderen Ballverlust. Für den defensiven Mittelfeldmann mit Offensivgefahr war es einer seiner schwächeren Auftritte.

#31 Patrick Kammerbauer (bis 90.): Das gilt auch für den rechten Schienenspieler, der offensiv abtauchte und defensiv ein, zwei Unaufmerksamkeiten in seinem Spiel einstreute. War in der Abwehr zumeist auf der Hut, jedoch ließ er den ein oder anderen gefährlichen Flankenlauf über seine Seite zu. Hatte zudem einmal Glück, als er Mitte der ersten Hälfte einen hohen Ball falsch einschätzte und die Situation gemeinschaftlich mit Karademir zur Ecke klärte. War manchmal nicht auf der Höhe, als er unter anderem Civeja nach einem Freistoß auf den langen Pfosten aus den Augen verlor.

#9 Julian Kania (bis 59.): Das Spiel des Leihspielers reiht sich in die bisherigen Auftritte ein. Hat noch keine wirkliche Bindung zum VfL-Spiel und vertändelte – auch manchmal aufgrund unzureichender Anspielstationen – öfter mal den Ball, anstatt ihn mit dem Gegner im Rücken festzumachen. Einsatzwillen kann man dem Stürmer nicht absprechen, aber er zeigte sich oft unglücklich in vielen Aktionen. Kam auch gegen Saarbrücken noch überhaupt nicht zu Abschlüssen, da seine Mitspieler ihn auch nicht in Szene setzten. Hatte in Halbzeit zwei etwas mehr Zugriff zum Spiel und warf sich in jeden Zweikampf, blieb in den 60 Minuten aber überwiegend blass.

Tony Lesueur, Fridolin Wagner (beide ab 78.), Kai Pröger und Theo Janotta (beide ab 90.): Wagner hatte kurz nach seiner Einwechslung das 2:0 auf dem Fuß, setzte den Ball im Strafraum aber deutlich links neben den Kasten. Sorgte mit den anderen drei Einwechselspielern, die in der Schlussphase hineinkamen und unauffällig blieben, dafür, dass der VfL den knappen Vorsprung über die Zeit brachte.

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