Berlin  Bastian Pastewka: „In Anke Engelke war ich nicht verliebt, sondern …“

Daniel Benedict
|
Von Daniel Benedict
| 06.02.2026 06:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 11 Minuten
Bastian Pastewka findet beim Googeln heraus, dass er tatsächlich keinen Schlaganfall hatte. Foto: IMAGO / Panama Pictures / Christoph Hardt
Bastian Pastewka findet beim Googeln heraus, dass er tatsächlich keinen Schlaganfall hatte. Foto: IMAGO / Panama Pictures / Christoph Hardt
Artikel teilen:

Wir haben Bastian Pastewka getroffen und über seine lustigsten Internet-Pannen gesprochen, über Schoko-Klau, Anke Engelkes Genie und seinen neuen Prime-Video-Film „Fabian“.

Im eleganten Zweiteiler betritt Bastian Pastewka den Konferenzraum eines Berliner Ku’damm-Hotels. Das Sprechtempo ist hoch. In einer Stunde sind alle wichtigen Themen durch: das Bonner Kinderzimmer, in dem Pastewka am Kassettenrekorder die Showbranche entdeckt hat. Verbrechen im Internet. Anke Engelkes unerschöpfliche Begabung. Der Raub von Hugo Egon Balders Schokoladenvorrat. Und Pastewkas erste große Liebe: Puschel, das Eichhorn. Aber zuallererst geht es um den neuen Film des 53-Jährigen, die Krimikomödie „Fabian und die mörderische Hochzeit“ (ab sofort auf Prime Video).

Frage: Herr Pastewka, wir treffen uns hier in einem schicken Hotel und dann auch noch im „Leoparden“-Zimmer. Als ich die Einladung gelesen habe, dachte ich, Sie wollen mich verführen.

Antwort: Wenn Sie wollen, mache ich das. Aber dieser Konferenzraum hat jetzt wirklich gar nichts Leopardisches. Auf dem Tisch stehen die üblichen Wasserflaschen und vier umgedrehte Gläser. Haben Sie die Tür dahinten gesehen? Man denkt, das wäre ein Duschbad, aber in Wahrheit ist es der Heizungsraum. Eben war ein Techniker da. Na, was soll’s! Machen wir das Beste draus.

Frage: Für Amazon Prime Video haben Sie die Krimikomödie „Fabian und die mörderische Hochzeit“ gedreht. Das klingt nach Ihrer ersten Rolle als Heiratsschwindler.

Antwort: Ich wäre gern ein guter Heiratsschwindler. Weil man in diesem Beruf offenbar sehr gut verdient. Und – hüstel, hüstel – das Aussehen bringe ich ja mit. Aber ich könnte es nicht. Auf jemanden zuzugehen und ihm für Geldleistungen die große Liebe vorzugaukeln – das gehört zum Widerwärtigsten, was Menschen einander antun können. Das würde ich nur in allergrößter Not tun. Im Film mache ich es auch gar nicht. Ich spiele einen Hochstapler, aber keinen Heiratsschwindler.

Frage: Warum gibt es nicht mehr Hochstaplerfilme? Seit den 1990er-Jahren dominieren Serienkiller das Krimigenre. Dabei sind Hochstapler mindestens genauso interessant und im wirklichen Leben wahrscheinlich viel häufiger.

Antwort: Welche Hochstapler der Seriengeschichte fallen mir überhaupt ein? Gar nicht so leicht. „Der Frosch mit der Maske“ zum Beispiel war in Wahrheit gar kein Frosch. Vielleicht könnte man auch Walter White aus „Breaking Bad“ dazuzählen? Der wird als Chemielehrer zum Drogenhändler und führt sein bürgerliches Leben nur noch zum Schein. Im Gegensatz zum Serienkiller haben Hochstapler den Vorteil, dass das Publikum sich in ihnen wiedererkennt. Geschummelt haben wir ja alle schon mal. Vielleicht verführt das aber auch zu einer falschen Sympathie. Hochstapler haben was Augenzwinkerndes. Aber die traurige Nachricht lautet: Es gibt keine sympathischen Kriminellen. Sobald ein krimineller Akt begangen wird, gibt es Geschädigte. Filme retuschieren das gern weg und finden die Täter faszinierend. Deshalb tue ich mich mit Filmbiografien von echten Verbrechern auch so schwer. Und mit True-Crime-Podcasts.

Frage: Was ist Ihr Einwand gegen True Crime?

Antwort: True-Crime-Serien haben immer etwas Obszönes, besonders Podcasts, in denen Moderatoren-Duos sich das Verbrechen gegenseitig erzählen. Im schlimmsten Fall auch noch vor Publikum. Ich habe mir mal so eine Live-Folge angehört. Das sehr bekannte True-Crime-Duo kommt in irgendeine Stadthalle, frenetischer Applaus, mit Sicherheit war alles sofort ausverkauft. Ein Experte stößt als Stargast dazu. Das Publikum ist euphorisiert, Popstar-Feeling. Dann erzählt der Experte von einem sehr realen, sehr schrecklichen Verbrechen. Und mit jeder Sekunde sinkt die Stimmung im Saal tiefer in den Keller. Huh, denken die Leute, wofür hab ich hier eigentlich Eintritt bezahlt? Irgendwann kommt das auch auf der Bühne an. Das Duo und der Experte werden stiller. Am Schluss gibt’s Höflichkeitsapplaus, und als die Moderatoren noch den Sponsoren danken, hört man schon das Gewusel, weil alle schnell zum Parkplatz wollen.

Frage: Oha.

Antwort: Die Geschichte klang bitterer, als ich wollte. Mich interessiert daran, dass da erwachsene Menschen stehen, sich ganz kurz wie Popstars fühlen und dann selbst merken: Okay, das, was wir hier tun, ist obszön.

Frage: Sind Sie selbst mal Opfer eines Verbrechens geworden?

Antwort: Vielleicht bin ich auf Schwindler reingefallen, ohne es zu merken. Wenn’s raffiniert gemacht ist, würde ich das sogar goutieren. Betuppt wird man sicher öfter, mit versteckten Preissteigerungen oder was weiß ich. Unter Gastronomen, habe ich gehört, ist ein beliebter Trick, das stille Wasser mit Leitungswasser zu strecken. Bei offenen Flaschen werde ich sofort paranoid. Einerseits. Andererseits ist es mir dann aber auch egal.

Frage: Fühlen Sie sich sicher, was Phishing-Mails und anderen Online-Schwindel angeht?

Antwort: Ich bin wirklich mal wie Omma Möhrken auf die dümmste Phishing-Mail überhaupt reingefallen. Es ging um mein Konto und ich habe sofort bei meiner Bank angerufen, um meine PIN-Nummern zu sperren. Wieso denn, fragt die Frau am Telefon: Ich: Na – Ihre Mail! Dann wieder die Frau, jetzt rümpf-nasig: Herr Pastewka, sind Sie auf eine Phishing-Mail reingefallen? Mit dem Unterton: Meine Güte, wir hätten Sie eigentlich für schlauer gehalten. Ich hab mir die Mail noch mal angeguckt und gesagt: Die sieht schon ziemlich echt aus. Nein, sieht sie nicht, hat die Frau gesagt und mir eine richtige Mail von der Bank geschickt. Kein Unterschied.

Bastian Pastewkas neuer Film „Fabian oder die mörderische Hochzeit“

Frage: Was wäre auf Ihrem Konto denn zu holen gewesen?

Antwort: Ich glaube, die wollten mich gar nicht ausrauben. Die wollten mich in irgendeinen obskuren Finanzdeal quatschen.

Frage: Kann man im Theater seine Wertsachen liegenlassen? Und welche Berufsgruppe aus Ihrer Branche hat die größte kriminelle Energie? Schauspielagenten, Beleuchter …?

Antwort: Auch wenn ich unserem Berufsstand möglicherweise schweren Schaden zufüge: Ich hab das Gefühl, es sind die Schauspieler selber. Von wahnsinnig vielen Kollegen, die mal so für Tagesrollen vorbeikommen, höre ich den Satz: Könnt ihr mir das Geld auch einfach so geben, in bar? Sogar Promis haben mir schon gesagt: Ich möchte gar nicht in Geld bezahlt werden, vielleicht habt ihr irgendeine Sachleistung?

Frage: Was macht Ihren Berufsstand anfällig? Das unregelmäßige Einkommen?

Antwort: Das sind Spielernaturen. In jedem Beruf gibt es Menschen, die Rechnungen nur auf den letzten Drücker bezahlen. Aus dem Gefühl heraus: Ach, das mit dem Geld und das mit dem Finanzamt – das gilt doch nicht für mich. Da steckt so eine seltsame Überhöhung des eigenen Ichs dahinter und auch ein impulsives, kurzfristiges Denken. Es geht nie um den Weitblick, nie um die Folgen. Statt einmal das Übel an der Wurzel zu packen, reitet man sich immer weiter rein. Nächste Frage!

Frage: Mopsen Sie am Set Andenken?

Antwort: Wann immer ich Hugo Egon Balder treffe, wiederholt er unseren Running-Gag aus „Pastewka“: Sag mal, Bastian, kannst du dir das erklären? Wenn du bei „Genial daneben“ warst, fehlen in allen Garderoben die Bountys! Tatsächlich habe ich Hugo Egon Balder nie, ich betone: nie, seine Süßigkeiten geklaut. Niemals! Ich gebe zu, dass ich schon gerne mal ein Schokolädchen mitnehme, aber nie aus einer fremden Garderobe. Vielleicht aus der von Anke Engelke, das ja.

Frage: Mit Anke Engelke verbindet Sie eine lange Geschichte. Was kann sie besser als Sie und was können Sie besser als Anke Engelke?

Antwort: Anke Engelke ist die Talentiertere und die Verrücktere von uns beiden. Ich glaube, dass Anke mit so viel Können gesegnet worden ist, dass sie gar nicht weiß, wohin damit. Deshalb vertraut sie blind ihrem Instinkt. Das meiste schüttelt sie wirklich aus dem Ärmel. Es ist ihr nicht zugeflogen. Sie hat sich dafür sehr lange sehr angestrengt und auch gegen Widerstände gekämpft. Das halte ich für eine tolle Eigenschaft. In vielen Dingen denken Anke und ich gleich, trotzdem sind wir unfähig zu kommunizieren – weil sie ganz anders an Organisation, Drehbuchvorbereitung, Text und Figuren rangeht. Ich bin ein Akademikertyp, der immer alles aufschreiben muss und feste Prinzipien braucht. Weil ich ein sehr begrenztes Talent habe. Ich habe nur dieses eine Gummigesicht und ich muss aufpassen, dass keiner Schindluder damit treibt. Während Anke sagt: Ist mir doch egal, was die aus mir machen – ich bin ganz viele Figuren und ich spiele sie alle.

Frage: Google schlägt einem ja immer ergänzende Suchbegriffe vor, und wenn man Ihren Namen googelt …

Antwort: … denkt man, ich heiße Bastian Pastewka-Schlaganfall. Das stand bei immer ganz oben, sogar mit so einem Bindestrich. Wenn man draufklickt, erfährt man, dass Bastian Pastewka bislang keinen Schlaganfall hatte. Das hat mich immer sehr beruhigt. Man soll ja nicht über Google seinen Gesundheitszustand checken.

Frage: Bei mir kam ganz oben die Frage: Waren Bastian Pastewka und Anke Engelke ein Paar?

Antwort: Nach unserer Serie „Perfekt verpasst“ könnte man das denken. Aber wir waren es nie.

Frage: Waren Sie wenigstens ein bisschen verknallt, als Sie in den 1980ern das ZDF-Ferienprogramm geguckt haben – das Anke Engelke damals als Kind moderiert hat?

Antwort: Ich war in Puschel, das Eichhorn, verknallt. Aber nicht in Anke, die Puschel anmoderiert hat.

Frage: Können Sie mich gedanklich mal in das Kinderzimmer führen, in dem der zehnjährige Bastian am Kassettenrekorder die Welt der Hörkrimis entdeckt hat?

Antwort: Bis ich zehn Jahre alt war, habe ich Kinder-Hörspiele gehört, die mir geschenkt wurden: Europa-Märchen mit dem Erzähler Hans Paetsch, „Die drei ???“-Geschichten, von denen es 1982 erst rund zehn Folgen gab. Heute können wir bei Spotify unter 250 auswählen – unglaublich. Aber tatsächlich haben mich im Teenager-Alter die Radio-Unterhaltungshörspiele für Erwachsene mehr interessiert. In den 80ern gab es am Freitag um 23.10 Uhr im Deutschlandfunk den Mitternachtskrimi.

Frage: Haben Sie es mit zehn Jahren wirklich geschafft, so lange wach zu bleiben? Oder mussten Sie aufzeichnen?

Antwort: Beides. Ich erinnere mich noch genau, wie ich die Krimis in meinem Kinderzimmer gehört und mitgeschnitten habe. Ich hatte so einen flachen Radiorekorder. Da musste ich im richtigen Moment auf die zwei berühmten Tasten gleichzeitig drücken: auf Start und auf die rote Rec-Taste. Die hatte – ich sehe es vor mir – so eine graue Auslassung, von der ich bis heute nicht weiß, wozu sie da war. Und dann nahm die Kassette mein Hörspiel auf. Später arbeitete ich mit Zeitschaltuhren und Verwandten, die für mich Kassetten umdrehen mussten.

Frage: Als Kind ist man für die Stimmungen von Filmen oder Hörspielen ungeheuer empfänglich. Was war das Unheimlichste, das Sie gehört oder gesehen haben?

Antwort: „Die toten Augen von London“, ein früher Edgar-Wallace-Film aus dem Jahr 1961. Joachim Fuchsberger und Eddi Arent ermitteln. Hans Paetsch spielt mit und zum ersten Mal Klaus Kinski. Diesen Film habe ich irgendwann auf dem Dachboden geguckt. Das war so eine Mischung aus Speicher und Gästezimmer, in dem ein ausrangierter Fernseher stand. Der hatte noch diesen ovalen Bildschirm und war natürlich schwarz-weiß, was bei einem Schwarz-Weiß-Film ja egal war. Ich habe diesen Edgar Wallace in genau dem Medium gesehen, für das er gemacht war, und fand ihn ultragruselig. Bis heute bleibe ich beim Zappen hängen und spüre mich zurück in dieses Gefühl.

Frage: Sie haben eben schon „Die drei ???“ erwähnt. Mit welchem Fragezeichen haben Sie sich identifiziert?

Antwort: Bob Andrews, Recherche und Archiv. Justus, Peter und Bob sind alle drei meine Helden, da gibt’s überhaupt nichts zu sagen. Aber ich habe immer darauf geachtet: Wie geht’s Bob? Es gab genug Folgen, in denen er fast gar nicht auftaucht oder zum Stichwortgeber degradiert war. Da habe ich mich mental solidarisiert. Als er in späteren Folgen dann auch mal eigene Story-Bögen bekommen hat, habe ich mich gefreut.

Frage: Der Archivar Bob passt vielleicht auch deshalb gut zu Ihnen, weil Ihr eigenes Gehirn auch ein unglaubliches Funk- und Fernseharchiv ist.

Antwort: Vielen Dank, sehr freundlich, dass Sie das sagen. Ich merke mir wirklich komische Informationen über Filme und alte Hörspiele. Dafür scheitere ich oft bei sehr einfachen Fragen. Neulich war ich Rategast bei meiner Lieblingssendung „Der Quiz-Champion“ und habe mich mit so einer Melonenfrage blamiert. Es ging wohl um „Dirty Dancing“ – nie gesehen. Franziska von Almsick saß neben mir und hat mich berechtigterweise für meine Ahnungslosigkeit ausgelacht. Das ganze Publikum sagte: Das kann kein Experte sein, wenn der nicht mal die Melonenszene aus „Dirty Dancing“ kennt. Aber man könnte mir das dreimal erklären – sowas merke ich mir nicht. Ich habe die Antwort jetzt schon wieder vergessen.

Ähnliche Artikel