Osnabrück  Glatteis-Freitag versetzt Krankenhäuser in der Region Osnabrück in Ausnahmezustand

Sebastian Stricker
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Von Sebastian Stricker
| 02.02.2026 05:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Notaufnahmen am Limit: Das Glatteis am 23. Januar forderte viele Verletzte. Die Krankenhäuser in der Region – hier das Marienhospital Osnabrück – haben seitdem alle Hände voll zu tun. Foto: Jörn Martens
Notaufnahmen am Limit: Das Glatteis am 23. Januar forderte viele Verletzte. Die Krankenhäuser in der Region – hier das Marienhospital Osnabrück – haben seitdem alle Hände voll zu tun. Foto: Jörn Martens
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Rekordansturm in heimischen Kliniken nach dem Glatteis-Chaos vom 23. Januar: Allein das Marienhospital Osnabrück behandelte 251 Unfallopfer an einem Tag – fast doppelt so viele wie üblich. So ist die Lage in den Notaufnahmen der Region.

Der extreme Glatteistag vom 23. Januar hat die Kliniken in der Region an ihre Belastungsgrenzen gebracht. Besonders heftig traf es das Marienhospital Osnabrück (MHO): Mit 251 Behandlungen, davon 155 unfallchirurgischen Fällen, verzeichnete die Notaufnahme des Innenstadt-Krankenhauses ein rekordverdächtiges Patientenaufkommen.

„Es handelte sich um einen klassischen Massenanfall an Verletzten“, sagt Prof. Dr. Steffen Roßlenbroich, Leiter der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie. Das Notfallkonzept habe aber „sehr gut gegriffen“. In der Unfallchirurgie wurden die zahlreichen Sturzopfer triagiert – das heißt, ihre Verletzungen wurden nach Dringlichkeit behandelt.

Typisch waren laut Roßlenbroich Brüche an Handgelenken, Sprunggelenken und Schultern. Ein Zweijähriger musste wegen eines Oberschenkelbruchs operiert werden, ein Hundertjähriger wegen einer gefährlichen Blutung.

Am Samstag wurden im MHO knapp 200 Patienten behandelt, viele kamen erst verzögert. Am Sonntag normalisierte sich das Aufkommen mit 140 Behandlungen, doch bereits am Montag stieg die Zahl erneut auf knapp 190. In den Folgetagen blieb sie leicht erhöht.

Trotz Wartezeiten von bis zu fünf Stunden reagierten die Patienten gelassen. „Sie zeigten Verständnis, selbst wenn ihre geplanten OP-Termine verschoben werden mussten“, berichtet der Chefarzt. Und lobt das „Übermaß an Engagement“ in seiner Abteilung: „Am Glatteis-Freitag hat sie besonders starken Teamgeist gezeigt, alle haben mitgezogen.“

Auch die anderen Häuser des Osnabrücker Niels-Stensen-Klinikverbunds sind seit dem Extremwetter-Ereignis massiv gefordert: Im Franziskus-Hospital Harderberg in Georgsmarienhütte verdoppelte sich das Patientenaufkommen wegen zahlreicher Sturzopfer schlagartig. Bis in die Nacht wurde operiert, am Samstag ein zusätzlicher OP-Saal geschaffen.

Das Christliche Klinikum Melle verzeichnete am 23. Januar die 2,3-fache unfallchirurgische Fallzahl. Auch am 26. und 27. Januar war das Aufkommen noch deutlich erhöht. Im Marienhospital Ankum-Bersenbrück, wo Niels Stensen ein medizinisches Versorgungszentrum für Orthopädie, Chirurgie und Innere Medizin betreibt, wurden ebenfalls mehrere Unfallverletzte behandelt.

Was die Situation für alle Häuser des Klinikverbunds aktuell noch erschwert, erklärt Sprecherin Ute Laumann: „Unsere Krankenhäuser sind neben dem Regelbetrieb bereits durch zahlreiche Influenza-Erkrankte mit Atemstörungen stark ausgelastet.“ Hinzu komme ein erhöhter Krankenstand beim eigenen Personal.

Viele Beschäftigte seien aus dem Frei gekommen, hätten Urlaube unterbrochen oder verschoben, um die diensthabenden Teams zu unterstützen. „Dafür sind wir sehr dankbar.“

Und wie fällt die Bilanz in weiteren Krankenhäusern der Region aus? Das Klinikum Osnabrück behandelte am Glatteis-Freitag über 120 Notfälle. Ein Patient erlitt bei einem Verkehrsunfall lebensgefährliche Verletzungen. Über das Wochenende führte das Krankenhaus am Finkenhügel täglich mindestens sechs Operationen durch. In den vergangenen Tagen normalisierte sich die Lage mit rund 50 unfallchirurgischen Patienten täglich.

„Bei unerwartetem Glatteis kommt es erfahrungsgemäß zu einer deutlichen Zunahme von Sturzverletzungen“, erklärt Dr. Lukas Liesenfeld, Chefarzt der Notaufnahme. Das Krankenhaus habe den daraus resultierenden erhöhten Personal- und Materialbedarf aber frühzeitig erkannt und zusätzliche Kräfte aus anderen Funktionsbereichen eingesetzt.

Liesenfeld verweist auf eine „hervorragende interdisziplinäre Zusammenarbeit“ und das „hohe Engagement“ der Mitarbeitenden. Beides ermögliche es dem Klinikum Osnabrück, „auch unter extremen Bedingungen rund um die Uhr einsatzfähig zu bleiben“.

Abschließend nochmal ein Blick in den Nordkreis: Im Christlichen Krankenhaus Quakenbrück (CKQ) kamen am Glatteis-Freitag 94 Patienten in die Notaufnahme – fast doppelt so viele wie im Durchschnitt (52). „Die unfallchirurgische Abteilung war rappelvoll“, berichtet Chefarzt Dr. Cornelis Veraart. Auch in den Folgetagen blieb das Patientenaufkommen mit 51 bis 67 täglich erhöht. Fälle vom 23. Januar werden noch immer nach Priorität abgearbeitet.

„Wir machen momentan Überstunden“, so Veraart. Die Stimmung im Team sei trotzdem gut. Auch die Patienten zeigten sich verständnisvoll.

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