Osnabrück SPD nominiert Wirtschaftsexperten aus Vechta als Landratskandidaten im Kreis Osnabrück
Die SPD Osnabrück-Land setzt überraschend auf einen Kandidaten von außen: Alexander Bartz, früherer Bundestagsabgeordneter, SPD-Kreisvorsitzender in Vechta und Wirtschaftsexperte. Er will Tempo machen – vor allem bei Unternehmen und Verwaltung.
Die SPD im Landkreis Osnabrück schickt einen Kandidaten ins Rennen, der hier bislang kaum bekannt ist – und genau darin auch einen Vorteil sieht. Der 41-jährige Alexander Bartz, Betriebswirt, früherer Bundestagsabgeordneter und heute selbstständiger Unternehmensberater aus Vechta, wurde vom SPD-Kreisvorstand einstimmig als Landratskandidat nominiert. Am 20. März soll er auf der Wahlkreiskonferenz im Meller Forum von den Delegierten offiziell gewählt werden.
Bartz bringt keine gewachsene politische Rolle im Landkreis Osnabrück mit. „Es kann auch ein Vorteil sein, wenn jemand von außen kommt und Dinge objektiver bewertet“, sagte er unserer Redaktion nach der öffentlichen Kandidatenvorstellung am Freitag. Die SPD-Findungskommission habe ihn Anfang Dezember gezielt angesprochen. Für ihn sei die Kandidatur eine bewusste Entscheidung für eine neue politische Herausforderung – und für Verantwortung auf einer Ebene, auf der Politik direkter wirke als in Berlin.
Von 2021 bis 2025 saß Bartz für die SPD im Deutschen Bundestag. Als Mitglied des Wirtschaftsausschusses war er dort Berichterstatter für Einzelhandel, Großhandel sowie Ernährung und Landwirtschaft. Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag habe er sich neu orientiert, sagt Bartz, und arbeitet heute als selbstständiger Unternehmensberater.
Kommunalpolitisch ist er weiterhin fest verankert: Bartz lebt in Vechta, ist dort Kreisvorsitzender der SPD und Mitglied des Stadtrats. Geboren wurde er 1984 in Vechta, er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen im Alter von acht und elf Jahren. Die kommunale Ebene reize ihn besonders, sagt Bartz. Bundespolitik sei häufig abstrakt – vor Ort lasse sich Politik direkter gestalten und messen.
Diese Mischung aus Erfahrung und Gestaltungsanspruch hebt auch der SPD-Kreisvorsitzende im Osnabrücker Land, Werner Lager, hervor. In den vergangenen Wochen habe es demnach einen intensiven Austausch gegeben. Alexander Bartz stehe für eine Politik, „die zuhört, sorgfältig abwägt und dann entschlossen handelt“. Er sei sowohl auf kommunaler als auch auf Bundesebene erfahren und bringe ein „hervorragendes Netzwerk aus Politik, Wirtschaft und dem Verbandswesen“ mit. Vor allem aber kenne Bartz die Themen, verfüge über das nötige Fingerspitzengefühl und habe die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen, so Lager.
In den kommenden Wochen und Monaten möchte Alexander Bartz das Osnabrücker Land kennenlernen und mit Bürgern über Lösungen für die Herausforderungen der Region diskutieren. Dabei möchte er insbesondere sein wirtschaftspolitisches Profil einbringen. „Die große Wirtschaftspolitik wird auf Bundes- und EU-Ebene gemacht“, sagt er. Aber auf Kreisebene könne man sehr wohl aktive Wirtschaftspolitik im Kleinen betreiben. Für ihn heißt das vor allem, „bestehende Unternehmen stärker in den Blick zu nehmen.“ Ziel müsse es sein, die Betriebe vor Ort zu stärken: „Wir müssen alles daransetzen, Unternehmen im Landkreis zu halten.“
Bartz hat dabei bereits konkrete Ideen, wie er den Landkreis voranbringen will: „Ich halte regelmäßige Unternehmersprechstunden oder Unternehmertische für extrem wichtig“, sagt er. Verwaltung und Wirtschaft müssten häufiger und direkter ins Gespräch kommen. „Man muss aktiv auf Unternehmer zugehen und fragen: Was braucht ihr?“ Zudem plädiert er für einen abgestimmten, regional gedachten Gewerbeflächenplan. Einzelentscheidungen reichten nicht aus, wenn man wirtschaftliche Entwicklung strategisch steuern wolle. Auch die interkommunale Zusammenarbeit müsse deutlich gestärkt werden.
Als positives Beispiel nennt Bartz das interkommunale Gewerbegebiet in den Gemeinden Rieste im Landkreis Osnabrück und Neuenkirchen-Vörden im Landkreis Vechta. „Der Niedersachsenpark ist ein sehr gutes Beispiel, wie interkommunale Zusammenarbeit funktionieren kann“, sagt er. Entscheidend sei, dass Kommunen bereit seien, die eigenen Interessen zurückzustellen. „Er zeigt, was möglich ist, wenn Kommunen bereit sind, ihr Kirchturmdenken zurückzustellen.“ Dann, so Bartz, könne „echte wirtschaftliche Entwicklung gelingen“.
Ein weiteres zentrales Thema für Bartz ist der Fachkräftemangel. Der Landkreis müsse wieder stärker als attraktiver Arbeits- und Lebensort wahrgenommen werden. „Wir müssen viel mehr tun, um Fachkräfte anzuwerben“, sagt er. Dazu gehörten auch Rückholaktionen für Menschen, die früher in der Region gelebt haben.
Auch an die Kreisverwaltung richtet Bartz klare Erwartungen. Denkbar sei etwa eine Unternehmer-Hotline mit direktem Draht zur Verwaltungsspitze. „Unternehmen müssen wissen, an wen sie sich wenden können, wenn es Probleme gibt“, sagt er. Zudem müssten Genehmigungsverfahren, etwa in Bauämtern, für Unternehmen priorisiert und beschleunigt werden. Sein Fazit: „Das alles ist aktive Wirtschaftspolitik auf Kreisebene.“
Dass politische Mehrheiten nicht in Stein gemeißelt sind, leitet Bartz aus Erfahrungen in seiner Heimat ab. Vechta gilt – ähnlich wie der Landkreis Osnabrück – traditionell als klar CDU-geprägt, dennoch wurde dort 2019 mit Kristian Kater überraschend ein Sozialdemokrat zum Bürgermeister gewählt. Bartz war Teil des damaligen Wahlkampfteams und habe damit „dazu beigetragen, dass dieser Machtwechsel gelang“. Daraus leitet er die Überzeugung ab, dass sich auch in konservativen Hochburgen Mehrheiten verschieben lassen, wenn Strategie, Ansprache und Timing zusammenpassen.
Ein ähnlicher Umbruch hatte sich 2019 auch 60 Kilometer südlich von Vechta gezeigt: Im Landkreis Osnabrück wurde Anna Kebschull 2019 zur ersten grünen Landrätin gewählt und beendete damit 73 Jahre CDU-Vorherrschaft an der Spitze des Kreises. Für Bartz ist das ein Beleg dafür, dass politische Traditionen nicht zwangsläufig Wahlausgänge bestimmen. Entscheidend seien Inhalte, Glaubwürdigkeit – und ein professionell geführter Wahlkampf.