Osnabrück So soll das neue Quartier auf dem Magnum-Areal in Osnabrück genutzt werden
Ein urbanes Quartier, in dem Menschen im Erdgeschoss arbeiten und darüber wohnen können: Der Projektentwickler hat jetzt dem Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt, wie das Magnum-Gelände in Osnabrück genutzt werden soll.
Wie soll das brach liegende Magnum-Gelände in Osnabrück in einigen Jahren mal aussehen und vor allem wie genutzt werden? Darüber hat der Projektentwickler jetzt den Stadtentwicklungsausschuss informiert.
Städtebauliches Konzept – Wohnen und Arbeiten: Ziel ist ein dichtes und urbanes Quartier mit überwiegend vier bis sieben Geschossen. 800 bis 900 Wohnungen für 2000 Menschen sowie Büros, Produktion und mehr für 3000 weitere Menschen sollen auf Gelände des einstigen Stahlwerks entstehen.
Ein- und Zweifamilienhäuser werde es nicht geben, berichtete Martin Lepper von The Real Creators, dem beauftragten Projektentwickler aus Hamburg. „Nur Geschosswohnen“, beantwortete er die Frage von Susanne Hambürger dos Reis (SPD).
Wohnungen sind größtenteils im Norden des 15,2 Hektar großen Plangebiets vorgesehen. An der Südseite sollen Büro- und Gewerbegebäude den Bahnlärm abschirmen. Der Nordwesten mit der Skatehalle bekommt den Schwerpunkt Freizeit und Soziales.
Autoverkehr und Parken: Eine neue Straße von der Carl-Fischer- zur Franz-Lenz-Straße wird das Magnum-Areal in Norden und Süden teilen. Sie wird keine Wohnstraße, sondern soll einen beträchtlichen Teil des Verkehrs der Mindener Straße aufnehmen, um diese zu entlasten. Im Westen des Magnum-Arelas entsteht an der Ecke zur Franz-Lenz-Straße ein Kreisverkehr.
Das Quartier selbst soll, bis auf die Durchgangsstraße, autoarm sein. Für Bewohner und Beschäftigte wird es im Westen und Osten zwei Parkhäuser geben.
Doch auch bei diesen stellt sich die Frage: Wie können sie mindestens kostendeckend betrieben werden? Betreiben sollen sie die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG); diese habe bereits Bedenken durchblicken lassen, wie die Parkhäuser mit fast ausschließlich Langzeitparkern rentabel betrieben werden sollen, erklärte Lepper.
Bauzeit und -kosten: 15 bis 20 Jahre wird die Umsetzung des Projekts voraussichtlich dauern, aufgeteilt in fünf Bauabschnitte. Allein der erste Bauabschnitt werde vermutlich mit 200 Millionen Euro zu Buche schlagen, berichtete Lepper. Modulares Bauen soll die Kosten im Rahmen halten. „Ohne serielle Fertigung geht es nicht.“
Bevor jedoch mit dem Bauen begonnen werden kann, müssen Altlasten entfernt werden, womöglich Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Das werde etwa 18 Monate dauern, hatte Lepper dem Ausschuss im November vergangenen Jahres erklärt. Zusammen mit der Erschließung sei von zwei Jahren auszugehen.
Der erste Bauabschnitt: Mehr als 200.000 Quadratmeter Geschossfläche sind insgesamt geplant. Allein der erste Bauabschnitt im Westen umfasse den aktuellen Überlegungen zufolge 81.500 Quadratmeter. 24.400 Quadratmeter sind für das Wohnen vorgesehen, davon:
Wohnen ist aber nicht gleich Wohnen: Leppers Präsentation zeigte Familienwohnen, experimentelles, betriebliches und Gemeinschaftswohnen, Mikroapartmens, inklusives Wohnen, Senioren- und Studentenwohnen.
Büros, Handwerk und Produktion: 33.000 Quadratmeter erhält „nicht störendes“ Gewerbe. 4900 Quadratmeter gehen an ein Hotel. Die Skatehalle (1200 Quadratmeter) darf bleiben. 17.500 Quadratmeter wird das Mobilitätszentrum West umfassen.
Platz soll es auf dem gesamten Areal auch für unter anderem Events und Kultur, Kita, Bildung, Dienstleister und Gastronomie, Wissenschaft, Forschung und Start-Ups, Ateliers und Manufakturen geben. Im Erdgeschoss arbeiten oder einkaufen, darüber leben: Wohnen und Arbeiten wird dabei teilweise nicht getrennt.
Das Rückgrat des ganz neuen Quartiers soll die 215 Meter lange Halle 4 sein und bleiben – „da schlägt der Puls“, sagte Lepper. Die größte Werkshalle des ehemaligen Stahlwerks bleibt weitgehend erhalten und wird als „Identitätsstifter“ eingebunden. Durch sie soll die neue Straße führen.
Und was war sonst noch? Im 2023 gekürten Siegerentwurf war noch von einem über der Straße in der Halle 4 eingehängten Sportfeld die Rede gewesen. Im Ausschuss kam das in der Präsentation nicht zur Sprache. Die Realisierung dürfte aufgrund der zusätzlichen Kosten eher unwahrscheinlich sein.
Freiräume, Stadtklima, Entwässerung und Mobilität: In den nächste Sitzungen werden dem Ausschuss weitere Details vorgestellt.
2016 war die IAG Magnum, einst Klöckner, in die Insolvenz gerutscht – eine Tochtergesellschaft der Georgsmarienhütte-Gruppe. Das Magnum-Areal gehört der GMH Real Estate Bessemerstraße GmbH. Für die Umsetzung der Pläne sucht sie Investoren, „die die DNA dieses Quartiers selbst haben oder leben“, so Lepper abschließend.