Hambrug Trump lenkt den Nato-Blick auf die Arktis – hat die Bundeswehr genug warme Socken?
Eine Sache hat Donald Trumps Grönland-Posse erreicht: Die Bundeswehr und die Nato wollen sich mehr auf ihre Nordflanke in der Arktis konzentrieren. Doch sind die Soldaten überhaupt dafür ausgerüstet?
Der militärische Laie würde die Veränderung womöglich nicht sofort merken: Die Farbe im klassischen Marineblau, Deutschlandflagge als Emblem, „Marine“ in goldener Schrift auf die Kleidung gestickt.
Doch was die Besatzung der Fregatte „Baden-Württemberg“ jüngst präsentierte, soll so viel mehr sein als einfach nur ein paar neue Klamotten für die Marine. Als Erste haben die mehr als 100 Männer und Frauen auf dem noch recht jungen Kriegsschiff den neuen Bord-Gefechtsanzug bekommen. „Modern und funktional“, sei dieser, na klar. Doch ein anderes Attribut zeigt nicht nur, wie, sondern auch, wofür die Bundeswehr ihre Soldaten ausrüstete. „Für Einsätze in der subpolaren Klimazone“, sprich: eisige Kälte. Und genau die wird die Bundeswehr und insbesondere die Marine künftig wohl mehr aushalten müssen.
Die wenig charmanten Grönland-Avancen haben den Blick für die global so wichtige Arktis geschärft – die sogenannte Nato-Nordflanke. Deutschland zeigt sich bereit, sein Engagement im Polarmeer zu verstärken. Ein Indiz dafür sind nicht nur die 15 Soldaten, die in Grönland auf Erkundungstour gingen, sondern auch eine Mission des Marine-Versorgungsschiffs „Berlin“. Von August bis Dezember war die Marine bereits in der Arktis unterwegs, nahm an verschiedenen Übungen teil – und lernte auch die Wetterbedingungen kennen. Den neuen „modernen und funktionalen“ Anzug hatten die Soldaten noch nicht dabei. Schon während der Übung versprachen die Ausrüster der Truppe, dass das Bekleidungssystem der Marine modernisiert wird – und Temperaturen von bis zu 19 Minusgraden locker wegstecken kann.
Im Laufe des Jahres sollen alle Marinesoldaten die fesche Uniform erhalten. Doch ist die Uniform wirklich warm genug? Zumindest in den Wintermonaten kann es im Polarkreis sehr viel kälter werden, die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei minus 6 bis minus 12 Grad. Und bei der Truppe gilt ohnehin inoffiziell die Devise: „Der Soldat, dem zu kalt wird, ist selbst schuld“. Im Gegensatz zu Hitze könnte man gegen Kälte nämlich etwas durch eigene Bewegung tun.
Sollte es mal kälter werden, hätten die Marinesoldaten allerdings noch einen textilen Joker, wie das Beschaffungsamt der Bundeswehr erläutert. Denn alle Streitkräfte, ob zu Lande, zu Wasser oder zu Luft, seien ohnehin mit einem weiteren Kampfbekleidungssatz ausgestattet. Und das Kleidungsset soll laut Bundeswehr auch Temperaturen von bis zu 32 Minusgraden aushalten. Warm genug eingepackt sind die Soldaten auf einer arktischen Mission also. Und auch die Handfeuerwaffen, die in Erinnerung an das Sturmgewehr G36 ja nicht jede Temperatur unfallfrei überstehen, sollten für arktische Temperaturen gewappnet sein.
Handwaffen werden bei Temperaturen von bis zu minus 51 Grad getestet, so das Beschaffungsamt der Bundeswehr auf Anfrage. Und für die Mobilität soll die Bundeswehr ab diesem Jahr neue Überschneefahrzeuge bekommen. Der „Husky 3“ von der schwedischen Firma BAE Systems Hägglunds wurde zusammen mit Großbritannien und Schweden geordert. Insgesamt sollen bis 2030 exakt 367 Fahrzeuge an die Streitkräfte der Länder ausgeliefert werden.
Fehlen nur noch die Kampfanzüge im Schneetarnfleck, wie sie vor allem Deutschlands Gebirgsjäger tragen. Wer sich auf militärische Operationen in Grönland einstellt, sollte genug Tarnklamotten einpacken. Auch diesbezüglich sieht die Bundeswehr auf Anfrage kein Problem. Über das Projekt „FASER“ („Feld Ausstattung Soldat Erweiterte Reserve“) darf die Truppe in den kommenden Jahren für insgesamt 19 Milliarden Euro auf Shoppingtour gehen. An Geld für Kleidung und persönliche Ausrüstung soll es nicht mehr scheitern.
Wie viel Schneetarnfleck-Klamotten die Bundeswehr insgesamt hat, halten die Behörden jedoch ebenso geheim wie die Kosten für die neue Marine-Bordbekleidung. Und auf Nachfrage wird klar: Wirklich wärmer sind die neuen Marineuniformen auch nicht, sondern halten ähnliche Minustemperaturen aus wie die alten. Warum dann überhaupt die Änderung? Ein Sprecher des Beschaffungsamtes spricht von der „Umsetzung technischer Innovationen bezogen auf Schnittführung und Material“. Also am Ende doch vor allem „modern und funktional“.