Schwurgericht Blutiger Streit in Monteursunterkunft in Jemgum
Wegen versuchten Totschlags steht ein 28-jähriger Monteur in Aurich vor Gericht. Er soll im Streit in einer Monteursunterkunft in Jemgum auf einen Kollegen eingestochen haben.
Aurich/Jemgum - Hat ein 28-jähriger Monteur aus Jemgum im Streit auf einen Kollegen mit einem Messer eingestochen und ihn lebensbedrohlich verletzt? Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung sitzt der Mann auf der Anklagebank des Auricher Schwurgerichts. Beim Prozessauftakt am Dienstag, 27. Januar 2026, ließ er sich ausführlich zu dem Vorfall ein. Die Darstellung des Geschädigten ließ auf sich warten: Der Zeuge war nicht erschienen.
Oberstaatsanwältin Annette Hüfner trug in der Anklageschrift vor, am 24. August 2025 habe es zwischen 0.23 und 0.26 Uhr einen Streit im Zimmer des 47-jährigen Geschädigten gegeben. Der Angeklagte habe ihm mit einem Messer drei Stiche zugefügt. Einer davon habe im rechten Oberschenkel eine tiefe Beinvene verletzt. Der Geschädigte sei in einen hämorrhagischen Schock gefallen – ein lebensbedrohlicher Zustand durch massiven Blutverlust mit drohendem Multiorganversagen – und habe mehrere Tage auf einer Intensivstation im künstlichen Koma gelegen.
Angeklagter behauptet, im Schlaf überfallen worden zu sein
Der Angeklagte geriet nach eigenen Angaben am Tatabend mit jemandem aus der Monteursunterkunft in Streit. Der habe sich Verstärkung geholt. Nachdem er sich schlafen gelegt habe, seien zwei fremde Männer in sein Zimmer eingedrungen, das nicht abschließbar gewesen sei: „Ein Kleiner, den ich noch nie gesehen hatte, und ein Athletischer.“ Mit einem keulenförmigen Gegenstand habe ihn der Kleine viermal auf den Kopf und ins Gesicht geschlagen, sodass er stark geblutet habe – „ich bin davon wach geworden“. Gemeinsam mit seinem Mitbewohner habe er die Angreifer in den Flur gedrängt. Sie seien in ein Auto gestiegen und geflüchtet. Um das Kennzeichen festzustellen, sei er 500 Meter hinterhergelaufen.
Bei seiner Rückkehr habe er den Geschädigten um Hilfe rufen hören. Er habe sich zu ihm begeben. In einem Blumenbeet vor dessen Eingangsbereich habe er ein Messer gefunden und an sich genommen, um sicherzustellen, dass es nicht erneut in die Hände der Angreifer gelangt. „Ich sah den Geschädigten in einer riesigen Blutlache, das war sehr schwer für mich“, sagte er. Auf Nachfrage erklärte er, das Opfer habe an der Zarge der Eingangstür des Hauses gelehnt.
Der Angeklagte saß in seiner Heimat im Gefängnis
Diese Version trug der Angeklagte weitschweifig vor. Seine Schilderung ließ Fragezeichen zurück. So beteuerte er, seine nächtlichen Angreifer seien mit einem Auto weggefahren, in dem insgesamt vier Personen gesessen hätten. Kurze Zeit später will er den „Kleinen“, der ihn angegriffen habe, wieder vor dem Haus in der Nähe des Parkplatzes gesehen haben.
Die Vergangenheit des 28-Jährigen ist nicht makellos: In seiner rumänischen Heimat saß er wegen einer Angelegenheit im Jahr 2020, bei der seine Familie in Gefahr gewesen sei, vier Jahre und acht Monate im Gefängnis. Reguläres Haftende wäre im August 2025 gewesen. Er wurde vorzeitig entlassen. Nach Ostfriesland kam er über eine Bekannte seiner Mutter, die ihm Arbeit versprochen habe. Immer wieder beteuerte er: „Ich bin nicht hergekommen in der Absicht, jemanden umzubringen.“
In der Monteursunterkunft gab es Spannungen mit Kollegen
In der Monteursunterkunft habe es Spannungen mit den Kollegen ein Stockwerk tiefer gegeben, unterstrich er mehrfach. Seinen Angaben nach tranken sie Alkohol, nahmen Drogen, verübten Diebstähle und arbeiteten wenig. Deshalb seien sie schlechter bezahlt gewesen, was Neid geschürt habe. Er selbst habe eigentlich schon seit Längerem in seine Heimat zurückkehren wollen, aber eine Lohnzahlung habe noch ausgestanden.
Der Prozess wird am Donnerstag, 29. Januar 2026, um 9.30 Uhr in Saal 108 mit weiteren Zeugen fortgesetzt. Zwei Folgetermine sind am 10. (Saal 116) und 12. Februar 2026 (Saal 108) jeweils um 9 Uhr.