Madrid  Aufenthaltserlaubnis für Hunderttausende irreguläre Migranten – wieso Spanien das macht

Ralph Schulze
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Von Ralph Schulze
| 27.01.2026 15:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
ie meisten irregulären Migranten erreichen Spanien per Flugzeug aus Lateinamerika. Manche aber auch über das MIttelmeer per Boot. Foto: dpa/EUROPA PRESS/Antonio Sempere
ie meisten irregulären Migranten erreichen Spanien per Flugzeug aus Lateinamerika. Manche aber auch über das MIttelmeer per Boot. Foto: dpa/EUROPA PRESS/Antonio Sempere
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Spaniens linke Regierung will über 800.000 irregulär eingereisten Migranten eine Aufenthaltserlaubnis ausstellen. Die Entscheidung resultiert vor allem aus wirtschaftlichen Grünen. Die rechte Opposition kritisiert das Vorhaben scharf.

Während viele europäische Staaten ihre Migrationspolitik verschärfen, wählt Spanien einen gegensätzlichen Weg: Die Regierung des sozialdemokratischen Premiers Pedro Sánchez hat angekündigt, Hunderttausenden irregulär eingereisten Migranten einen regulären Aufenthaltsstatus zu ermöglichen. Es handelt sich um eine Reform per Erlass, die keine Zustimmung des Parlaments erfordert.

Per Erlass sollen all jene undokumentierten Einwanderer, die vor dem 31. Dezember 2025 im Land waren und einen Aufenthalt von mindestens fünf Monaten nachweisen können, Papiere und Arbeitserlaubnis erhalten – allerdings nur, sofern sie nicht vorbestraft sind. Laut Regierung betrifft die Regelung, die schon in Kürze in Kraft treten soll und nicht vom Parlament gebilligt werden muss, rund 500.000 Menschen, Schätzungen des spanischen Thinktanks Funcas sprechen sogar von bis zu 840.000.

Spaniens Wirtschaft hat eine große Anziehungskraft auf Zuwanderer – vor allem aus den spanischsprachigen Ländern Lateinamerikas. Die meisten irregulären Einwanderer stammen aus Kolumbien, Peru und Honduras, die per Flugzeug als Touristen einreisen und dann im Land bleiben. Hinzu kommen viele Venezolaner, die aber meist automatisch aus humanitären Gründen eine Aufenthaltserlaubnis erhalten.

Afrikanische Migranten, die vor allem per Boot übers Mittelmeer nach Südeuropa kommen, machen nur einen vergleichsweise kleinen Teil aus. Die Menschen ohne Aufenthaltspapiere arbeiten üblicherweise vor allem als Reinigungskräfte, auf Feldern oder Baustellen.

Ziel der Regierungsinitiative sei es, einer „bestehenden sozialen Wirklichkeit“ gerecht zu werden und den überwiegend auf dem Schwarzmarkt arbeitenden Menschen rechtlichen Schutz zu gewähren, erklärt die Regierung.

„Wir erkennen als spanische Regierung ihre Bürgerschaft an“, sagt Vizeregierungschefin Yolanda Díaz, deren Linkspartei Sumar als kleiner Koalitionspartner zusammen mit den Sozialdemokraten regiert.

Getragen wird der Regierungsplan von einer breiten zivilgesellschaftlichen Koalition, darunter Gewerkschaften, Hilfsorganisationen und auch die katholische Kirche. Die Grundlage bildet eine Volksinitiative mit über 700.000 Unterschriften.

Aus Sicht der Befürworter sprechen wirtschaftliche Gründe für den Schritt. Spaniens Zentralbank hob kürzlich hervor, dass Migration maßgeblich Spaniens Wirtschaftswachstum anschiebt. Das Land verzeichne nicht trotz, sondern wegen Zuwanderung ein Wachstum, das im Jahr 2025 auf 2,9 Prozent geschätzt wurde.

Auch Regierungschef Sánchez führt wirtschaftliche Argumente an: „In den vergangenen sieben Jahren haben wir zwei Millionen Migranten aufgenommen – und gleichzeitig die Arbeitslosigkeit um 40 Prozent gesenkt.“ Die traditionell eher hohe Arbeitslosigkeit in Spanien sank Anfang 2026 erstmals seit Langem auf unter zehn Prozent – die niedrigste Quote seit 18 Jahren.

Migration sei ein Motor für wirtschaftliches Wachstum, wenn sie geordnet verlaufe, sagte Sánchez der Agentur Bloomberg. Besonders deutlich werde dies in zentralen Branchen wie Bau, Landwirtschaft, Pflege oder Tourismus, in denen mittlerweile bis zu ein Drittel der Arbeitskräfte aus dem Ausland stamme. „Wir müssen anerkennen, dass wir Migration brauchen – und dafür müssen wir legale Wege schaffen“, betonte Sánchez.

Spaniens konservative Opposition lehnt die großflächige Verleihung von Aufenthaltserlaubnissen für irreguläre Migranten ab. Der Chef der Volkspartei, Alberto Núñez Feijóo, warf Sánchez vor, mit der „massiven Regularisierung“ einen „Sogeffekt“ auszulösen.

Der Boss der rechtsnationalen Partei Vox, Santiago Abascal, antwortete noch schärfer: Sánchez wolle „das spanische Volk durch Fremde ersetzen“ und fördere eine „Invasion“.

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