Osnabrück  Wie der Umstieg auf die Wärmepumpe gelingt: Drei Beispiele aus Osnabrück

Wilfried Hinrichs
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Von Wilfried Hinrichs
| 27.01.2026 16:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Energieerzeuger am Gartentor: Ulrike Sensse und Hanno Kottmeyer beheizen ihr Mehrfam ilienahus in der Wüste mit einer Wärmepumpe. Foto: Wilfried Hinrichs
Energieerzeuger am Gartentor: Ulrike Sensse und Hanno Kottmeyer beheizen ihr Mehrfam ilienahus in der Wüste mit einer Wärmepumpe. Foto: Wilfried Hinrichs
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Viele Hausbesitzer stehen vor der großen Heizungsfrage: Sollte ich auf Wärmepumpe umrüsten? Ist mein Haus überhaupt dafür geeignet? Bei einem Infotag in der Osnabrück-Halle im Februar können sich Eigentümer Rat holen. Wir haben schon mal drei Paare in Osnabrück besucht, die umgestellt haben.

Das Fördergeld? „Das war ganz einfach“, sagt Ulrike Sensse. „Nur zehn Minuten“ habe es gedauert, den Antrag online auszufüllen, und „innerhalb von 20 Sekunden hatten wir die Zusage“. Die Zusage über 17.000 Euro von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für den Einbau einer Wärmepumpe. Ulrike Sensses Botschaft: Die Umrüstung auf eine klimaschonende Heizung ist kein Hexenwerk.

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) der alten Ampelregierung treibt die Wärmewende voran. Die Stadt Osnabrück hat Ende 2025 die gesetzlich verlangte Wärmeplanung vorgelegt. Darin ist unter anderem dargelegt, welche Stadtquartiere für Fern- oder Nahwärmenetze geeignet sind und wo individuelle Lösungen – etwa mit Wärmepumpen oder Geothermie – sinnvoller sind.

Wärmenetze haben in Osnabrück keine Tradition. Sie aufzubauen, wäre nur mit einem enormen Aufwand möglich. Deshalb kommen die Macher der Wärmeplanung zu dem Ergebnis, dass nur 14 Prozent des Stadtgebietes für Wärmenetze infrage kommen. Das bedeutet umgekehrt: 86 Prozent der Hausbesitzer werden sich früher oder später mit dem Thema Wärmepumpe auseinandersetzen müssen.

Ulrike Sensse (62) und ihr Partner Hanno Kottmeyer (66) haben es getan. Sie besitzen ein Mehrfamilienhaus, Baujahr 1931, an der Rehmstraße in Osnabrück. Die beiden Obergeschosse mit jeweils etwa 90 Quadratmetern Wohnfläche sind vermietet. 2025 warf das Paar die Gasheizung raus und ließ eine Wärmepumpe installieren.

Neben dem Gartentor schnurrt die Wärmepumpe. Das Handy-Thermometer zeigt null Grad an. Es empfiehlt sich, nicht im eisigen Luftstrom des Ventilators stehen zu bleiben. „Wenn’s nicht so kalt wäre, könnte man am Zaun einen Gartenstuhl hinstellen und Beratung machen“, sagt Henner Kottmeyer. „Die Leute bleiben stehen und fragen uns aus.“

Sensse und Kottmeyer haben seit 2021 eine Photovoltaikanlage mit sieben Kilowatt Höchstleistung (kWpeak) auf dem Dach. Und sie fahren neuerdings ein Elektroauto. Als sie vor 20 Jahren einzogen, ließen sie das Haus sanieren. Die Dämmung ist auf dem Stand von damals, die Heizkörper sind es auch. Die Doppelverglasung stammt sogar noch aus den 1970er-Jahren. Dämmung und Fenster – das sind die Stellen, die sie im nächsten Schritt auf Stand bringen wollen.

Rund 43.000 Euro haben sie in die Wärmepumpe investiert, von der KfW gab es eine 40-prozentige Förderung, also 17.000 Euro. Sie wollen möglichst klimaneutral leben, das war ihr Hauptmotiv für die Umrüstung. „Wir wollen uns abkoppeln von der Weltlage, unabhängig sein“, sagt Ulrike Sensse.

Ob sich das auch finanziell auszahlt, wissen sie noch nicht. Die Daten reichen noch nicht, um Verbrauch und Kosten mit der früheren Gasheizung zu vergleichen.

Wolfgang Schaefer ist da anders unterwegs. Der Agraringenieur mit Schwerpunkt Messtechnik ist genau im Bilde, was die Wärmepumpe in seinem Haus, Baujahr 1995, an Leistung und Ersparnis bringt. Die Wärmepumpe ließen er und seine Frau im März 2024 installieren. Zuvor hatte eine Gasheizung die Wärme im Haus im Stadtteil Sonnenhügel erzeugt. Auf dem Dach produzieren seit 2016 Solaranlagen Strom und Warmwasser.

Die Energiekosten haben sich mehr als halbiert, wie aus Schaefers Zahlen hervorgeht. Früher verbrauchte das Paar etwa 15.000 kWh Gas und etwa 1500 kWh Strom im Jahr. Über den Daumen gerechnet hatte Schaefer jährliche Energiekosten von etwas mehr als 2000 Euro. Mit der Wärmepumpe, die mit PV-Anlage und Solarthermie gekoppelt ist, sind die Kosten für Heizen und Strom auf gut 1000 Euro jährlich gesunken.

30.000 Euro hat die Wärmepumpe gekostet, die staatliche Förderung betrug 40 Prozent, also 12.000 Euro. Den Förderantrag hat Schaefer digital beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gestellt. Das Antragsverfahren sei „einfach“ gewesen, so Schaefer. Einzig die Sammlung der technischen Daten der gewünschten Anlage sei mit etwas Aufwand verbunden gewesen.

Bei einem eigenen Invest von 17.000 Euro und einer jährlichen Ersparnis von 1000 Euro erreicht Schaefer, ganz grob gerechnet, nach 17 Jahren die Gewinnzone. Das Geld zu sparen, bereitet ihm ein gutes Gefühl, wie aus Schaefers Worten zu schließen ist. Aber viel wichtiger ist ihm und seiner Partnerin der Gewinn für die Umwelt. Es ist dasselbe Motiv wie bei Sensse und Kottmeyer: „Wir wollen das Klima schützen und uns von der Preisentwicklung abkoppeln“, so Schaefer.

Dorothea (68) und Henner Lesemann (71) sind von Bissendorf nach Osnabrück gezogen. Sie wollten sich verkleinern. Die Doppelhaushälfte an der Windthorststraße im Schinkel hatte beim Einzug 2023 eine Gasheizung, die das Paar ohnehin durch eine Wärmepumpe ersetzen wollte. Doch dann ging es ganz schnell: Die Gasheizung gab ihren Geist auf.

Das Paar machte die Erfahrung, dass die Handwerksbetriebe zu dem Zeitpunkt noch nicht auf die neue Technik eingestellt waren. „Für unseren Handwerker war es der erste Auftrag mit Wärmepumpe“, sagt Henner Lesemann. „Der hat bei uns gelernt.“

30.000 Euro waren veranschlagt – bei einer 30-prozentigen Förderung. Die Antragstellung beim Bundesamt Bafa empfanden die beiden als „sehr kompliziert“. Gut sei gewesen, dass sie erst bezahlen mussten, als die Fördersumme überwiesen war. Eine Vorfinanzierung war nicht nötig.

Eine PV-Anlage auf dem Dach mit 14 kW Höchstleistung liefert von März bis Oktober den Strom für Haus und Wärmepumpe. Der jährliche Stromverbrauch für Haushalt und Heizung liegt zwischen 6000 und 7000 kWh. Als Lesemanns das 33 Jahre alte Haus kauften, verfügte es über eine Fußbodenheizung. Das Paar empfiehlt, sich nicht auf die Aussagen eines einzigen Energieberaters zu verlassen, sondern immer auch eine zweite Meinung einzuholen.

Wolfgang Schaefer ist bei den „Scientists for Future“ aktiv. Die anderen beiden Paare gehören dem Verein „Osnabrück klimaneutral“ an, der regelmäßig Wärmepumpen-Partys veranstaltet. Das sind offene Info-Abende, an denen Hausbesitzer ihre Erfahrungen mit der klimafreundlichen Energietechnik schildern und Tipps geben.

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