Osnabrück Gute Nachricht vom Neumarkt Osnabrück: Johannis-Höfe sind „zu 80 Prozent“ vermietet
Kein Bauzaun, kein Abrissbagger, keine Bewegung auf dem Neumarkt in Osnabrück zu sehen. Doch der äußere Eindruck täuscht, wie Investor Alexander Lindhorst versichert. Die künftigen Johannis-Höfe sind schon weitgehend vermietet.
Osnabrück blickt nach mehreren schlechten Erfahrungen misstrauisch auf den Neumarkt. Große Versprechungen hat es gegeben, entsprechend groß waren die Enttäuschungen. Und nun ist der Bebauungsplan für das Riesenprojekt Johannis-Höfe schon ein halbes Jahr rechtskräftig und noch immer sind keine Fortschritte sichtbar. Wie ist der aktuelle Stand? Das haben wir Investor Alexander Lindhorst gefragt.
Seine Antwort: Die Vermietung der Johannis-Höfe ist weit fortgeschritten. „Für über 80 Prozent der Gesamtfläche haben wir verbindliche Absichtserklärungen“, sagte Lindhorst in einem Telefongespräch. Aktuell sei das Team dabei, die Absichtserklärungen in konkrete Mietverträge umzuwandeln. Dazu sei es nötig, die Grundrisse festzulegen. „Wir sind in den finalen Zügen der Mietergrundrisse“, so Lindhorst.
Zwischen Neumarkt, Johannisstraße und Großer Rosenstraße wird für eine dreistellige Millionensumme ein gemischtes Quartier entstehen mit Wohnungen, Pflegeeinrichtungen, Gastro und Einzelhandel. Der Investor geht davon aus, „in zwei bis drei Monaten“ den allergrößten Teil der Mietverträge unter Dach und Fach zu haben. Der nächste Schritt sei dann das Einreichen des Bauantrages.
Unterschrieben ist nach seinen Worten der Mietvertrag mit dem künftigen Betreiber des Pflegeheimes. Neu ist das Konzept „Wohnen mit Service“, das sich an die Zielgruppe 50plus richtet. Angeboten werden Wohnungen mit bis zu 140 Quadratmetern, die von einem externen Dienstleister gereinigt und gepflegt werden.
Abgeschlossen sind den Angaben zufolge auch die Verhandlungen mit den Ankermietern im Erdgeschoss: Auf rund 1200 Quadratmetern wird ein Lebensmitteleinzelhändler einziehen, daneben wird eine Drogerie eröffnen. Namen will Lindhorst noch nicht nennen.
Noch nicht vermietet ist dagegen die prominenteste Ecke der Johannis-Höfe: die Spitze zum Neumarkt/Ecke Johannisstraße. Dort ist im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss eine Gastronomie vorgesehen. Lindhorst sagt, das Vermarktungsteam sei bislang nicht gezielt auf Mietersuche gegangen. „Aber vielleicht meldet sich ja ein Interessent, wenn er Ihren Artikel liest.“
Lindhorst strebt eine „qualitativ höherwertige Gastronomie“ an. Nicht „irgendeinen“ Betreiber, aber auch „keine Sterneküche“, wie er sagt. Es soll nach seinen Vorstellungen ein Konzept sein, das zu dieser exponierten Stelle passt.
Am Rande sei vermerkt: Die Hotelbranche hat Osnabrück weiterhin im Blick. Lindhorst sagt, er sei von mehreren Hotelbetreibern angesprochen worden, die Interesse an Flächen in den Johannis-Höfen hatten. Und das, obwohl im „Zauberwürfel“ auf der anderen Straßenseite noch in diesem Jahr ein Hotel in Betrieb gehen soll und in der Johannisstraße zwei weitere Beherbergungsbetriebe gerade eröffnet haben.
Am 1. Juli 2025 hat der Stadtrat die planerische Basis für das Millionenprojekt gelegt. Der alte Bebauungsplan (Nr. 600), der den Bau eines Einkaufszentrums vorsah, wurde gelöscht und durch einen neuen (Nr. 651 „Südlich Neumarkt“) ersetzt. Zugleich billigte der Rat den Durchführungsvertrag mit dem Investor.
Der Durchführungsvertrag macht dem Investor Zeitvorgaben. Spätestens 18 Monate nach Rechtskraft des Bebauungsplans (11. Juli 2025) muss Lindhorst einen Bauantrag vorlegen. Maximal fünf Jahre später muss das Projekt fertiggestellt sein. Der Vertrag sieht Schlupflöcher für den Fall vor, dass externe Faktoren wie Krieg, Pandemie oder eine Finanzkrise Wirtschaft und Gesellschaft erschüttern.
Lindhorst lässt im Telefonat keinen Zweifel daran, den Zeitplan einhalten zu wollen. Einige Teile auf dem 1,7 Hektar großen Baufeld werden nicht abgerissen, sondern saniert. Diese Sanierungsarbeiten könnten möglicherweise „im zweiten Halbjahr“ 2026 beginnen.
Der Investor peilt nach eigenen Worten an, dass „Ende des Jahres“ – also Ende 2026 – mit dem Abriss der Schrottimmobilien begonnen werden kann.
Ende 2026 – damit hinken die Johannis-Höfe den ursprünglichen Plänen um drei Jahre hinterher. Als Lindhorst im Dezember 2020 den Kaufvertrag mit dem Centerentwickler Unibail-Rodamco-Westfield unterschrieb, war der Optimismus groß, 2023 mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Doch Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Inflation, Zinsexplosion, Baukrise und Homeoffice-Welle haben eine Neukonzeption und Neukalkulation des Riesenprojektes nötig gemacht. Das hat Zeit gekostet.