„Quizshow-Junkie“  Großefehntjerin spielt mit Günther Jauch um drei Millionen

Pia Pentzlin
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Von Pia Pentzlin
| 29.01.2026 14:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 8 Minuten
Statistiken, das Autobahn-Netz, Länderkarten – all das hat die Großefehntjerin genau studiert. Foto: Klaus Ortgies
Statistiken, das Autobahn-Netz, Länderkarten – all das hat die Großefehntjerin genau studiert. Foto: Klaus Ortgies
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Es hat mehrere Jahre gedauert, bis Ellen Zarghami es zu RTLs bekanntester Quizshow geschafft hat. Im Gespräch mit der Redaktion gibt sie Einblicke, wie sie sich vorbereitet hat.

Ostfriesland/ Großefehn - „Welchem Mittelfeldspieler ist das Kunststück gelungen, Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga zu werden?“ Diese Frage stellte RTL-Moderator Günther Jauch der 70-jährigen Ellen Zarghami aus Großefehn. Die vier Antwortmöglichkeiten lauteten: Mario Basler, Andreas Möller, Michael Ballack oder Thomas Häßler. Ungünstige Situation. Denn: „Mit Fußball kenne ich mich überhaupt nicht aus“, so die Großefehntjerin. Also musste ein Telefonjoker weiterhelfen. Am anderen Ende des Hörers war ihr Freund Victor Heinisch zu hören, gerade einmal 39 Jahre ist er alt. Im Gegensatz zu Zarghami kannte er die Antwort „aus dem Effeff“. Mit keiner Sekunde Bedenkzeit schoss die Antwort aus dem „Joker“ heraus. „Mario Basler, 100 Prozent, damals mit Heiko Herrlich, 1995“, so Heinisch. Ihr Joker habe noch vor Ablauf der Zeit das Telefonat beendet, erinnert sich Zarghami. „Und das Publikum hat gejubelt.“

Die Großefehntjerin überlegte nicht lang und loggte „Mario Basler“ ein. Die richtige Antwort. Günther Jauch konnte das kaum fassen. „Das kann nicht sein. Das gibt’s nicht. Das ist ja 30 Jahre her“, so der Moderator. Heißt: Der Telefonjoker war damals erst neun Jahre alt. Der Tipp des Jokers war dennoch richtig – Zarghami hatte die 100.000 Euro sicher. Kurze Zeit später endete auch schon ihr Auftritt bei der „3-Millionen-Euro-Woche“ von „Wer wird Millionär?“. Aber der Reihe nach.

„Hätte mich nicht mehr in der Schule blicken lassen können“

„Ich bin ein Quizshow-Junkie und ,Wer wird Millionär?‘-Ultra“, sagt Zarghami mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Sie liebe alle Quizshows, die es gibt. „Gefragt – Gejagt, Wer weiß denn sowas?, Quizduell – alle, die es so gibt“, so die 70-Jährige. Trotzdem hat es eine Weile gedauert, bis sie selbst als Teilnehmerin an so einer Show teilgenommen hat. „Meine Kinder wollten immer, dass ich mich bewerbe, aber ich wollte auf meine Pensionierung warten“, sagt Zarghami. Sie war Oberstudienrätin an der KGS, ihre Fächer: Deutsch und Englisch. „Wenn dann eine Frage zu Rechtschreibung oder Grammatik kommt und ich die nicht beantworten kann, hätte ich mich blamiert und hätte mich nicht mehr in der Schule blicken lassen können“, sagt Zarghami und lacht. Mittlerweile ist sie seit dreieinhalb Jahren in Pension. Auch wenn die 70-Jährige noch an der KGS und an der VHS Deutsch unterrichtet, vor allem für Migranten, ist sie dennoch den Schritt zur Bewerbung gegangen.

Ein Schritt, der Mut gekostet hat. „Man setzt sich ja der Gefahr aus, sich zu blamieren“, sagt die Großefehntjerin. Unter Zeitdruck, von Kameras umringt, gegenüber von Günther Jauch Fragen zu beantworten – das könne auch nach hinten losgehen. „Man sollte da nicht leichtfertig rangehen. Man muss wissen, was man aufs Spiel setzt“, sagt Zarghami.

Günther Jauch ist seit 1999 Moderator der Quizshow und war ganz begeistert von Teilnehmerin Ellen Zarghami. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Günther Jauch ist seit 1999 Moderator der Quizshow und war ganz begeistert von Teilnehmerin Ellen Zarghami. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

„Das war der schönste Moment für mich“

Es war aber nicht das erste Mal, dass die Großefehntjerin bei Günther Jauch in Köln gewesen ist. Schon vor dreieinhalb Jahren hat die pensionierte Lehrerin ihr Glück versucht. Vergeblich. „Im September oder Oktober 2025 habe ich dann einen Anruf bekommen, ob ich als Lehrerin bei der ‚3-Millionen-Euro-Woche‘ teilnehmen möchte“, blickt Zarghami zurück. Für sie die Möglichkeit, es endlich auf den Stuhl gegenüber von Günther Jauch zu schaffen. Dafür musste die 70-Jährige aber erst einmal die Auswahlfrage richtig beantworten. Als erste von mehreren Kandidaten. Es ist also Schnelligkeit gefragt. „Ich hatte also die Befürchtung, dass ich wieder nicht auf den Stuhl komme. Es sei denn, es ist eine Frage, die ich als einzige Person beantworten kann“, so Zarghami.

„Genau das war der schönste Moment für mich. Dass ich es geschafft habe. Nicht die 100.000 Euro“, sagt Zarghami. Es sei der elfte Versuch gewesen, mit Moderator Günther Jauch um Geld zu spielen. „Sechs vor drei Jahren und das war der fünfte Versuch. Nach elf Mal war ich erst die schnellste Person“, so die 70-Jährige. Als dann ihr Name aufleuchtete, sei eine große Anspannung von ihr abgefallen. „Mir sind die Tränen gekommen, da musste ich mich erst mal beruhigen“, erinnert sich Zarghami.

Wer ist „Haftbefehl“?

Wochenlang hat sich die pensionierte Lehrerin in akribischer Feinstarbeit vorbereitet. Mit Apps, mit Büchern zu Quizshows. „Ich habe Statistiken gelesen, mir das Autobahn-Netz angesehen, Sprachen in der EU, Fernsehsendungen, ich habe mir Stadt- und Länderkarten angeschaut“, sagt Zarghami. Ihre Tochter hat ihr den Tipp gegeben, sich anzusehen, wer „Haftbefehl“ ist. „Weil er wegen der Netflix-Doku gerade in ist“, sagt Zarghami. Also habe sie sich eingelesen und weiß nun, wer Haftbefehl ist – ein deutscher Rapper. Sie habe sich außerdem die Teilnehmer-Listen der Comedy-Show „LOL“ angesehen. Ein riesiger Stapel Papier sei das gewesen. Eine Frage, auf die sich Zarghami auch vorbereitet hat: „Welche ist die älteste Autobahn Deutschlands?“

Wer ist eigentlich "Haftbefehl"? Diese Frage stellte sich Ellen Zarghami aus Großefehn. Foto: Hannes P. Albert/dpa
Wer ist eigentlich "Haftbefehl"? Diese Frage stellte sich Ellen Zarghami aus Großefehn. Foto: Hannes P. Albert/dpa

Na, wissen Sie es?!

Die Auflösung: „Das ist die 555 von Köln nach Bonn, die wurde von Konrad Adenauer gebaut“, so die Quizshow-Teilnehmerin. Das weiß sie so genau, weil sie das extra vor der Sendung nachgeschaut hat. „Aber die Frage kam erst in einer späteren Folge, ich wurde das leider nicht gefragt. Aber ich hätte das ganz sicher gewusst“, sagt Zarghami und ist ganz aufgeregt, gestikuliert wild mit ihren Armen. „Nicht eine Frage, auf die ich mich vorbereitet habe, ist gestellt worden. Nicht eine.“ Das, was sie gewusst hat, wer die Filmmusik von „Das Boot“ komponiert hat oder der Name der ehemaligen thailändischen Königin, seien Dinge, die sie schon vor ihrer Vorbereitung gewusst hat.

Quizshows haben nichts mit Bildung zu tun

„Es ist nicht vorhersehbar, was man gefragt wird“, sagt Zarghami. So gebe es bei „Wer wird Millionär?“ Professoren, die manch einfache Frage nicht beantworten können, während ein Handwerker sie beantworten kann. „Es ist das Beste, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen“, so die 70-Jährige. Für sie haben Quizshows nämlich rein gar nichts mit Bildung zu tun. „Da kommen ganz wenige Bildungsfragen“, sagt der „Quizshow-Junkie“. Sie selbst ist letztendlich an einer Frage zur Chemie gescheitert.

„Am Ende ist es wie pokern. Es kommt nicht nur darauf an, was man für ein Blatt bekommt, sondern auch, wie man das Blatt spielt“, sagt Zarghami. Man brauche aber auch das Gefühl, dass alles gut werden wird. Auch wenn man mal eine Frage nicht sicher beantworten kann. Das ist bei Zarghami der Fall gewesen. „Ich hatte ein richtig gutes Gefühl“, sagt sie.

Image der Ostfriesen wurde poliert

Es gibt aber noch eine weitere Sache, die der 70-Jährigen in der Vorbereitung geholfen hat. Zwar nicht auf der Wissensebene – aber auf menschlicher Ebene. Um das Vertrauen in sich selbst zu stärken. „Der Gaudeamus-Chor in Großefehn. Wir singen seit 20 Jahren zusammen. Dieser Chor ist wichtig für mich“, sagt Zarghami. Sie legt großen Wert darauf, das gegenüber der Redaktion zu erwähnen. Denn als Günther Jauch ihr die Frage stellte, wie sie fit bleibe und sich vorbereitet habe, hat sie ihren Chor total vergessen. Obwohl dieser einen ganz besonderen Platz in ihrem Leben hat. Kein Wunder also, dass ihr unter den Chor-Teilnehmern jede Menge Glückwünsche entgegengebracht werden.

Aber auch außerhalb des Chors bekommt Zarghami nette Worte zu hören. In Großefehn gratulieren ihr Menschen, die sie kennt – und die sie nicht kennt. „Sie haben Ostfriesland und Großefehn gut vertreten“, zitiert die 70-Jährige unter anderem eine Person. Zarghami freut sich, dass sie zu hören bekommt, dass sie das Image der wortkargen und grummeligen Ostfriesen mal etwas poliert hätte. „Dabei habe ich ja nur Smalltalk gehalten. War das so besonders?“, fragt die Großefehntjerin und muss lachen. Sie sagt gegenüber der Redaktion aber, dass sie das Gefühl hat, dass die Menschen die lieben Worte auch wirklich alle so meinen. „Das ist ein sehr schönes Gefühl.“

Wochenlang hat sich Ellen Zarghami auf ihren Auftritt in der Quizshow vorbereitet. Foto: Klaus Ortgies
Wochenlang hat sich Ellen Zarghami auf ihren Auftritt in der Quizshow vorbereitet. Foto: Klaus Ortgies

Geld wurde noch nicht ausgegeben

Diese Lässigkeit, mit der die Großefehntjerin bei RTLs bekanntester Quizshow aufgetreten ist, hat auch einen Grund. „Ich habe die Kameras zu keinem Zeitpunkt wahrgenommen. Und das Publikum war sehr wohlwollend. Ich habe einfach ausgeblendet, dass mir so viele Menschen zuschauen“, sagt die 70-Jährige. Sie habe einfach nur daran gedacht, sich mit Jauch zu unterhalten und ihm ein paar Fragen zu beantworten. „Weiter nichts“, sagt Zarghami. Sie habe lange auf den Auftritt gewartet und wollte diesen dann einfach durchziehen.

Aufgezeichnet wurde das Finale der „3-Millionen-Euro-Woche“, das am 10. Januar 2026 ausgestrahlt wurde, bereits im November letzten Jahres. Das heißt auch, dass die Großefehntjerin ihren Gewinn von 100.000 Euro schon etwas länger in der Tasche hat. Was sie damit wohl so vorhat? Zarghami gibt sich bescheiden. „Ich habe davon noch nichts ausgegeben. Ich werde das erst einmal liegen lassen und mich fragen, was ich damit machen möchte“, sagt sie.

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