Hamburg  „Unangenehm und pöbelig“: Gastronomen beklagen immer respektlosere Gäste

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Von MOPO
| 27.01.2026 10:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wenn einem das Essen nicht gefällt, kann man das natürlich anmerken – sollte dabei jedoch auf die gute Kinderstube achten. Foto: Imago/Ingimage
Wenn einem das Essen nicht gefällt, kann man das natürlich anmerken – sollte dabei jedoch auf die gute Kinderstube achten. Foto: Imago/Ingimage
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Die Gastro-Branche hat es nicht leicht: weniger Umsatz und auch die Kunden würden immer despektierlicher, führten sich wie Könige auf und zeigten keinen Respekt. Worüber die Restaurantinhaber klagen.

Pöbeleien, Hundekot vor der Tür, benutzte Taschentücher auf dem Teller: Hamburger Gastronomen beklagen respektloses Verhalten von Gästen. Es sei „so schwierig wie nie!“, man sei „ratlos und traurig“. Sie haben ihre schlimmsten Erlebnisse geschildert. Was die möglichen Gründe sind und was eine Knigge-Expertin dazu sagt.

„Wir empfinden den Umgang mit uns häufig als verletzend und abwertend.“ Mit diesen Worten macht eine Gastronomin aus Hamburgs Norden ihrem Ärger Luft.

Sie beschreibt auf Social Media „ungute Vorkommnisse“, die sich häufen: „Volle Hundetüten, Müll und Zigarettenkippen, die bei uns vor dem Café deponiert werden, Diebstahl von Trinkgeld, Kerzen, Blumenkränzen und anderen Dingen.“ Auch stark erkältete Gäste, die ins Café kommen, sie anhusten und benutzte Taschentücher auf den Tellern hinterlassen, machen sie fassungslos.

Auf Nachfrage möchte die Inhaberin sich nicht öffentlich äußern, löscht auch ihren Post wieder – aus Sorge vor schlechten Bewertungen. Dafür sprechen andere Gastronomen: „Ja, eine gewisse Respektlosigkeit macht sich breit“, bestätigt Jens Stacklies (64), Hamburgs Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Er betreibt selbst drei Restaurants.

„Die Ansprache ist bei einigen Gästen unangenehm, despektierlich und pöbelig. Wir müssen uns ab und zu vor unsere Mitarbeiter stellen“, so Stacklies. Der Gast wolle „eigentlich immer alles haben und sofort.“ Einige würden nicht mal „Guten Tag“ sagen, sondern direkt nach ihrem reservierten Tisch verlangen. Jens Stacklies: „Meine Generation hätte sich so was nie erlaubt. Wir arbeiten zwar in der Dienstleistung, sind aber keine Diener.“

Auch Stacklies kennt leere Flaschen und weggeschnipste Kippen vor der Tür. Er erzählt von Hundehaltern, die ihre Vierbeiner das große Geschäft in den Restaurant-Garten machen oder sie auf Sessel springen lassen. Als ein Sechsjähriger eine 380-Euro-Lampe herunterriss, habe er den Vater auf seine Haftpflichtversicherung angesprochen. „Doch der sagte nur: Ich bin Anwalt, das ist Ihr Risiko“, sagt Jens Stacklies.

Gastronom Kemal Üres berät Kollegen in seiner „Gastro Business School“, ist auch als Hamburgs „Gastroflüsterer“ bekannt. Er höre von vielen Inhabern, „dass der Umgang mit Gästen aktuell so schwierig ist wie noch nie“. Der Experte sucht nach Erklärungen: „Ein möglicher Grund dafür liegt in der wirtschaftlichen Krise. Viele Menschen stehen selbst unter finanziellem Druck – und dieser Druck entlädt sich besonders dort, wo Ausgaben unmittelbar spürbar sind: beim Einkaufen oder in der Gastronomie“, sagt Üres.

„Viele Menschen können sich Restaurantbesuche schlicht nicht mehr so oft leisten. Wenn sie es dann doch tun, muss alles absolut perfekt sein. Fehler dürfen nicht passieren. Die Haltung lautet dann sinngemäß: ‚Ich zahle hier, damit du deinen Laden betreiben kannst – also habe ich Anspruch auf alles.‘“

Zudem sei durch die gestiegenen Preise der Eindruck entstanden, Gastronomen würden sich die Taschen vollmachen. „Kleinste Unstimmigkeiten werden dann überbewertet, Erwartungen steigen ins Unermessliche“, so Kemal Üres. Dabei sehe die Realität anders aus: „Am Ende bleibt dem Gastronomen häufig weniger als früher – nicht mehr.“

Dieser Artikel erschien zuerst bei der „Hamburger Morgenpost“

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