Osnabrück „Scharfschießen, Militarisierung“: Streit um „Anlieger frei“ in Osnabrücker Fahrradstraßen
Einige Fahrradstraßen in Osnabrück werden zu „Anlieger frei“-Straßen. Im Stadtentwicklungsausschuss gab es dazu Bedenken in zwei Richtungen: Das reiche nicht aus oder gehe zu weit. Für Sutthausen kommt es wohl anders als geplant.
Einige Fahrradstraßen in Osnabrück sollen zu „Anlieger frei“-Straßen werden, um den motorisierten Durchgangsverkehr herauszuhalten. Im Stadtentwicklungsausschuss hat es jetzt Streit über die Ankündigung der Stadtverwaltung gegeben.
Bislang sind fast alle Fahrradstraßen in Osnabrück frei für Autos, auch wenn deren Fahrer kein Anliegen haben. „Anlieger frei“-Schilder sollen Radfahrern mehr Raum und Sicherheit geben.
Den Aufschlag machte Volkmar Seliger von den Grünen. Die Erreichbarkeit sei ein wichtiger Punkt; als Bypass dürften Fahrradstraßen aber nicht herhalten. Da Schilder womöglich längst nicht alle Autofahrer ohne Anliegen abhalten dürften, schlug er Modalfilter vor. Sie würden Schleichwege unterbinden.
Was er damit meinte: beispielsweise Diagonalsperren. Bei solchen können Radfahrer an einer Stelle geradeaus durch die Poller fahren, wohingegen die Straße für Autos abknickt. An Ecke Schloß- und Wüstenstraße gibt es eine solche Diagonalsperre. Zudem warf Seliger die Frage auf, wie sich „Anlieger frei“ wirklich durchsetzen und kontrollieren ließe.
Seiner Erfahrung nach halte sich ein Großteil der Autofahrer an die „Anlieger frei“-Schilder, sagte Stadtbaurat Thimo Weitemeier. „Ich glaube, das bringt etwas.“
Es werde aber immer Menschen geben, die die Schilder ignorieren werden. Die zu sanktionieren, sei nicht so einfach. Schließlich könne nicht immer und überall kontrolliert werden.
Poller, Strafen: Für Oliver Hasskamp (FDP) ging die Diskussion zu weit. Sichtlich aufgebracht warf er den Grünen ein „Scharfschießen“ und eine „Militarisierung“ vor. „Jeder weiß, dass ich ein Befürworter von Fahrradstraßen bin“, sagte er. „Eine Fahrradstraße lebt aber von der Akzeptanz der Anwohner.“ Ohne diese könnten weitere nicht folgen.
Kritik gab es auch von Annette Meyer zu Strohen (CDU). Sie habe Rückmeldungen zu den geplanten „Anlieger frei“-Straßen erhalten. Da sei von kilometerlangen Umwegen die Rede, halbe Stadtteile würde abgehängt. Sofern das in dieser Schärfe stimme, sehe sie das Vorhaben kritisch.
Heiko Panzer (SPD) entgegnete, es sei mitnichten der Fall, dass Stadtteile abgehängt würden. Er schlug vor, durch andere Maßnahmen, Abbiegevorgänge auf Fahrradstraßen zu verringern und sie dadurch sicherer zu machen. Auch Einbahnstraßen brachte er in Spiel. „Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen“, sagte er. Sicher müssten Fahrradstraßen dennoch sein.
Für Kopfschütteln bei einigen Ratsmitgliedern sorgte noch Sven Liekam (CDU). Er warf die Frage auf, warum Radfahrer auf der Lotter Straßen fahren dürften, wenn es doch mit der parallel verlaufenden Katharinenstraße eine „wunderbare Fahrradstraße“ gebe.
Eine Antwort rief ihm Anne Kura (Grüne) entgegen: Auch Radfahrer wohnen an der Lotter Straße.
Letztlich warb Liekam für mehr gegenseitige Akzeptanz auf den Straßen und nannte Fahrradstraßen „eine gute Sache“.
Henry Gehrs von den Linken warf noch die Frage auf, warum nicht alle Fahrradstraßen zu „Anlieger frei“-Straßen würden. Das sei noch denkbar, aber es müsse sichergestellt sein, dass es nicht zu erheblichen Verkehrsverlagerungen in andere kleine Straßen komme, erläuterte die Verwaltung.
Und damit kommen wir nach Sutthausen: Auch für die Fahrradstraßen Zum Forsthaus/Zum Töfatt/Egon-Romberg-Weg kündigte die Stadt an, sie zu „Anlieger frei“-Straßen zu machen. Susanne Hambürger dos Reis (SPD) führte Beschwerden aus dem Stadtteil an, wonach befürchtet wird, dass sich der Verkehr auf andere Straßen verlagern werde, insbesondere auf die Adolf-Staperfeld-Straße.
„Die Hinweise sind berechtigt“, sagte Stadtbaurat Weitemeier. „Da haben wir eine falsche Einschätzung getroffen, da werden wir das nicht umsetzen, da sind wir über das Ziel hinausgeschossen.“
Der Radentscheid moniert, Schilder würden nicht ausreichen. Der Schleichverkehr werde dadurch nicht aufgehalten.
Hinweis: Heiko Panzer wurde mit Pollern als mögliche Lösung gegen den Durchgangsverkehr zitiert. Wie er unserer Redaktion mitteilte, sei das nicht korrekt. Wir haben die Stelle entsprechend korrigiert.