Osnabrück Helga Duwendag-Strecker fotografiert das Leben am Rande der Gesellschaft
Seit vielen Jahren fotografiert Helga Duwendag-Strecker ehrenamtlich für das Osnabrücker Straßenmagazin „abseits“. Mit ihren Bildern zeigt sie das Leben von Menschen am Rande der Gesellschaft und findet in ihrem Engagement selbst Halt und Normalität.
Helga Duwendag-Strecker engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für das Osnabrücker Straßenmagazin abseits, das von wohnungslosen Menschen verkauft wird und ihnen mit persönlichen Geschichten und Erfahrungen eine Stimme gibt. Als Fotografin sorgt Duwendag-Strecker für die Bebilderung der Artikel. Besonders gerne übernimmt sie den Auftrag für das Titelbild – so wie zuletzt für die Dezemberausgabe.
„Mein Ehrenamt hat ein bisschen mit meiner beruflichen Karriere zu tun“, erzählt sie. Während ihrer Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin kam sie mit klinischer Fotografie in Berührung und dokumentierte Krankheitsveränderungen am Körper. Um einen Ausgleich zu der teils sehr belastenden Arbeit zu finden, wandte sie sich in ihrer Freizeit verstärkt der kreativen Fotografie zu.
Mit Eintritt in den Ruhestand hatte sie dann Zeit, sich diesem Hobby intensiver zu widmen. Gleichzeitig wuchs der Wunsch, sich ehrenamtlich zu engagieren.
Der entscheidende Impuls „kam wie ein Blitz“, erzählt sie. In der Großen Straße fiel ihr ein Verkäufer des Straßenmagazins abseits auf und das Titelbild weckte sofort ihre Neugier. Also nahm sie Kontakt zu Thomas Kater auf, der das Magazin vor rund 30 Jahren ins Leben gerufen hat.
Sein Engagement und die Art, wie er die Redaktion zusammenhält, haben sie von Anfang an beeindruckt und sind ein wichtiger Grund, warum sie sich dem Magazin bis heute verbunden fühlt, sagt sie.
Kurz nach dem ersten Telefonat nahm sie an ihrer ersten Redaktionssitzung teil. Seitdem gehört sie fest zum Team und fehlt bei den wöchentlichen Treffen nur selten. Auch wenn eine digitale Teilnahme mittlerweile möglich ist, nimmt sie am liebsten persönlich an den Sitzungen teil. „Der direkte menschliche Kontakt ist mir wichtig“, sagt sie. Das hilft ihr auch dabei, die Gefühle später in ihren Bildern besser einzufangen.
Ihre Fotos entstehen auf unterschiedliche Weise. Manchmal begleitet sie die Interviews mit den Wohnungslosen und macht Bilder vor Ort. In anderen Fällen liest sie zunächst die fertigen Texte und überlegt dann, wie sich die Geschichten bildlich umsetzen lassen. „Mir ist es wichtig, die Person zu empfinden – warum sie dort gelandet ist und die Problematik ihrer Lebensgeschichte“, erklärt sie.
Bei ihrer Arbeit erfährt sie außerdem immer wieder Neues über die Lebenswirklichkeiten und Herausforderungen wohnungsloser Menschen, in die viele andere kaum Einblick bekommen. Diese Erfahrungen möchte sie mit ihren Fotos weitergeben und so mehr Sichtbarkeit schaffen.
Viele Begegnungen beschäftigen sie auch über die Arbeit hinaus. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr der Moment, als ihr ein Wohnungsloser seinen Schlafplatz unter einer Brücke zeigte. „Da habe ich zum ersten Mal auch körperlich nachempfunden, wie fürchterlich ungeschützt das ist“, erinnert sie sich. Umso mehr habe sie später die Offenheit und Lebensfreude bewundert, mit der sie einigen der Menschen wieder begegnete.
Seit zwei Jahren befindet sich Duwendag-Strecker in einer Krebstherapie. Die Chemotherapiephasen rauben ihr zeitweise Kraft. Dennoch ist es ihr wichtig, ihr ehrenamtliches Engagement fortzusetzen. Wenn sie für abseits unterwegs ist, kann sie ihre Krankheit für ein paar Stunden vergessen. Das Engagement bedeutet für sie auch ein Stück Teilhabe am normalen Leben, sagt sie.
Auch ihre Redaktionskollegen unterstützen sie in gesundheitlich schwierigen Phasen, indem sie ihr über die Sitzungen berichten, wenn sie selbst nicht teilnehmen kann.
Mit ihrer Fotografie engagiert sich die Künstlerin aber nicht nur beim Magazin abseits. Zusätzlich gestaltet sie Fotokarten für verschiedene Anlässe und spendet sie an die Diakonie. Anschließend werden diese in der Stadt verkauft und der Erlös kommt sozialen Projekten zugute.