Innenstadt-Entwicklung So geht es in der Auricher Osterstraße weiter
Die GfA-Fraktion setzt sich für verstärkte Marketingmaßnahmen ein. Ein Investor für die Gebäude der Stadt ist noch nicht in Sicht.
Aurich - Die Ratsfraktion GfA (Gemeinsam für Aurich) nimmt die Auricher Fußgängerzone ins Visier. „Nach Gesprächen mit Kaufleuten der Norderstraße stellte sich heraus, dass diese sich eine bessere Sichtbarkeit von Seiten der Burgstraße, also südlich der ehemaligen Markthalle, wünschen“, schreibt die Fraktion in einem Antrag an Bürgermeister Horst Feddermann. Um Abhilfe zu schaffen, fordert die Fraktion eine kreative klare Beschilderung am Marktplatz, die sowohl auf die Norderstraße als auch die Osterstraße als Einkaufsstraße hinweist. „Nach dem Motto: Hier am Marktplatz ist noch nicht Schluss, entdecken Sie auch den Osten und den Norden von Aurich“, heißt es im Antrag.
Weitere Marketingaktion wünschenswert
Zusätzlich schwebt den drei Mitgliedern der GfA-Fraktion Heidrun Weber, Peter Specken und Erik Antonczyk eine bessere Vermarktung der gesamten Innenstadt anhand eines sogenannten roten Fadens vor. „Dieser könnte durch die Fußgängerzone laufen und von einem QR-Code und oder einem Flyer, der auf verschiedene Stationen hinweist, begleitet werden“, so die Fraktion. Der rote Faden solle Besucher und Besucherinnen der Innenstadt zu ungewöhnlichen Geschäften wie der Drogerie Maß, dem Traditionsgeschäft Hermerding, dem Weinschmecker oder der mehrfach ausgezeichneten Buchhandlung am Wall führen, Besonderheiten und Historie erzählen. Ergänzt werden könne dieser rote Faden durch Auricher Sehenswürdigkeiten, wie etwa das Geburtshaus von Rudolf Eucken in der Osterstraße oder das Historische Museum. „Solche „Stadtführer“ bewähren sich in vielen deutschen und europäischen Städten, sind für Urlauber sehr attraktiv und stärken die innerstädtische Infrastruktur“, heißt es im Antrag.
Banner kommen bald
Hinweisbanner für die Innenstadt hatte im Herbst vergangenen Jahres bereits Maike Theesfeld vom Stadtmarketing in Aussicht gestellt (wir berichteten). Nun scheint die Idee Formen anzunehmen. „Die Planungen für die Bannerwerbung in der Innenstadt stehen kurz vor dem Abschluss. Für die Fußgängerzone wurden drei strategische Standorte ausgemacht und das Layout durchläuft derzeit die finale Korrekturschleife“, teilt Stadtpressesprecher Cord Cordes auf Anfrage mit. Der Druck der Banner sei für die kommende Kalenderwoche vorgesehen, sodass die Installation/Aufhängung spätestens im Februar erfolgen könne.
Auch was den zweiten Vorschlag der GfA-Fraktion angeht, vermeldet die Stadt Fortschritte beziehungsweise Vollzug. Zwar sei die Idee des „roten Fadens“, die bereits im Zusammenhang mit dem während der Corona-Pandemie ins Leben gerufenen Landes-Förderprogrammes „Perspektive Innenstadt“ aufgetaucht war, zugunsten umsetzungsreiferer Maßnahmen zurückgestellt worden, so Cord Cordes. Dennoch werde das Konzept des „Roten Fadens“ grundsätzlich weiter befürwortet und federführend vom Verkehrsverein Aurich betreut, so der Pressesprecher. Zudem gäbe es bereits verschiedene Angebote zu diesem Thema. So könne man unter dem Motto „Aurich smart entdecken“ digital mit dem Smartphone oder per Audioguide Stadtführungen unternehmen. „Erfolgreich umgesetzt wurde zudem das neue Fußgängerleitsystem, das auf die lokalen Sehenswürdigkeiten verweist“, so Cordes.
Kaufleute begrüßen Marketingideen
Udo Hippen, Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins Aurich (KV), begrüßt auf Nachfrage jede Marketingaktion, die die Innenstadt nach vorne bringt. „Grundsätzlich sollten Aushängeschilder der Innenstadt so ausgeschildert sein, dass auch Ortsfremde sie finden können“, so Hippen auf Anfrage der Redaktion. So könne man etwa bei den Kinderspielgeräten auf dem Marktplatz Besucher mit einer entsprechenden Ausschilderung gleich auch auf weitere Spielplätze in der Stadt hinweisen, wie den Häuptlingsspielplatz am Nürnburger Wall oder den neuen Spielplatz zwischen Burgstraße und Georgswall. Gleiches könne auch für die Kunstschule Miraculum gelten, die seit dem vergangenen Jahr am Ende der Osterstraße zu finden ist. Ihm sei aufgefallen, dass gerade von der Großen Mühlenwallstraße, einem der Ein- und Ausfallstore der Stadt, noch Nachbesserungsbedarf sei, so Hippen im Gespräch. Tatsächlich sehen Passanten von der Großen Mühlenwallstraße aus lediglich das bunte Graffiti sowie zwei Banner mit der Aufschrift Miraculum an dem sanierten Gebäude.
„Gerade für Auswärtige ist schwer erkennbar, dass sich hinter diesem Namen eine Kunstschule sowie ein Mach-Mit-Museum verbergen“, so Hippen. Die Kunstschule könne im Innenstadtbereich als Magnet für die Osterstraße wirken, so Hippen, der gleichwohl um die schwierige Situation in der Einkaufsstraße weiß.
Ein Problem mit langer Vorgeschichte
Denn vor allem die Osterstraße kämpft seit mehreren Jahren mit Besucherschwund. Eine hohe Fluktuation sowie veraltete Bausubstanz tragen ihr Übriges zur Situation bei. Die Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 2008/2009, als in der Stadtpolitik die sogenannte „Zweierlösung“ zur Erhöhung der Innenstadtattraktivität kontrovers diskutiert wurden. Der Leeraner Bünting-Konzern plante damals einen großen Supermarkt am Standort Wallster Weg, sollte damit verbunden, aber zugleich in die Osterstraße investieren. Nach monatelangen politischen Debatten, die unter anderem den befürchteten Verlust von Kaufkraft aufgrund des geplanten Marktes am Wallster Weg zum Gegenstand hatten, entschied sich die Politik 2010 letzten Endes gegen das Projekt. Zu dem Zeitpunkt hatte die Stadtverwaltung allerdings schon diverse bebaute Grundstück in der Osterstraße erworben, auf denen sie nun, 15 Jahre später, größtenteils immer noch „sitzt“.
Interessenbekundungsverfahren blieb erfolglos
Wie geht es nun also weiter in der Osterstraße? Im vergangenen Herbst hatte die Stadt Aurich ein erneutes Interessenbekundungsverfahren veröffentlicht für mehrere Gebäude am Ende der Osterstraße. Konkret ging es dabei um den Verkauf der Grundstücke Osterstraße 28/30, 32, 34 und 36 – ehemals Möbel Jakobs, dann Kik und nun Zwischenraum (28/30), Zoo Meyer (32), die Textilreinigung Meurer (34) und Jameson’s Pub (36). Der Mindestverkehrswert für die 1075 Quadratmeter große Gesamtfläche betrug laut Exposé 608.000 Euro. Mitte Dezember ist die Angebotsfrist ausgelaufen. „Nach Abschluss des ersten Interessenbekundungsverfahrens liegt der Stadtverwaltung leider noch kein Angebot vor. Die Liegenschaften sollen als Paket veräußert werden, um neben der Gewährleistung einer effizienten Abwicklung den potenziellen Investoren die notwendige Planungssicherheit sowie einen, im Rahmen der Vorgaben, maximalen gestalterischen Spielraum einzuräumen“, teilt Cord Cordes, Pressesprecher der Stadt auf Anfrage mit. Das weitere Vorgehen werde nun intern abgestimmt, wobei die Zielsetzung unverändert bleibe, so Cordes. „Gesucht werden städtebauliche Konzepte, die eine nachhaltige Belebung der südlichen Auricher Altstadt bewirken und sich in das bestehende Stadtbild integrieren. Dass eine solche bauliche Integration in dem Innenstadtbereich erfolgreich umsetzbar ist, zeigt das Beispiel des neuen Gebäudes der Kunstschule im direkten Umfeld.“
Stadtverwaltung spricht von moderatem Leerstand
Aktuell schätzt die Stadtverwaltung die Leerstände in der Osterstraße als moderat ein. „Die Osterstraße unterliegt derzeit Sortimentsdopplungen. Das Stadtmarketing akquiriert gezielt neue Frequenzbringer, um das brachliegende Potenzial dieser Straße zu heben“, so Pressesprecher Cord Cordes. Und Maike Theesfeld vom Stadtmarketing resümiert: „Eine Straße mit viel Potenzial für neue Impulse!“
Im Antrag der GfA-Fraktion wird auch die Norderstraße genannt, wo sich ansässige Kaufleute eine bessere Sichtbarkeit wünschen. Aus der Verwaltung heißt es dazu: „Aktuell verzeichnet die Norderstraße drei Leerstände. Leider zeichnet sich derzeit ein neuer Leerstand ab. Die Leerstandsquote entspricht demnach derzeit rund zehn Prozent“, so der Pressesprecher auf Anfrage. Positiv hervorzuheben sei, dass für zwei der betroffenen Immobilien bereits konkrete Verhandlungen mit Nachmietern geführt werden, die mit einem attraktiven Angebot die Angebotsvielfalt ergänzen, so Cordes weiter.