Osnabrück  Osnabrücker Ehepaar Kunze hält Sozialverband Osnabrück am Laufen – aber wie lange noch?

Thomas Wübker
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Von Thomas Wübker
| 23.01.2026 06:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Nicht nur zur Weihnachtszeit sind Agnes Kunze-Beermann und Andreas Kunze sozial engagiert. Das Paar hält den Sozialverband Osnabrück am Leben. Foto: Thomas Wübker
Nicht nur zur Weihnachtszeit sind Agnes Kunze-Beermann und Andreas Kunze sozial engagiert. Das Paar hält den Sozialverband Osnabrück am Leben. Foto: Thomas Wübker
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Sich sozial zu engagieren, das steckt quasi in der DNA von Andreas Kunze und Agnes Kunze-Beermann aus Osnabrück. Sie halten den Sozialverband Osnabrück (SoVD) am Leben. Die Frage ist nur, wie lange noch. Das ehrenamtliche Engagement braucht frisches Blut.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) ist eine soziale, humanitäre und sozialpolitische Selbsthilfeorganisation, die seit 1917 für soziale Gerechtigkeit eintritt. Der Kreisverband Osnabrück zählt laut Andreas Kunze etwa 9000 Mitglieder. Er ist seit 2016 dessen Vorsitzender. Sein soziales Engagement hat wie das seiner Frau Agnes Kunze-Beermann jedoch schon viel früher begonnen.

Beide vermitteln Mitglieder des SoVD zu Beratungsstellen in verschiedenen sozialrechtlichen Fragen – von der Pflege bis zur Rente, vom Wohngeld bis zur Barrierefreiheit. Das betrifft Frauen, die durch eine kleine Rente in Armut geraten, oder Angehörige, die Pflegeanträge stellen müssen. Die Kunzes organisieren zudem verschiedene Aktivitäten wie Ausflüge oder Vorträge. Beim Tag der Niedersachsen im August haben sie den Stand des SoVD organisiert. Pro Woche arbeiten sie ihren Angaben nach 30 Stunden ehrenamtlich.

„Ich glaube, ich muss etwas für die Gesellschaft tun, damit die Gemeinschaft erhalten bleibt“, erklärt der 64-jährige Andreas Kunze den Grund für sein Engagement. Er hat vor neun Jahren den Vorsitz von Gerd Groskurt übernommen. „Ich bin da so reingerutscht“, sagt er. Aber er war schon vorher beim Kinderschutzbund und der Arbeiterwohlfahrt sozial engagiert.

Agnes Kunze-Beermann glaubt, die Wurzel ihres sozialen Engagements liege in ihrem katholischen Glauben. „Wir sind so erzogen worden, sich für andere einzusetzen.“ Ihr Mann ergänzt, dass es etwas Wunderbares sei, mit Menschen zusammen zu arbeiten. „Dabei habe ich früher gegen Menschen gearbeitet“, merkt er augenzwinkernd an. Vor seiner Pensionierung war er Gerichtsvollzieher.

Das Paar hat sich kennengelernt, als es vor 40 Jahren mit der christlichen Arbeiterjugend die erste Bürgerreise nach Derby organisiert hat, erzählt die 61-jährige Kunze-Beermann, die noch als Sozialpädagogin arbeitet. Da ihre Ehe kinderlos blieb, haben sie mehr Zeit für soziale Tätigkeiten gehabt, so Andreas Kunze.

In Zeiten, in den sich die Vermögen immer ungleicher verteilen und immer häufiger über Kürzungen von Sozialleistungen gesprochen wird, sei die Arbeit des SoVD noch wichtiger geworden, auch in politischer Hinsicht, sagen beide. Über verschiedene Gremien wollen sie versuchen, ihre Stimmen einzubringen, um Gesetzesänderungen zu ermöglichen. „Da sind wir gefragt“, sagen sie.

Viele Mitglieder des SoVD können an gesellschaftlichen Aktivitäten nicht teilnehmen, weil sie es schlicht nicht bezahlen können. Dadurch nehme auch die Vereinsamung zu, sagen sie weiter. „Wir wollen die Leute darüber informieren, dass es zum Beispiel Dinge wie den Kukuk gibt.“ Dieser Pass ermöglicht Menschen mit geringem Einkommen, für einen geringen Preis ins Theater oder in Konzerte oder zu anderen kulturellen Veranstaltungen zu gehen.

Die Arbeit von Andreas Kunze und Agnes Kunze-Beermann ist ohne Zweifel wichtig und wird in Zukunft sogar noch wichtiger werden. Doch der Nachwuchs fehlt, um das Engagement weiterführen zu können. Die Vorstände der Ortsverbände werden langsam zu alt, sagt Andreas Kunze. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren von acht auf drei in der Stadt Osnabrück geschrumpft. Sollten sich keine Ehrenamtlichen finden, die Leitungsfunktionen im SoVD übernehmen wollen, gehe es irgendwann nicht mehr, sagt Andreas Kunze.

Mehr Infos unter www.sovd-osnabruecker-land.de.

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