Osnabrück  Nach Femizid in Schinkel-Ost: Waisenkind darf mit VfL-Profis trainieren

Malte Artmeier
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Von Malte Artmeier
| 23.01.2026 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ein schöner Besuch: Kevin Wiethaup (mit rotem Leibchen) und Tony Lesueur (am Ball) vom VfL Osnabrück schauten beim Training der D-Jugendlichen von BW Schinkel vorbei. Foto: Lauren Rote
Ein schöner Besuch: Kevin Wiethaup (mit rotem Leibchen) und Tony Lesueur (am Ball) vom VfL Osnabrück schauten beim Training der D-Jugendlichen von BW Schinkel vorbei. Foto: Lauren Rote
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Die D-Jugendmannschaft von Blau-Weiß Schinkel hatte am Donnerstag hohen Besuch: Tony Lesueur und Kevin Wiethaup vom VfL Osnabrück waren zu Gast und trainierten mit dem Team, in dem ein Junge spielt, der beim Femizid im Schinkel im Juni seine Eltern verloren hatte.

Oberflächlich betrachtet war es kein einfacher Termin für Kevin Wiethaup und Tony Lesueur. Die beiden Fußballprofis des VfL Osnabrück besuchten am Donnerstagnachmittag die D-Jugendmannschaft von Blau-Weiß Schinkel - und damit auch eines der Waisenkinder, das beim Femizid in Schinkel-Ost im Juni seine Mutter und seinen Vater verloren hatte. Während des Trainings und vor allem danach überwog bei allen Beteiligten aber Freude und Dankbarkeit.

Dabei stand zu Beginn erstmal harte Arbeit auf dem Programm. Denn die zehn- bis zwölfjährigen Kicker zogen ihre Pensum, angeleitet von Trainerin Selina Lang, knallhart durch: Die Laufrunden zum Start sparten sich die beiden VfL-Profis noch, die Kraftübungen inklusive Liege- und Unterarmstütz machten sie aber mit - und waren durchaus etwas erstaunt über die körperlichen Anforderungen im D-Jugendfußball.

Danach übte die Schinkelaner Elf das Umschaltspiel. Erstaunlich ruhig war es in der Sporthalle der Diesterwegschule, nur Langs kurze Anweisungen und das Lob von Wiethaup und Lesueur für die jungen Talente waren zu hören. „Die sind immer voll auf Fußball fokussiert“, erklärte Lang, die einige der Jungs seit fünf Jahren betreut und sie entsprechend gut kennt. Angesichts der schrecklichen Tat im engsten Familienkreis eines ihrer Mitspieler ist ihre Mannschaft eine Besondere: Der Zusammenhalt unter den Kickern ist bemerkenswert, sagte sie. „Die helfen sich immer, egal ob in der Schule oder beim Fußball. Und alle gehören dazu.“ So sei auch der Femizid in keiner Weise ein Thema innerhalb der Mannschaft gewesen.

Das Treffen mit den beiden großen fußballerischen Vorbildern hatte sich am Rande des Benefizspiels für die drei Waisenkinder ergeben, weil eines von ihnen mutig danach fragte. Der VfL kam der Bitte gerne nach und schickte mit Wiethaup und Lesueur zwei junge Spieler, die sich voll und ganz auf die Aufgabe einließen. Sie zeigten ihre Tricks, gaben Hilfestellungen und verbreiteten Spaß in der so homogenen Truppe, die in der 2. Kreisklasse ihre Tabelle anführt. „Meine Jungs waren die ganzen letzten Tage sehr aufgeregt“, sagte Lang. Davon war während der Trainingseinheit allerdings nur noch begrenzt etwas zu spüren - denn beim Fußball sind letztlich alle gleich. So nahmen die Nachwuchskicker nicht nur die Autogrammkarten ihrer Vorbilder mit nach Hause, sondern auch eine Erinnerung, die bleiben wird.

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