Osnabrück VfL Osnabrück: Robert Tesche ärgert sich über wenig Spielzeit - und hat noch ein großes Ziel
Er ist der älteste Spieler der 3. Liga - aber weit entfernt davon, „satt“ zu sein: Robert Tesche (38) kommt beim VfL Osnabrück in dieser Drittliga-Saison bislang selten zum Einsatz und ist trotzdem ein wichtiger Teil der Mannschaft. Nun könnte das letzte Halbjahr seiner langen Karriere anbrechen.
Robert Tesche gehört zu den ältesten aktiven Spielern im deutschen Profifußball. Nur Bayern-Torwart Manuel Neuer, Christopher Trimmel von Union Berlin und neuerdings Edin Dzeko von Schalke 04 wurden noch früher geboren als der 38-jährige Mittelfeldspieler des VfL Osnabrück. In der 3. Liga ist Tesche sogar der älteste aller Profis - und wenn man seinem Trainer Timo Schultz Glauben schenkt, ist er der „beste Spieler“ seiner Mannschaft.
Trotzdem kam Tesche, inzwischen nach „Mattes“ Billen (1936 bis 1949 beim VfL) zweitältester Spieler der 126-jährigen Historie des VfL, im bisherigen Saisonverlauf nur auf drei Pflichtspieleinsätze. Beim 2:0-Auswärtssieg gegen den TSV Havelse spielte er vier Minuten, dann 30 beim NFV-Pokalaus in Jeddeloh - und nun neun beim 3:0 in Aachen zum Rückrundenauftakt. Eine maue Bilanz für den 136-fachen Bundesliga-Profi.
Dem ist sich auch Trainer Schultz bewusst, der im „Brückengeflüster“-Podcast vor der Aachen-Partie ein kleines Loblied auf seinen ältesten Schützling sang. Er habe die „Option Robert Tesche“ in der Hinserie vielleicht zu selten gezogen sagte Schultz, obwohl das Mittelfeldzentrum, wo der Altmeister zuhause ist, alles andere als eine lila-weiße Schwachstelle war. Auf das Zitat angesprochen, muss Tesche lachen. „Sehe ich auch so, dass er die Option zu selten gezogen hat“, sagt er.
Denn Tesche, der in der letzten Saison noch 31 Mal auf dem Feld stand, ist auch im gehobenen Fußballeralter noch ehrgeizig. „Maximal ärgert mich das“, sagt er über seine Einsatzstatistik. „Ich wäre kein Leistungssportler, wenn das anders wäre. Dann wäre ich hier falsch.“ Aber inzwischen könne er das besser einordnen als früher. „Ich kann Dinge einfacher akzeptieren, ohne aus der Haut zu fahren - auch ohne die Entscheidungen immer nachvollziehen zu können.“ Denn: „Ich weiß, dass es nichts bringt, ein Stinkstiefel zu sein.“
Deshalb verbindet er die Einordnung seiner sportlichen Situation quasi automatisch mit einem Lob an die Konkurrenz im eigenen Team: „Er (Trainer Schultz) sieht vielleicht andere Spielertypen einfach vor mir. Bjarke (Jacobsen) macht es super, Breezy (Bryan Henning), Frido (Fridolin Wagner) und Kevin (Wiethaup) machen es auch top. Das habe ich zu spüren bekommen im letzten halben Jahr.“ Tesche ist Realist. Und auch nach 20 Jahren im Profifußball hat er sich seine Art beibehalten: Kurze, prägnante Sätze, immer auf den Punkt - ein unkomplizierter Typ, der sich einzuschätzen weiß.
„Ich kann und werde meinen Spielstil wahrscheinlich nicht mehr verändern. Aber ich glaube, der Trainer sieht trotzdem, dass ich wichtig für die Mannschaft bin. Ob ich mehr Spielzeit bekomme, wird man sehen“, sagt er. Dass er auch ohne viele Einsätze einen Einfluss auf seine Mannschaft hat, sieht ebenso jeder Beobachter von Trainingseinheiten. Betritt er das Feld mit seinen Kollegen, hat er grundsätzlich ein Lächeln auf den Lippen. Krafttraining und ausgiebige Regeneration betrachtet er nicht als lästige Pflicht, die man vernachlässigen kann.
Tesche versprüht eine Freude an der Arbeit, die andere ansteckt. Er selbst erklärt sie so: „Das Training macht Spaß, Fußballspielen macht Spaß, mit den Jungs rumzuflachsen macht mir Spaß. Ich bin ja auch noch leistungsfähig und kann mithalten.“ Und trotzdem werde er noch sauer, wenn er verliert. „Ich habe noch den Biss, Spiele zu gewinnen“, sagt er.
Kurzum: Robert Tesche ist ein Vorbild für die Spieler um ihn herum - in Bezug auf seine Arbeitseinstellung, aber auch fußballerisch. Er selbst hört das zwar nicht so gerne, aber er spürt es durchaus. „Ich frage jetzt keinen, ob ich gut bin oder er mich mag“, sagt er. „Aber ich glaube schon, dass meine Mitspieler wissen, was ich leisten kann und leiste. Ich bin kein außergewöhnlicher Spieler, der besondere Dinge macht. Ich mache einfache Sachen ganz ordentlich und versuche, Fehler zu minimieren. Es ist auf gewissen Positionen einfach wichtig, den Ball von A nach B zu passen und ihn bestenfalls nicht zu verlieren.“ Diese „einfachen“ Dinge, die auf dem Platz unter hohem Druck überhaupt nicht einfach sind, „kann ich immer noch und das sehen auch meine Mitspieler.“
Seine Erfahrung aus knapp 20 Jahren im Profifußball will er einsetzen, auch nach der Spielerlaufbahn. Dafür nimmt Tesche bereits an einem DFB-Projekt teil, das sich „Players Pathway: Management“ nennt. Dort werden älteren Aktiven und Ex-Profis verschiedene Wege aufgezeigt, um in der „Karriere nach der Karriere“ weiterhin im Fußball arbeiten zu können - ob im Nachwuchsbereich, im Scouting oder im Management von Proficlubs. Er sei aktuell in der „Findungsphase“, sagt Tesche. Nur eins ist klar: „Cheftrainer möchte ich nach aktuellem Stand nicht sein, aber das kann sich auch ändern.“
Wann aber soll sie eigentlich beginnen, die Zeit nach der Spielerkarriere? Tesches Vertrag läuft im Sommer aus, dann wird er 39 Jahre alt sein. Will er weiter im Profifußball unterwegs sein, vielleicht sogar beim VfL? „Ich habe mir natürlich schon Gedanken gemacht, das mache ich jedes Jahr. Aber es ist jedes Jahr schwierig, weil ich für mich noch auf keinen Nenner komme“, sagt er. Übrigens: Um ältester Spieler der VfL-Historie zu werden, müsste er Ende November nochmal in Lila-Weiß auflaufen.
Eine „Deadline“ für die Entscheidung setzt er sich nicht, wahrscheinlich fällt sie erst im Sommer. So muss auch sein Heimatverein, der VfL Mennighüffen, ein Bezirksligist aus Ostwestfalen, erstmal abwarten. Dem hatte Tesche eigentlich eine Rückkehr in Aussicht gestellt, er will sich dies aber noch offen lassen. Denn vorher steht für den „besten Spieler“ des VfL noch eine Sache ganz oben auf der Agenda: „Am liebsten würde ich nochmal aufsteigen. Das wäre nochmal ein Ziel dieses Jahr und ich würde mich freuen, wenn das klappen würde.“
Mit dem zweiten Aufstieg würde Tesche gemeinsam mit Niklas Wiemann in die bislang nur elf Spieler umfassende Liste der Profis aufsteigen, die mit dem VfL mindestens zweimal aufgestiegen sind. Der erste mit dem Synonym 90+6 fand an seinem 36. Geburtstag statt. Sollte es für die Lila-Weißen zum Beispiel in die Relegation gehen, wäre das Rückspiel am 26. Mai - einen Tag vor Tesches 39. Geburtstag. Ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören?