Salon „Schnittkante“  Friseurmeisterin Marina Rotter betreibt Aurichs kleinsten Salon

| | 22.01.2026 12:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Marina Rotter arbeitet allein auf 30 Quadratmetern. Foto: Klaus Ortgies
Marina Rotter arbeitet allein auf 30 Quadratmetern. Foto: Klaus Ortgies
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Marina Rotter gehört der kleinste Friseursalon Aurichs. Auf 30 Quadratmetern schneidet sie nicht nur Haare, sondern spricht mit Kunden über alles, was sie beschäftigt. Wie ihr Arbeitsalltag aussieht.

Aurich - Die Musik spielt nur ganz leise aus einem kleinen Radio. Sogar die Geräusche der Schere auf dem Haar sind lauter als sie. Das Einzige, was man im Salon „Schnittkante“ deutlich hören kann, sind die vielen Gespräche zwischen Friseurin und Kunden. Marina Rotter, Inhaberin des Salons, spricht mit ihnen über alles, was ihnen auf dem Herzen liegt. Eine Kundin erzählt von ihren Haustieren, eine andere von ihren Urlaubsplänen. Und außer Marina Rotter hört auch keiner zu, denn für mehr als zwei Kunden ist hier gar kein Platz. Rotters Salon in der Kirchstraße ist wohl der kleinste Friseursalon Aurichs: Er ist nur 30 Quadratmeter groß.

In Rotters vollem Kalender sind nur wenige Lücken, doch an einem Dienstagvormittag hat sie zwischen zwei Terminen Zeit für ein Gespräch. Spricht man die 33-Jährige auf ihre Arbeit an, strahlt sie. Sie erzählt voller Euphorie von der Beziehung zu ihren Kunden und dem Handwerk an sich. Dabei wollte sie anfangs eigentlich gar nicht Friseurin werden. „Nach meinem Schulabschluss stand ich ein bisschen ohne alles da und wusste nicht, was ich machen soll“, erinnert sie sich. „Dann sagte meine Friseurin zu mir: ‚Marina, du bist so ein kreativer Mensch. Wir suchen noch jemanden.‘“ Durch die Ausbildung habe sie die Liebe zum Friseurhandwerk gefunden. Nach sieben Jahren als angestellte Friseurin machte sie sich 2022 mit ihrem eigenen Salon selbstständig.

Marina Rotter begrüßt ihre Kunden immer mit einem Lächeln. Foto: Klaus Ortgies
Marina Rotter begrüßt ihre Kunden immer mit einem Lächeln. Foto: Klaus Ortgies

Friseure als „emotionale Mülltonne“

Als eine Kundin den Laden am Dienstagvormittag betritt, wird sie von Marina Rotter wie eine alte Freundin begrüßt. Beim Haareschneiden wird sich über Alltagsthemen unterhalten, aber auch über Ernsteres. „Friseure sind oft die emotionale Mülltonne“, sagt Rotter. „Man sagt ja nicht umsonst: ‚Erzähl es deinem Friseur‘. Viele Leute kommen hierher und erzählen mir aus ihrem ganzen Leben. Auch wenn wir uns noch gar nicht kennen. Und ich höre einfach zu.“ Nur beim Haarewaschen spricht keiner im Salon. Dann ist nur das Wasser aus dem Hahn und die leise Musik aus dem Radio zu hören.

Kollegen hat Rotter in ihrem Salon keine. Sie arbeitet ganz allein und kümmert sich selbst um jeden Kunden. Auf die Frage, ob es ihr gut gefalle, allein zu arbeiten, sagt sie strahlend: „Ich finde es herrlich.“ So ist zwar im Laden weniger Platz für Möbel, aber dafür umso mehr für die persönlichen Geschichten der Kunden, findet Rotter. „Es kommt auch häufig vor, dass jemand von Todes- oder Krankheitsfällen erzählt. Gerade auch Krebsbehandlungen begleiten Friseure oft mit“, sagt die 33-Jährige. „Da hat man hier das Gefühl, dass man mit einer Freundin redet. Und alles, was hier erzählt wird, bleibt hier.“

Meistens ist nur ein Kunde in Rotters Salon. In seltenen Fällen können es auch zwei sein. Foto: Klaus Ortgies
Meistens ist nur ein Kunde in Rotters Salon. In seltenen Fällen können es auch zwei sein. Foto: Klaus Ortgies

Kunden verlassen zufrieden den Salon

Die Kundin, die am Dienstag in Rotters Salon sitzt, ist schon Stammkundin. Alle fünf bis sechs Wochen hat sie einen Termin. Der nächste wird nach dem Haareschneiden direkt vereinbart. Als sie in den Spiegel guckt, lächelt sie. „Sie kann wirklich gut mit Locken umgehen“, sagt sie über die Friseurmeisterin. Ihre Haare seien ihr sehr wichtig und bei Rotter sei sie immer glücklich gewesen. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck zieht sie ihre Jacke an und verlässt den Salon. Rotter verabschiedet sie mit einem Lächeln. Und das bleibt, auch nachdem die Kundin gegangen ist.

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