Osnabrück Bremer Brücke: Ringen um Fördergelder - Tribünenabriss doch erst im Winter?
Die Gelder sind bewilligt, ein Generalunternehmer wird gesucht und dann geht es bei der Sanierung der Bremer Brücke an die Details. Eines zeichnet sich jetzt schon ab: Mit dem Abriss der Tribünen des Stadions des VfL Osnabrück wird wohl erst nächsten Winter begonnen - ein Grund ist die Bewerbung um mögliche Fördergelder in Millionenhöhe.
Am Schinkelberg hat der VfL Osnabrück am Dienstag mit dem Spatenstich für das Trainingszentrum das erste große Bauprojekt gestartet. Die Veranstaltung fand direkt vor dem Neujahrsempfang statt, zu dem der Verein an die Bremer Brücke geladen hatte. Es ging quasi von einer Baustelle direkt zur nächsten - und zur deutlich größeren.
Im November hatte der Rat der Stadt Osnabrück die Gelder für die Sanierung des baufälligen Stadions bewilligt. Insgesamt 67 Millionen Euro sollen investiert werden - 33 davon sollen aus der klammen Stadtkasse kommen. Zwei Fragen schwebten am Dienstag daher ganz besonders oft durch den VIP-Raum an der Bremer Brücke: „Wann wird denn jetzt gebaut - und wie?“
Jan Jansen dürfte sie am häufigsten gehört haben. Der Leiter Osnabrück-Halle ist auch Chef der Stadiongesellschaft. Ein genaues Startdatum zu nennen, fällt ihm aktuell schwer. „Weil noch so vieles offen ist“, sagt Jansen.
Und das dürfte sich in den nächsten Wochen vermutlich auch nicht ändern. Zumindest nicht, bis ein Generalunternehmer gefunden wurde. Die Ausschreibung hierfür sollte laut Jansen ursprünglich im März erfolgen. „Bis dahin sind die Ausführungsplanungen des Planungsbüros abgeschlossen“ , betont der Chef der Stadiongesellschaft: „Diese sind Voraussetzung, um den Prozess zu starten.“
Nun kann sich die Suche allerdings noch etwas nach hinten schieben. Der Grund ist die Hoffnung auf mögliche Fördergelder, die sich in den vergangenen Monaten aufgetan haben. Im Herbst vergangenen Jahres rief die Bundesregierung die „Sport-Milliarde“ ins Leben - ein Programm zur Förderung kommunaler Sportstätten. Der Topf wurde zwar mittlerweile auf 333 Millionen Euro geschrumpft, dennoch hat sich Osnabrück mit zwei Projekten beworben: Der Sanierung der Bremer Brücke und der des Sportgeländes am Schölerberg, wo unter anderem ein Kunstrasenplatz gebaut werden soll. Die Abgabefrist war am 15. Januar.
Die Bewerbung wird nun neutral geprüft. Ende Februar soll es eine Entscheidung geben, vielleicht aber auch erst etwas später. Die Zahl der Projekte, die sich beworben haben, dürfte riesig sein. Besteht ein Antrag die erste Prüfung durch den Haushaltsausschuss des Bundestags, muss ein ausführliches Konzept eingereicht werden. Erst wenn in der zuständigen Bewilligungsbehörde, das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, über die Förderung dieser Detailplanung entschieden wurde, kann mit der Suche eines Generalunternehmers begonnen werden. Ein anderes Vorgehen verbieten die Förderbedingungen.
„Halten wir uns nicht daran, laufen wir Gefahr, aus dem Wettbewerb genommen zu werden“, erklärt Jansen. Und das will man in Osnabrück unbedingt vermeiden. Schließlich geht es um bis zu maximal acht Millionen Euro, die der Stadionsanierung im besten Fall aus dem Fördertopf zugesprochen werden können - und die den Zuschuss der Stadt von 33 Millionen Euro deutlich verringern könnten. „Wenn wir eine Chance haben, warten wir dafür gerne etwas ab“, sagt Jansen und fügt an: „Diese Regel ist durchaus sinnvoll. Schließlich muss ein Generalunternehmer eng planen und das ist nur möglich, wenn er genau weiß, was ihn erwartet.“
Die mögliche Verzögerung bei der Suche nach einem Generalunternehmer nimmt die Stadt angesichts der in Aussicht stehenden Summe also gerne in Kauf. Klar scheint damit aber auch: Im Sommer wird wohl nicht mit dem Abriss einer oder mehrerer Tribünen begonnen. Die Zeit wäre zu knapp. Mitten in der Saison damit zu beginnen, wäre ebenfalls nicht sinnvoll. Und so deutet vieles auf den Beginn der Abrissarbeiten in der nächsten Winterpause hin.
Dafür sprechen auch weitere Punkte wie eine mögliche Relegationsteilnahme des VfL Osnabrück in der 3. Fußball-Liga. Sie könnte den Start von Bauarbeiten um zehn Tage verzögern und würde die ohnehin schon enge Zeitplanungen erschweren. Darüber hinaus müssten im Falle eines Abrisses aller Tribünenteile auf einmal oder eines Starts an der Südtribüne Geschäftsstelle und Fanshop des VfL bis zur Fertigstellung des neuen Funktionsgebäudes am Schinkelberg im Winter eine provisorische Unterkunft suchen.
Und: Es gäbe etwas mehr Zeit für die Planer, die in den vergangenen Monaten unter mächtigem Druck gearbeitet hatten. „Wir sind seit letztem Jahr bei allen Ampeln ständig über Gelb gefahren. Bisher ist es gut gegangen, aber jetzt wäre es sinnvoll, etwas vom Gas zu gehen, um die Gefahr eines Unfalls zu verringern. Gerade in der Planung der Details muss sauber gearbeitet werden. So haben wir die Möglichkeit, alles noch einmal zu prüfen oder auch mal einen Krankheitsausfall einzuberechnen“, sagt Jansen.
Man prüfe aber in Abstimmung mit den Förderbedingungen, ob im Sommer doch schon gestartet werden könne - allerdings wohl eher mit vorbereitenden Maßnahmen. Die Tribünen wären dann voraussichtlich im Winter dran. Ob alle auf einmal oder einzeln der Reihe nach, steht weiterhin noch nicht fest. Das wird erst nach Rücksprache mit dem Generalunternehmer entschieden.