Osnabrück  Osnabrücker Lehrer raten Eltern: Zehnjährige ohne Kontrolle am Handy? „Das ist falsch!“

Sandra Dorn
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Von Sandra Dorn
| 22.01.2026 16:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Digitale Medien und soziale Netzwerke sind längst Teil der Jugendkultur. Sie bergen Chancen, aber auch viele Gefahren. Lehrkräfte der Osnabrücker Ursulaschule erinnern an die Erziehungsverantwortung der Eltern. Foto: Unsplash/Sanket Mishra
Digitale Medien und soziale Netzwerke sind längst Teil der Jugendkultur. Sie bergen Chancen, aber auch viele Gefahren. Lehrkräfte der Osnabrücker Ursulaschule erinnern an die Erziehungsverantwortung der Eltern. Foto: Unsplash/Sanket Mishra
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Handys, Tablets und das Internet sind aus dem Leben von Kindern und Jugendlichen nicht wegzudenken, bergen aber Gefahren. Die Osnabrücker Ursulaschule sieht beim Schutz ihrer Schüler auch die Eltern in der Pflicht. Was die Lehrkräfte ihnen raten.

Am Osnabrücker Gymnasium Ursulaschule ist die Mediennutzung der Schüler ein großes Thema. Die Schule hat einen Lehrplan zur Medienprävention entwickelt und Smartphones auf dem Schulgelände verboten. Doch wenn es darum geht, Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien beizubringen, sieht die Schule auch die Eltern in der Pflicht.

Bereits beim ersten Elternabend in der fünften Klasse erzählen die Lehrkräfte den Eltern, was sie im Zusammenhang mit digitalen Medien schon auf Schülerhandys gesehen haben, sagt Schulleiterin Daniela Boßmeyer-Hoffmann und warnt: „Die Kinder sehen Inhalte, mit denen sie gar nicht umgehen können.“

Das seien nicht nur pornografische Inhalte, gewalttätige und rassistische Bilder und Videos, sondern auch Beschimpfungen. „Die Eltern verstehen zum Teil gar nicht, dass digital geäußerte heftige Beleidigungen strafbar sind“, sagt sie. Und die Erziehungsverantwortung der Eltern erstrecke sich auch auf den digitalen Raum.

Manche Eltern würden sehr bewusst mit dem Thema umgehen, andere gar nicht. Dann hören Lehrerinnen wie Carolin Bohne, Koordinatorin für die Klassenstufen fünf und sechs: „Nein, das Handy meines Kindes kontrolliere ich nicht, das ist doch seine Privatsphäre.“ Und das ist falsch? „Bei Zehnjährigen, ja!“, betont Bohne.

Die Eltern stünden in der Verantwortung, einen Zugang zu der digitalen Welt ihrer Kinder zu finden, betonen sie und ein Team aus Lehrkräften der Ursulaschule, das sich verstärkt mit dem Thema digitale Medien auseinandersetzt.

Dass Eltern Beschränkungen über die Betriebssysteme Android oder Apple einstellen können, wüssten manche gar nicht, sagt Schulleiterin Boßmeyer-Hoffmann. Das sei auch ein Grund, warum die Ursulaschule Handys auf dem Schulgelände verboten hat. „Jeder soll hier das Gefühl von Sicherheit haben.“

Was das ganze Thema so kompliziert macht: Für viele Schüler habe das Smartphone so etwas wie eine Tagebuchfunktion, gibt Boßmeyer-Hoffmann zu bedenken. Außerdem ist das Netz ein Ort, an dem sie sich real mit ihren Freunden austauschen. Und wer wolle da schon seine Eltern dabei haben?

Eltern dürften Portale wie TikTok oder Snapchat aber nicht einfach ignorieren, sondern sollten sich von ihren Kindern zeigen lassen, wie diese Apps funktionieren, raten Carolin Bohne und Beratungslehrerin Ellen Bodensiek. So verliere man nicht den Zugang zur Welt der Kinder.

Die Kinder zu begleiten, sei unverzichtbar, sagt Medienberater und Lehrer André Hermes. „Nur mit einem Verbot ist es nicht getan. Das kann nur ein Baustein sein.“

Schließlich sei auch ein kreativer und sinnvoller Umgang mit den Möglichkeiten des Netzes möglich. Daniela Boßmeyer-Hoffmann hat ein Positiv-Beispiel und erzählt davon mit Stolz: Ihre Schüler sollten die Politik von Donald Trump kommentieren und hätten dafür mithilfe von KI eine mustergültige Tagesschau-Sendung nachgestellt.

Den Schülern diese Chancen digitaler Medien zu zeigen, auch das sehen die Lehrkräfte als ihre Aufgabe. Die große Herausforderung sei, die Hemmschwelle zu durchbrechen, dass Schüler sich bei Problemen den Erwachsenen anvertrauen.

Lehrerin Ellen Bodensiek fasst ihre wesentlichen Tipps für Eltern so zusammen: „Klare Medienzeiten, klare Absprachen und sich etwas zeigen lassen – gemeinsam.“

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