Osnabrück Früher Start, laute Töne: Osnabrücker SPD im Wahlkampfmodus – und der Rest des Stadtrats?
Während die SPD Osnabrück mit markigen Forderungen und kompletter Kandidatenliste im Kommunalwahlkampf voranprescht, warten die anderen Stadtrat-Fraktionen noch ab. Doch die politische Debatte ist bereits dabei, sich zu verändern und das Wahlkampfjahr einzuläuten.
Die Osnabrücker SPD hat am vergangenen Wochenende ihre 80 Kandidaten für die Kommunalwahl aufgestellt. Gleichzeitig mit der AfD. Das ist ein besonders früher Start ins Wahljahr. Erst im September entscheiden die Bürger der Hasestadt, wer sie künftig lenken darf. Sowohl Oberbürgermeister(in) als auch Stadtrat werden neu bestimmt. Beim letzten Mal, 2021, erfuhr die Öffentlichkeit erst im Frühjahr von den Bewerbern der SPD wie auch der aller anderen Parteien. Das ist kein Zufall. Die SPD prescht in Sachen Wahlkampf diesmal vor. Wie verändert das die Debatte im Rat und ziehen die anderen bald nach?
Bereits im Sommer 2025 machte die SPD öffentlich, dass Robert Alferink SPD-Kandidat sein soll. Obwohl er offiziell erst im November benannt wurde. Ende des Jahres folgten die CDU mit Amtsinhaberin Katharina Pötter und die Linke mit Juraprofessor Thomas Groß. Die Grünen haben noch niemanden benannt, die AfD verzichtet darauf.
Ob in sozialen Netzwerken oder an der Haustür: Nicht nur wer im Schinkel lebt, hat wahrscheinlich bereits einen Flyer von SPD-Unterbezirksvorsitzendem und OB-Kandidat Robert Alferink erhalten. Nun geht er gegen Katharina Pötter auf Angriff.
So verkündete er am Samstag, dass er die kommunale Wohnungsgesellschaft Wohnen in Osnabrück (Wio) ausbauen wolle, 3500 Wohnungen brauche es bis 2040. Zuletzt beim Handgiftentag im Januar machte Pötter deutlich, dass sie zur Wio stehe sowie zum Ziel der 1000 Wohnungen, aber dass sie eher weniger als mehr kommunales Geld investieren wolle. Und – das sagte Sie im NOZ-Interview – dass es nicht zur Kernaufgabe einer Stadt gehöre, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen.
„Wir haben Wohnungsnot und eine Stadt muss denen helfen, die mit dem Rücken zur Wand stehen, auch, wenn Frau Pötter das anders sieht“, sagte Robert Alferink gegenüber unserer Redaktion. Die Oberbürgermeisterin verfehle die Lebensrealität der Mehrheit in Osnabrück, die zur Miete wohne. „Es ist einfach nicht ihre eigene Lebensrealität“, so Alferink.
Katharina Pötter selbst hat gegen Kontrahent Alferink noch nicht öffentlich zum Gegenschlag ausgeholt, ist aber in den sozialen Medien wie gewohnt präsent in eigener und städtischer Sache.
Einen Seitenhieb auf Alferinks Wahlkampfslogan – „Für ein Osnabrück, das funktioniert“ – gab es von CDU-Fraktionschef Marius Keite, der am Handgiftentag in seiner Rede sagte: „Es ist schädlicher Populismus, wenn behauptet wird – von rechts oder von links –, diese Stadt funktioniere nicht.“
Wahlkampf macht etwas mit der Debatte in der Osnabrücker Lokalpolitik, da ist man sich einig. Womöglich wird sie populistischer, womöglich wird das ein oder andere Thema, das man sonst untereinander hinter verschlossenen Türen im Rat geklärt hätte, plötzlich ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. Womöglich gibt es mehr Raum, für die Stadt wichtige Sachthemen intensiver mit den Bürgern zu besprechen.
Die Zeit wird es zeigen. „Für den Zuhörer werden die Debatten mit Sicherheit etwas mehr Würze haben, ich hoffe aber, dass wir als Stadtrat und in den Ausschüssen bis zum Ende der Legislatur gute Beschlüsse fällen und sachorientiert arbeiten können“, sagte Oliver Hasskamp von der FDP auf Anfrage.
Setzt das Tempo der SPD die anderen Fraktionen des Osnabrücker Stadtrats unter Zugzwang, ihre Kandidaten für die Wahl bald aufzustellen? Offenbar nicht. Die Freien Demokraten wollen die ihren im März benennen, kündigte Hasskamp an. Die CDU plant laut Marius Keite mit April. Die Linken „frühestens nach dem Parteitag Ende März“ (Co-Fraktionschefin Nicole Emektas). „Wir lassen uns nicht hetzen, noch ist genug Zeit. Und neun Monate Wahlkampf muss man ja auch erst mal aushalten“, sagte Volker Bajus (Grüne).