Osnabrück  Trainingszentrum des VfL Osnabrück: Die unendliche Geschichte auf dem Weg zum Happy End

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 20.01.2026 19:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gemeinschaftlicher Spatenstich zum neuen Funktionsgebäude des Trainingszentrums des VfL Osnabrück: André Schüller (stellvertretender Vorstandsvorsitzender Sparkasse Osnabrück), Oliver Büscher-Brach (Osnabrücker Geschäftsstellenleiter Firma Goldbeck), Katharina Pötter (Oberbürgermeisterin Osnabrück), Holger Elixmann (Präsident VfL Osnabrück), Henry Walkenhorst (Brückenpfeiler e.G.) und Michael Welling (Geschäftsführer VfL Osnabrück). Foto: Helmut Kemme
Gemeinschaftlicher Spatenstich zum neuen Funktionsgebäude des Trainingszentrums des VfL Osnabrück: André Schüller (stellvertretender Vorstandsvorsitzender Sparkasse Osnabrück), Oliver Büscher-Brach (Osnabrücker Geschäftsstellenleiter Firma Goldbeck), Katharina Pötter (Oberbürgermeisterin Osnabrück), Holger Elixmann (Präsident VfL Osnabrück), Henry Walkenhorst (Brückenpfeiler e.G.) und Michael Welling (Geschäftsführer VfL Osnabrück). Foto: Helmut Kemme
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Der Spatenstich zum neuen Trainingszentrum des VfL Osnabrück ist erfolgt. Monatelang planten viele Menschen bei den Lila-Weißen und an verschiedenen Stellen in der regionalen Wirtschaft und der Stadtgesellschaft mit Einsatz und Leidenschaft - nun sollen die Visionen endlich Wirklichkeit werden.

Wie wichtig es ist, auf einer Baustelle Helme zu tragen, weiß man nicht erst seit der Comicverfilmung Werner Beinhart aus dem Jahr 1990. Auch Cheftrainer Timo Schultz gab am Dienstagnachmittag halblaut einen augenzwinkernden Hinweis, als er sah, dass die am Bau eher ungeübten Damen und Herren zunächst eher ratlos mit Helmen und Spaten herumstanden im Moment des repräsentativen Spatenstich des neuen Funktionsgebäudes des Trainingszentrums des VfL Osnabrück auf dem Schinkelberg. Dann wurden die schützenden Kopfbedeckungen möglichst unauffällig beiseite gelegt - und prompt landete ein Haufen geworfener Erde nicht dort, wo er hinsollte.

Zum Glück nicht auf dem Kopf eines Beteiligten, sondern nur auf dem Aufsteller der Firma Goldbeck, der umfiel und unter der Erde begraben wurde. Dass dies keinesfalls als böses Omen gelten kann, hatte Oliver Büscher-Brach schon vorher klargestellt. „Auch auf dem Bau muss man ausmerzen, nachsetzen, Fehler korrigieren“, hatte der Osnabrücker Geschäftsstellenleiter des vom VfL beauftragten Bauunternehmens gesagt - und weitere Analogien zum Fußball bemüht: „Wir achten auf die Flanken, auf richtige Abstände, gehen auf die Bude - und ich verspreche: wir ziehen durch!“

Ob Büscher-Brach seine Analogien mithilfe Künstlicher Intelligenz recherchiert hat, blieb offen. Klar ist aber, dass er mit seinen Leuten das dreistöckige Funktionsgebäude nach einem vorgefertigten Kastenprinzip errichten wird: Modulare Bauweise heißt die Methode mit der das knapp sechs Millionen Euro teure Projekt schon in einem Jahr fertig sein soll. „Ziel ist, dass Timo mit seinen Jungs im kommenden Januar die Vorbereitung aus den neuen Räumlichkeiten hier absolvieren kann“, sagte Michael Welling.

Der Geschäftsführer des VfL Osnabrück betonte die Bedeutung „der größten wirtschaftlichen Investition unseres Klubs mindestens mal in den letzten 20-30 Jahren“ und sprach vielfältigen Dank an viele Unterstützer aus: An die Sparkasse etwa bezüglich der Finanzierung, an die Stadt sowie ihre Behörden und Beteiligungsgesellschaften bezüglich der Planung und zielführenden Zusammenarbeit in Rechtsfragen. Und natürlich an die eigenen aktuellen und ehemaligen Mitarbeiter bei der Konzipierung des Trainingszentrums - unter anderem Prokurist Markus Dörenkämper sowie Benjamin Schmedes, Amir Shapourzadeh, Julius Ohnesorge und Philipp Kaufmann, die aus sportlicher Sicht wichtigen Input gegeben hätten.

„Dass wir nach nur elf, zwölf Monaten konkreter Planung nun in die Bauphase gehen können, ist sehr beachtlich. Gute Leute realisieren ein solides Projekt in einem vernünftigen Rahmen ohne irgendwelche goldenen Wasserhähne“, sagte Henry Walkenhorst - stellvertretend für die Brückenpfeiler. Die Genossenschaft aus langjährigen Partnern des VfL Osnabrück unterstützt ebenfalls bei der Finanzierung und hilft zudem bei der Realisierung der Energieversorgung des neuen Gebäudes via Geothermie: Eine Probebohrung sei erfolgreich verlaufen, erklärte Welling am Rande des Spatenstichs.

Und so konnte der VfL-Geschäftsführer im Sonnenuntergang fast schon pathetisch den britischen Popsänger Limahl mit seinem größten Hit „Never Ending Story“ zitieren - eine Analogie zu den jahrzehntelangen Planungen zur sportlichen Infrastruktur des VfL Osnabrück. Der letzte wirklich große Wurf in diesem Bereich - die Errichtung des in die Jahre gekommene Funktionsgebäude auf der Illoshöhe - gelang im Erscheinungsjahr dieses Hits 1984, vor mehr als 40 Jahren und noch weit vor Werner Beinhart. In der Romanverfilmung „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende führte das Lied weit früher zu einem Happy End - nun hofft man auch beim VfL endlich auf ein solches, nachdem Planungen eines neuen Trainingszentrums etwa in Hellern oder in der Gartlage in den vergangenen Jahrzehnten im Sande verlaufen waren.

Noch konnten die etwa 200 Gäste, als sie den Schinkelberg in Richtung Neujahrsempfang des VfL im Stadion verließen, die neuen lichtdurchfluteten Räumlichkeiten nur auf den bereitgestellten Plakaten erahnen: Die Kabinen und weiteren Aufenthaltsgelegenheiten für die Profis, die Trainer und den Zeugwart im Erdgeschoss, die Büros der sportlichen Leitung und die Athletikhalle darüber sowie die Arbeitsflächen für die Geschäftsstelle ganz oben. Und natürlich die noch zu errichtenden eineinhalb weiteren Trainingsplätze im Süden des Geländes. Aber in den nächsten Wochen und Monaten soll aus den vielen Plänen, Skizzen, Ideen und Konzepten der Vergangenheit endlich Realität werden - wenn die Fachleute am Bau ihre Helme aufsetzen und anpacken.

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