Berlin  Jeder dritte Schüler hat Migrationshintergrund: Was es jetzt bräuchte, damit es funktioniert

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 20.01.2026 17:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Jeder dritte Schüler hat heute Migrationshintergrund. Das Bildungssystem hat auf die Herausforderung bisher unzureichend reagiert. Foto: Sebastian Gollnow
Jeder dritte Schüler hat heute Migrationshintergrund. Das Bildungssystem hat auf die Herausforderung bisher unzureichend reagiert. Foto: Sebastian Gollnow
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Jeder dritte Schüler in Deutschland hat heute eine Migrationsgeschichte. Experten haben auf diese Entwicklung lange hingewiesen. Doch die Bildungspolitik hat nicht reagiert.

Es ist erstaunlich, mit welcher Beharrlichkeit die deutsche Bildungspolitik seit Jahren in der Problembeschreibung verharrt. Während politisch links bis rechts niemand mehr leugnet, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, haben sich Schulen diesem Umstand kaum angepasst. Jetzt zeigen es die Zahlen schwarz auf weiß: Jeder dritte Schüler hat einen Migrationshintergrund, was zu den vielfach beschriebenen Problemen führt.

Schüler, deren Eltern aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind, sind nicht dümmer als deutsche Schüler. Oft aber haben sie schlechtere Voraussetzungen für den Bildungserfolg. In keinem anderen entwickelten Industrieland bestimmt soziale Herkunft so stark über die schulische Laufbahn wie in Deutschland. Ins Land kamen aber vor allem Arbeiter und geringer Qualifizierte. Das Problem der mangelnden Aufstiegschancen verschärft sich dadurch also noch.

Für eine Wissensgesellschaft wie Deutschland wird es zum Problem, wenn aus ihren Schulabgängern, so sie denn überhaupt einen qualifizierten Abschluss erreichen, nicht die Facharbeiter und Erfinder von morgen werden. Auch Migranteneltern wünschen sich für ihre Kinder den sozialen Aufstieg, können sie aber oft nicht hinreichend unterstützen. Der frühe Erwerb der deutschen Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg, wie alle Experten immer wieder predigen. Warum nicht schon längst alle Bundesländer dem erfolgreichen Beispiel Hamburgs folgen und die frühe Sprachförderung in den Mittelpunkt aller Bemühungen stellen, ist nicht zu verstehen.

Stattdessen wird experimentiert, sind Förderprogramme vom Takt der Landtagswahlen abhängig und werden Lehrer mit der Herausforderung, in einer Grundschulklasse den Spracherwerb genauso wie die Begabtenförderung gleichzeitig zu organisieren, weitgehend allein gelassen. Bei der nächsten Bildungsstudie, die dann das insgesamt sinkende Niveau dokumentiert, wird das Klagen wieder für einige Tage laut ausfallen. Es ist höchste Zeit, dass es dabei nicht bleibt – sondern der Realität endlich Rechnung getragen wird. Das verpflichtende Vorschuljahr wäre ein Anfang.

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