Osnabrück  Wenn Wohnen zum Luxus wird: Die Politik muss den sozialen Sprengstoff endlich entschärfen

Thomas Ludwig
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Von Thomas Ludwig
| 20.01.2026 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Modernisierte Neubauwohungen: Vor allem in den Ballungszentren und den Großstädten sind preiswerte Wohnungen nach wie vor knapp. Foto: IMAGO
Modernisierte Neubauwohungen: Vor allem in den Ballungszentren und den Großstädten sind preiswerte Wohnungen nach wie vor knapp. Foto: IMAGO
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Der Wohnungsmarkt ist außer Rand und Band, Mieten steigen doppelt so schnell wie die Inflation. So wird Wohnen zum Armutsrisiko. Und was macht die Bundesregierung? Sie verspricht viel – und liefert zu wenig.

Glücklich, wer ein Häuschen hat oder eine Wohnung sein Eigen nennt. Denn der deutsche Wohnungsmarkt ist völlig aus den Fugen geraten – und zwar nicht plötzlich, sondern schleichend. Das Angebot hat mit der Nachfrage infolge von Zuzug, immer mehr Single-Haushalten, fehlenden Neubauten etc. nicht mithalten könne.

Zuletzt sind die Mieten doppelt so schnell gestiegen wie die Inflation. Selbst Durchschnittsverdiener finden in Ballungsräumen kaum noch bezahlbaren Wohnraum. Wohnen wird für immer mehr Familien, Berufseinsteiger und Senioren zum Armutsrisiko. Und das unter den Augen der Politik, die seit Jahren verspricht, für Besserung zu sorgen.

Tatsächlich sind die Probleme bekannt: zu wenig staatlich geförderter Wohnungsbau, eine überhitzte Bodenpreisentwicklung, komplizierte, den Bau verteuernde Vorschriften und gewissenlose Vermieter. Doch statt einen koordinierten Kurswechsel einzuleiten, hat noch jede Bundesregierung das Problem von Legislatur zu Legislatur weitergereicht. Gegenmaßnahmen bleiben hinter den Erwartungen zurück.

So war die Mietpreisbremse als starkes Signal gedacht – nun steht sie symbolisch für eine Wohnungspolitik, deren Wirkung verpufft, weil sie zu viele Ausnahmen kennt und zu wenig kontrolliert wird.

Zugleich ist der Anteil befristeter und möblierter Mietangebote auf Rekordniveau gestiegen; mangelnde Regulierung lässt hier die Mieteinnahmen sprudeln. Gleichzeitig verfehlt die Bundesregierung das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr regelmäßig. 2025 wurden kaum mehr als die Hälfte davon gebaut, viele Projekte liegen wegen gestiegener Zinsen und Baukosten auf Eis.

Wohnen aber ist das Fundament gesellschaftlicher Teilhabe und unter den herrschenden Bedingungen zur neuen sozialen Frage geworden. Wenn Fachkräfte, Pflegekräfte oder Erzieherinnen ihre Miete kaum noch tragen können, gefährdet das nicht nur soziale Gerechtigkeit, sondern das Gleichgewicht ganzer Städte. Ohne massiven öffentlichen Eingriff aber wird der Markt seine soziale Balance nicht wiederfinden.

Marktlogik allein produziert keinen bezahlbaren Wohnraum. Es wird höchste Zeit, dass die Bundesregierung Wohnen endlich als zentrale Sozial- und Strukturpolitik begreift.

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