Hannover Umfrage vor neuem Slogan: Das denken die Deutschen über Niedersachsen
Für 10 Millionen Euro soll das Land Niedersachsen eine neue Imagekampagne bekommen. Aber was denken die Deutschen eigentlich über Niedersachsen? Das hat nun das Institut Allensbach ermittelt.
Neun Prozent der Deutschen haben eine genauere Vorstellung von Niedersachsen. Das hat eine neue Umfrage des Instituts Allensbach im Auftrag des Industrieverbands Niedersachsenmetall unter Menschen aus anderen Bundesländern ergeben. Mehr als jeder vierte Deutsche hat demnach kein konkretes Bild vom Bundesland im Nordwesten, jeder Zweite zumindest eine ungefähre Idee.
Deutsche verbinden Niedersachsen vor allem mit Urlaub: 87 Prozent der Befragten verknüpfen mit Niedersachsen schöne Landschaften und drei von vier Deutschen verbinden mit dem Nordwesten attraktive Urlaubsregionen und gute Ausflugsmöglichkeiten. Rund 70 Prozent finden, in Niedersachsen gäbe es sehenswerte Städte, und auch die Energieversorgung und Windkraft verknüpfen viele Befragte mit Niedersachsen. Jeder zweite Deutsche denkt an sympathische Menschen und gutes Essen und Trinken.
„In der Wahrnehmung als Wirtschafts- und Industriestandort bleibt das Bundesland jedoch blass“, warnt der Industrieverband Niedersachsenmetall, der die Umfrage in Auftrag gegeben hatte. Nur jeder vierte Deutsche verbindet Niedersachsen mit sicheren Arbeitsplätzen oder einem guten Bildungssystem, nicht einmal ein Drittel mit wirtschaftlicher Stärke. Nur jeder fünfte Deutsche hält das Bundesland für innovativ, nur jeder sechste für modern. Sogar die Niedersachsen selbst schätzen ihr Bundesland – anders als in allen anderen Bundesländern – wirtschaftlich nicht stärker ein als der Rest der Republik. Zum Vergleich: 87 Prozent der Bayern finden, die eigene regionale Wirtschaft sei stark.
„Das ist das Ergebnis, wenn man glaubt, sich dem Standortwettbewerb nicht aktiv stellen zu müssen“, kritisierte Schmidt. „Wenn Niedersachsen im internationalen Wettbewerb bestehen will, muss es sichtbarer werden“, warnte Niedersachsenmetall-Chef Volker Schmidt. „Wer nicht wahrgenommen wird, findet auch nicht statt.“
Akteure aus der Wirtschaft fordern deshalb seit Längerem eine neue Standortkampagne. Nun liefert die Landesregierung. Niedersachsen soll wieder attraktiver werden „für diejenigen, die hier wohnen, und für diejenigen, die zum Arbeiten herkommen, oder für die, die hier investieren wollen“, findet die Staatskanzlei. Dazu soll eine Agentur eine neue Kampagne entwickeln, für die rund 10 Millionen Euro bereitgestellt werden. Die neue Umfrage solle den Entwicklungsprozess „konstruktiv unterstützen“, teilte Niedersachsenmetall mit. „Eine erfolgreiche Kampagne braucht Fakten.“
Deshalb schlugen die Demoskopen den Befragten Begriffe vor und fragten, ob diese mit Niedersachsen verknüpft werden. Am besten kam dabei die Lüneburger Heide an: 78 Prozent der Deutschen verbinden die Kulturlandschaft rund um die ehemalige Hansestadt der Umfrage zufolge mit Niedersachsen. Auch Landwirtschaft, die Nordsee, der Volkswagen-Konzern und Windkraft wären für die Deutschen der Umfrage zufolge typisch niedersächsisch. Immerhin die Hälfte der Befragten findet die Niedersachsen zudem „bodenständig“, mehr als 40 Prozent der Befragten verknüpfen das Bundesland auch mit großen Messen und Industrie.
Mehrere Bewerber sollen sich bereits gemeldet haben, schon im Sommer soll die Kampagne starten. „Das sind nicht nur 10 Millionen Euro für einen Slogan“, betonte Ministerpräsident Olaf Lies beim Neujahrsempfang der örtlichen IHK im Osnabrücker Alando Ballhaus. „Das wäre auch ein bisschen teuer.“ Die Kampagne soll mindestens zwei Jahre laufen, für jedes stellt die Landesregierung fünf Millionen Euro bereit. In diesem Sommer soll die Kampagne starten.
Was zukünftig mit dem bisherigen Slogan passieren wird, ist noch unklar. Seit 2016 heißt es schlicht „Klar“, wenn man auf der Autobahn die Grenze nach Niedersachsen überfährt. In der neuen Ausschreibung sei bewusst offengelassen worden, ob Elemente der früheren Kampagnen bestehen bleiben oder geändert werden sollen, teilte ein Sprecher der Staatskanzlei mit. Der Slogan habe „nach unserer Beobachtung wenig geholfen und mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben“, sagte Niedersachsenmetall-Chef Schmidt. „So klar war da eigentlich nichts.“
Damit spielte der Verbandschef auf eine Kontroverse um die Einführung des bisherigen Slogans im Jahr 2016 an. Ein Untersuchungsausschuss hatte sich damals mit der Vergabe beschäftigt, nachdem ein SPD-naher Unternehmer den Auftrag bekommen hatte. Die Landesregierung hatte später Fehler im Prozess der Auftragsvergabe eingeräumt, eine manipulative Bevorzugung aber zurückgewiesen. Rechtliche oder disziplinarische Konsequenzen gab es damals nicht. Dieses Mal soll die Kampagne von der landeseigenen Innovationsagentur Niedersachsen.next gesteuert werden.